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Die Worte der Queen zum Dritten Weltkrieg

1983 brach für Grossbritannien der Dritte Weltkrieg aus – zumindest in einer Simulation der Regierung. Die dazugehörigen Dokumente wurden nun veröffentlicht, inklusive der Kriegsrede von Queen Elizabeth II.

Angespannte Zeiten: Die Queen mit Helmut Kohl (l.), Ronald Reagan und Maggie Thatcher 1984.
Angespannte Zeiten: Die Queen mit Helmut Kohl (l.), Ronald Reagan und Maggie Thatcher 1984.
Keystone

«Der Wahnsinn des Krieges verbreitet sich einmal mehr über der Welt. Unser mutiges Land muss sich grossen Widrigkeiten zum Trotz einmal mehr für den Überlebenskampf rüsten.» Die düsteren Worte stammen aus einer Rede für Queen Elizabeth II. Einer, die die britische Monarchin nie halten musste.

Mitten im Kalten Krieg simulierte die britische Regierung 1983 den Dritten Weltkrieg mit all seinen möglichen Folgen für Westeuropa und Grossbritannien. Zur Anlage der sogenannten Wintex-Cimex-Simulation gehörte auch die Rede zur Lage der Nation der Queen. Nach Ablauf der 30-jährigen Geheimhaltungsfrist haben die National Archives die Übungsakten freigegeben; die «BBC» und die Zeitung «The Telegraph» haben die Rede von Queen Elizabeth II veröffentlicht.

«Die tödliche Kraft missbrauchter Technologie»

Gemäss der Dokumente hätte die Queen ihre Worte in einem Moment an das Volk gerichtet, in dem ein Nuklearangriff auf Grossbritannien nicht mehr auszuschliessen gewesen wäre. Sogar ein konkreter Zeitpunkt der Rede war in der Übung vorgesehen: Elizabeth II hätte am 4. März 1983 zur Mittagszeit zu den Briten und Britinnen gesprochen. Am Anfang der Rede verweist die Königin auf ihre Weihnachtsansprache wenige Monate zuvor, als «die Schrecken des Krieges nicht ferner hätten sein können».

Später ruft sie die Briten zum Zusammenhalt gegen das «neue Böse» auf. Sie legt ihrem Volk jedoch auch offen, welche Art Krieg auf es zukommen wird: «Unser Feind ist nicht der Soldat mit seinem Gewehr, es ist auch nicht der Kampfpilot, der über unsere Städte zieht; es ist die tödliche Kraft missbrauchter Technologie.»

Prinz Andrew an der Front

Bisweilen enthält die Ansprache auch erstaunlich persönliche Abschnitte. So erzählt die Queen vom Moment, in dem sie und ihre Schwester sich die Rede ihres Vaters zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges anhörten. «Ich hätte mir nie träumen lassen, dass diese ernste und schreckliche Pflicht eines Tages mir zufallen würde.»

Die Redenschreiber lassen die Queen auch die Angehörigen der Soldaten und Soldatinnen ansprechen: Sie und ihr Mann teilten die Angst mit all jenen, die Angehörige hätten, die in diesen Tagen dem Land dienten. «Mein geliebter Sohn Andrew ist ebenfalls mit seiner Einheit im Krieg. Wir beten für seine Sicherheit und für die Sicherheit aller Dienstleistender.»

Angesichts der Detailtreue und des Einfallsreichtums der Beamten, welche die Rede schrieben, zeigt sich Mark Dunton von den National Archives gegenüber dem «Telegraph» fasziniert: «Mir lief es kalt den Rücken hinunter, als ich die Rede las; die Atmosphäre ist düster und trostlos.»

Angespannte Phase des Kalten Krieges

Das düstere Szenario der Wintex-Cimex-Simulation und der Queen-Rede lässt sich mit der damaligen weltpolitischen Lage erklären, hebt die «BBC» hervor. 1983 war eines der angespanntesten Jahre des Kalten Krieges. Der US-Präsident Ronald Reagan hatte die Sowjetunion verärgert, indem er das Land als «böses Imperium» bezeichnet hatte. Später verunsicherte er Moskau mit der Ankündigung der Strategischen Verteidigungsinitiative – diese sah den Aufbau eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen vor – sowie mit der Stationierung von Nuklearraketen in Europa.

Im September 1983 wurde die Lage noch heikler, als die russische Luftwaffe den Flug 007 der South Korean Airline abschoss; 269 Menschen starben.

Angriff vom Orangen Block

In der Wintex-Cimex-Übung wird Grossbritannien Opfer eines Chemiewaffenangriffs vom Orangen Block. Dieser stellt die UdSSR und die Länder des Warschauer Pakts dar. Im wirklichen Leben unterzeichneten die USA und die Sowjetunion 1987 den Washingtoner Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme. Mit diesem verpflichteten sich die beiden Nationen zur Vernichtung aller Mittel- und Kurzstrecken-Raketen.

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