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Die verlorene Ehre des Sebastian Edathy

Der deutsche Sozialdemokrat bestellte Bilder von nackten Jungen und musste als Abgeordneter zurücktreten. Der Fall zeigt, wie gnadenlos eine wütende Öffentlichkeit werden kann. Am Montag beginnt der Prozess.

Er sei ein Mensch, der ein Talent besitze, sich keine Freunde zu machen, schrieb das Wochenmagazin «Stern» über Sebastian Edathy. Foto: Axel Schmidt (DDP Images)
Er sei ein Mensch, der ein Talent besitze, sich keine Freunde zu machen, schrieb das Wochenmagazin «Stern» über Sebastian Edathy. Foto: Axel Schmidt (DDP Images)

Diese Geschichte handelt von einem angesehenen Politiker, der sich Bilder von nackten Jungen beschaffte und deswegen zurücktreten musste. Die sogenannte Kinderporno-Affäre schockierte die deutsche Öffentlichkeit. Sebastian Edathys bürgerliche Existenz war vernichtet, aufgebrachte Bürger drohten ihm mit Mord. Gleichzeitig wurde sein Fall zur Staatsaffäre, weil sich zeigte, dass höchste Kreise von Politik, Justiz und Polizei monatelang über die Ermittlungen gegen Edathy im Bilde gewesen waren. Jemand warnte den Abgeordneten, sodass dieser Spuren verwischen und Beweismittel vernichten konnte. Angela Merkels eben gewählte Grosse Koalition geriet in die Krise und opferte einen Minister, um sich reinzuwaschen. Wer welche Geheimnisse wem verriet, untersucht bis heute ein Ausschuss des Bundestags. Als bekannt wurde, dass die von Edathy im Internet bestellten Bilder vermutlich legal waren, hob eine heftige Debatte über Pädophilie, Recht und Moral an. Edathy inszenierte sich als Opfer einer hysterischen Öffentlichkeit – die Grenzen von Gut und Böse verschwammen. Schliesslich trat die Staatsanwaltschaft auf den Plan mit dem Vorwurf, dass dieser nachweislich auch illegale Kinderpornografie besessen habe. Wegen dieser Vorwürfe steht Edathy nun, ein Jahr später, vor Gericht.

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