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«Die Vielfalt ist der grösste europäische Wert»

Die Griechenland-Krise stellt Europa auf die Probe: Was hält den Kontinent zusammen? Für den bekannten Intellektuellen Jorge Semprún ist die Stärke Europas «maximale Diversität auf minimalstem Raum». Nur fehlt im Gegensatz zu früher der gemeinsame Feind.

«Helmut Kohl und François Mitterrand waren grosse Politiker. Heute sehe ich keinen von dem Format», sagt Semprún.
«Helmut Kohl und François Mitterrand waren grosse Politiker. Heute sehe ich keinen von dem Format», sagt Semprún.

Monsieur Semprún, Sie sind Spanier, schreiben auf Französisch, haben in Deutschland und Italien zahlreiche Literaturpreise bekommen. Sie sind ein europäischer Intellektueller – aber existiert eigentlich so etwas wie europäische Kultur? Sicher, auch wenn es schwierig ist, sie zu definieren. Die europäische Kultur ist zuallererst eine Frucht der gemeinsamen Erfahrungen und gemeinsamen Geschichte auf unserem Kontinent. Die alten Griechen und das alte Rom, das Christentum, die Renaissance, der Humanismus, die Aufklärung: Das ist unser gemeinsames Erbe. Im 20. Jahrhundert kommt der Kampf gegen den Nationalsozialismus hinzu, gegen den Kommunismus, die Diktaturen. Nachkriegseuropa hat sich im Widerstand gegen den Totalitarismus gebildet. Diese Erfahrungen teilen die Europäer miteinander. Und daraus ist ein Wertekorpus geboren, der die zeitgenössische europäische Kultur begründet.

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