Diesen Preis zahlt Europa für die Russland-Sanktionen

Eine österreichische Studie beziffert Exporteinbruch und Jobverluste in der EU seit der Ukraine-Krise. Der Grund dafür sind aber nicht nur die Sanktionen gegen Russland.

Die EU-Sanktionen gegen Russland sind seit Juli 2014 in Kraft: Prorussischer Kämpfer in Uglegorsk in der Ostukraine.

Die EU-Sanktionen gegen Russland sind seit Juli 2014 in Kraft: Prorussischer Kämpfer in Uglegorsk in der Ostukraine. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Sanktionen der EU gegen Russland und dessen Gegensanktionen haben in der EU allein im Jahr 2015 einen volkswirtschaftlichen Schaden von 17,6 Milliarden Euro angerichtet. Der Einbruch beim Handel spiegelt sich im Verlust von über 400'000 Arbeitsplätzen, wie die österreichische Zeitung «Standard» berichtet. Der Bericht stützt sich auf eine im Dezember 2016 veröffentlichte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) in Wien. Das Wifo gilt als grösste Denkfabrik Österreichs.

Die im Auftrag des österreichischen Wirtschaftsministeriums entstandene Studie beziffert den Rückgang der Wirtschaftsleistung der einzelnen EU-Länder. In Deutschland zum Beispiel lag der volkswirtschaftliche Schaden im Jahr 2015 bei 6,8 Milliarden Euro. Damit verbunden war der Verlust von rund 97'000 Jobs. Die entsprechenden Zahlen für Österreich lagen bei 550 Millionen Euro und 7000 Jobs.

Russlands Wirtschaftsschwäche hat grösseren Effekt als Sanktionen

Die Handelsbeziehungen zwischen den EU-Ländern und Russland hätten aber auch ohne Sanktionen stark gelitten, wie aus der Wifo-Studie hervorgeht: «Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass der Rückgang der Exporte der gesamten EU nach Russland zum einen durch die verhängten Sanktionen beschleunigt wurde, zum anderen ein wesentlicher Teil des Effektes jedoch der allgemeinen wirtschaftlichen Situation in Russland geschuldet ist.» Damit gemeint sind die in den letzten Jahren schwächelnde Wirtschaft Russlands respektive der drastische Ölpreis- und Rubel-Verfall.

Nur ein kleiner Teil des volkswirtschaftlichen Schadens in den EU-Staaten geht direkt auf die Sanktionen gegen Russland zurück. Den sanktionsbedingten Anteil des Exporteinbruchs in der EU beziffert die Wifo-Studie mit 44 Prozent. «Insgesamt ist der tatsächliche Rückgang von EU-Exporten nach Russland im Jahr 2015 mit einer Bruttowertschöpfung von cirka 40 Milliarden Euro und cirka 900'000 Beschäftigungsverhältnissen verbunden», heisst es in der Studie.

Sanktionen um weitere sechs Monate verlängert

Die wegen der Ukraine-Krise Ende Juli 2014 eingeführten Wirtschaftssanktionen gegen Russland haben die EU-Staaten wenige Tage vor Weihnachten 2016 um weitere sechs Monate verlängert. Die Strafmassnahmen bleiben nun bis am 31. Juli 2017 in Kraft. Die EU-Sanktionen betreffen den russischen Finanz-, Energie- und Rüstungssektor. Ausserdem gilt ein Ausfuhrverbot für sogenannte Dual-use-Güter, also zivile Güter, die auch militärisch genutzt werden können. Die EU-Staaten haben wiederholt betont, dass die Aufhebung der Sanktionen an die vollständige Umsetzung der Minsker Waffenruhe-Vereinbarung für die Ostukraine geknüpft sei.

Trotz des gemeinsamen Verlängerungsbeschlusses wächst in einzelnen EU-Ländern der Widerstand gegen die Russland-Sanktionen. Österreich gehört zu den Staaten, die sich offen für eine stufenweise Aufhebung der EU-Sanktionen starkmachen. Kürzlich äusserte der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz sein Bedauern, dass die Russland-Sanktionen «ohne Diskussion verlängert» worden seien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.01.2017, 19:32 Uhr

Artikel zum Thema

Wiener Weltpolitik birgt Gefahren

Analyse Österreich will als OSZE-Vorsitzender die EU mit Wladimir Putin versöhnen. Doch das darf nicht auf Kosten von Ukrainern oder Polen gehen. Mehr...

«Druck auf Russland aufrecht erhalten»

Die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Putin laufen demnächst aus. Jetzt schaltet sich die Nato mit deutlicher Forderung ein. Mehr...

Putin: «Wir haben nie Feinde gesucht, wir brauchen Freunde»

Russlands Präsident räumte in einer Programmrede interne Gründe für die Wirtschaftskrise ein. Dem Westen signalisierte er Kooperationsbereitschaft. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Nachspielzeit Fischer, ein Gewinner in Basels Krise

Sweet Home Herbstgerichte – ein wenig anders

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Durchblick: Ein Mann mit einem Pilotenhut macht sich bereit um ein Foto in einer Cockpit Attrappe zu machen. (20.September 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...