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Die schwierige Geburt von Rettungspaket Nummer drei

Der Schock des Referendum; das zerrüttete Vertrauen in die Griechen; die Rettung in letzter Minute: So sieht Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem die letzten Wochen.

Das Ringen um ein Abkommen zur Rettung von Griechenland war lange und nervenaufreibend: Eurozonen-Chef Jeroen Dijsselbloem.
Das Ringen um ein Abkommen zur Rettung von Griechenland war lange und nervenaufreibend: Eurozonen-Chef Jeroen Dijsselbloem.
Stephanie Lecocq/EPA

Am Ende stand Griechenland wohl nur Minuten vor dem Staatsbankrott und dem Ausstieg aus der Eurozone, dem Grexit. Am Montagmorgen, 13. Juli, haben sich die Griechen und die Euroländer doch noch auf einen Reformplan einigen können, dem das griechische Parlament diese Woche zugestimmt hat – wenn auch gegen erheblichen Widerstand aus Alexis Tsipras’ Syriza-Partei. Die Details zur Umsetzung können nun ausgehandelt werden.

Eurozonen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat in einem Interview mit dem «Wall Street Journal» seine ganz persönliche Sicht auf die turbulenten letzten Wochen dargelegt. Der grosse Schock war ganz klar der Moment, als die Griechen ihre Referendumspläne bekanntgaben. «Dabei hatten wir uns davor sehr weit angenähert», sagte Dijsselbloem. «Ich bin am Morgen aufgestanden, habe meine E-Mails gecheckt und brrrr… Ich konnte es gar nicht richtig glauben.»

Vertrauen zerstören, Vertrauen wiederherstellen

Die griechische Regierung hat mit der Volksabstimmung und vor allem mit dem Versprechen an ihre Bevölkerung, dass sie bei einem Nein grössere Chancen auf einen besseren Deal hätte, jegliches Vertrauen verspielt, so der Niederländer. Die neuen Vorschläge der Griechen wurden dann in der Eurogruppe entsprechend kritisch aufgenommen und kommentiert. «Wenn man einem Partner nicht vertrauen kann, dass er Abmachungen, die man vertraglich festhält, auch tatsächlich umsetzt, ist es natürlich enorm schwierig, überhaupt irgendeine Einigung zu erzielen.»

Zusätzliche Brisanz verlieh der ganzen Angelegenheit ein Dokument der Deutschen, das noch vor dem Gipfel an die Presse gelang war. Darin zeichnete Finanzminister Wolfgang Schäuble auch ein Bankrott-Szenario auf, das einen – temporären – Austritt Griechenlands aus der Eurozone vorsah. «Es ist nie hilfreich, wenn so etwas an die Presse gelangt, aber das Dokument an sich war wichtig, weil es für Deutschland darum ging, Vertrauen wiederherzustellen», sagte Dijsselbloem zurückblickend.

Lob für den neuen griechischen Finanzminister

Entgegen Meldungen in der Presse sei die Stimmung während der Konferenz vom Wochenende nicht hitzig, sondern konstruktiv gewesen. Aber es habe ernsthafte Zweifel an den Griechen gegeben. Diese Zweifel konnten offenbar zerstreut werden, auch durch den neuen griechischen Finanzminister Efklidis Tsakalotos, dem seine Amtskollegen eine äusserst konstruktive und realistische Einstellung attestierten.

Am alles entscheidenden vergangenen Wochenende sah es also zunächst nicht gut aus für ein Abkommen. Als Knackpunkt sollte sich der 50-Milliarden-Euro-Fonds herausstellen, der durch den Verkauf von staatlichen Unternehmen und Infrastrukturen gefüllt werden soll. «Der härteste Moment war am Montagmorgen um sechs Uhr, als Alexis Tsipras diesem Fonds aus Prinzip nicht zustimmen wollte und konnte.»

«Zeit, ein neues Kapitel zu schreiben»

«Ich denke der Kompromiss, den wir aber letztlich gefunden haben, ist fair», so der Eurozonen-Chef. Die ersten 25 Milliarden Euro fliessen in Schuldenrückzahlungen, von den weiteren 25 Milliarden soll die Hälfte in die griechische Wirtschaft investiert werden.

Der Durchbruch wurde dann morgens um neun Uhr vermeldet, nachdem sich Donald Tusk, Angela Merkel und François Hollande mit Tsipras und Tsakalotos einig geworden waren. «Ich war erleichtert, weil ich ehrlich glaube, dass es ein Desaster für Griechenland gewesen wäre, den Euroraum zu verlassen. Aber ich denke, dieser Deal wird die griechische Wirtschaft, nach einer schwierigen Anfangsphase, wiederbeleben.» Es werde seine Zeit brauchen, es werde Aussetzer geben und es werde auch Proteste und Gegenströmungen geben, «aber ich denke, es ist Zeit, ein neues Kapitel zu schreiben und diese Reformen ernsthaft auf den Weg zu bringen.»

Zwar habe er nach dem Nein der Griechen im Referendum grosse Zweifel gehabt, dass man die Kurve noch einmal kriegen werde. Aber «das Wunder ist passiert».

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