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«Die Truppe, die acht Jahre an der Macht war, kann nichts»

Die Spannung ist gross in Polen, der Ausgang der Präsidentschaftswahl laut Umfragen völlig offen. Die Meinungen klaffen weit auseinander – viele Bürger sehen aber den Herausforderer Andrzej Duda als Favorit.

Der Ausgang der Wahlen ist völlig offen: Wähler in traditionellen polnischen Trachten bei der Stimmabgabe. (24.05.2015)
Der Ausgang der Wahlen ist völlig offen: Wähler in traditionellen polnischen Trachten bei der Stimmabgabe. (24.05.2015)
Reuters

Er hatte die erste Wahlrunde mit 34,76 Prozent überraschend vor Amtsinhaber Bronislaw Komorowski gewonnen, der auf 33,77 Prozent gekommen war. Umfragen sahen den 43-jährigen Juristen Duda bei 51 Prozent. Der 62-jährige Komorowski, der nach Ansicht von Beobachtern in zwei TV-Duellen punkten konnte, lag bei 49 Prozent.

Es sei «unmöglich», auf Basis der Umfragen den Ausgang der Wahl vorherzusagen, sagte Stanislaw Mocek von der polnischen Akademie der Wissenschaften.

«Ich habe für Duda gestimmt, weil die Truppe an der Macht schon acht Jahre lang gezeigt hat, was sie kann: nichts!», sagte Bogdan Janocha vor einem Wahllokal in Warschau. «Sie haben das Land ruiniert.» Er erwarte von Duda einen«kompletten Wandel».

Wähler Marek Graszkiewicz setzte dagegen auf Kontinuität: «Ich habe für Bronislaw Komorowski gestimmt und hoffe, dass er mehr Dinge umsetzen kann als Duda.»

Kaczynski als Strippenzieher

Der Europaabgeordnete Duda trat am Morgen in Begleitung seiner Frau und seiner Tochter in Krakau an die Wahlurne. Er ist der Kandidat der nationalkonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

Das Ergebnis des Urnengangs wird auch deshalb mit Spannung erwartet, weil es den Ausgang der Parlamentswahl im Herbst vorweg nehmen könnte: Sollte Duda Präsident werden, könnte dies womöglich auch zu einem Sieg der PiS im Herbst führen.

Deren unangefochtener Chef ist der frühere Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski. Der Zwillingsbruder des 2010 bei einem Flugzeugabsturz in Russland gestorbenen früheren Präsidenten Lech Kaczynski macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen, wieder an die Macht zurückkehren zu wollen.

Darauf hatte Komorowski in einer der TV-Duelle gezielt, als er Duda entgegenhielt: «Ich bin ein unabhängiger Mann. Ich habe keinen Vorgesetzten.» Dudas Versprechen seien zudem unbezahlbar.

Sozialpolitische Versprechen

Im Wahlkampf hatte Duda vor allem soziale Verbesserungen in Aussicht gestellt, auch wenn die Sozialpolitik nicht zum Kompetenzbereich des polnischen Präsidenten gehört.

Dennoch versprach er steuerliche Erleichterungen insbesondere für kinderreiche Familien, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Absenkung des Renteneintrittsalters. Fünf Tage vor der Wahl stellte sich die Gewerkschaft Solidarnosc hinter Duda.

Die Wahllokale schliessen um 19.00 Uhr. Nachwahlbefragungen werden unmittelbar im Anschluss veröffentlicht.

Erste Prognosen wenig verlässlich

Experten warnten jedoch davor, bei der Stichwahl den ersten Prognosen am Wahlabend zu viel Vertrauen zu schenken. Angesichts des Kopf an Kopf-Rennens zwischen Komorowski und Duda seien in der Wahlnacht noch Überraschungen möglich.

Als entscheidend könnte sich die Wahlbeteiligung erweisen - und die Frage, welcher Kandidat noch mehr Wähler mobilisieren konnte. Auch wenn die Wahlbeteiligung leicht über dem ersten Wahlgang lag, begann die Wahl am Sonntag eher schleppend. Bis mittags habe die Wahlbeteiligung 17,4 Prozent betragen, teilte die Wahlkommission mit.

SDA/rsz

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