Zum Hauptinhalt springen

Dioxin: Hunderte Schweine werden notgeschlachtet

Der Dioxin-Skandal weitet sich aus. Nachdem bislang nur Eier und Hühnerfleisch betroffen war, wurde in Niedersachsen erstmals ein stark erhöhter Dioxin-Wert in Schweinefleisch nachgewiesen.

Verschärfte Kontrollen: Eine Labormitarbeiterin im deutschen Oldenburg untersucht die Dioxinwerte in Lebensmitteln.
Verschärfte Kontrollen: Eine Labormitarbeiterin im deutschen Oldenburg untersucht die Dioxinwerte in Lebensmitteln.
Keystone
Gefährdet: Kontrolle im Fleischversorgungszentrums in Mannheim.
Gefährdet: Kontrolle im Fleischversorgungszentrums in Mannheim.
Keystone
Die für das Futterfett verwendete Mischfettsäure selbst stammt von einer Biodiesel-Anlage der Petrotec AG.
Die für das Futterfett verwendete Mischfettsäure selbst stammt von einer Biodiesel-Anlage der Petrotec AG.
Keystone
1 / 8

Mehrere hundert Schweine eines Betriebes im Landkreis Verden müssten deshalb getötet werden, sagte Gert Hahne, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, am Dienstag in Hannover. In einem weiteren Schweinemastbetrieb sei nach Ergebnissen von Probeschlachtungen eine Belastung im Bereich des Grenzwertes ermittelt worden. Der Betrieb bleibt gesperrt und wird weiter kontrolliert.

Weitere Fälle nicht auszuschliessen

Der Landkreis Verden will am Nachmittag in einer Pressekonferenz Details zu dem Prüfergebnis nennen. Wie hoch der Dioxin-Wert im Schweinefleisch des betroffenen Betriebs genau lag, ist noch unklar. Hahne schloss nicht aus, dass auch in den kommenden Tagen weitere Proben mit einem erhöhten Dioxin-Wert in Schweinefleisch auftreten könnten. Rund 100 Schweinemastbetriebe sind alleine noch in Niedersachsen gesperrt. Von jedem Betrieb werde nun einzeln das Fleisch nach der Schlachtung überprüft.

Der betroffene Betrieb im Landkreis Verden gehörte den Angaben zufolge zu den Kunden, die mit Futtermitteln des Unternehmen Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein beliefert wurden. Das Fett war als Ausgangsprodukt an diverse Futtermittelhersteller geliefert und dort weiterverarbeitet worden. In Eiern und bei Legehennen waren erhöhte Dioxinwerte bereits nachgewiesen worden.

«Attacke auf die Gesundheit der Bürger»

Nach Angaben von Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) ist das schleswig-holsteinische Unternehmen nach jetzigem Ermittlungsstand auch hauptverantwortlich in dem Skandal. Der CDU-Politiker geht derzeit von vorsätzlichem Betrug aus und forderte eine erhebliche Strafe für die Verantwortlichen. «Das ist eine Attacke auf die Gesundheit der Bürger und deshalb höchst kriminell einzustufen», sagte Busemann.

Hahne bestätigte, dass das Land Niedersachsen Schadenersatzansprüche gegen den Verursacher des Dioxin-Skandals prüfen werde. Schliesslich seien dem Land durch die Kontrollen enorme Kosten entstanden. Wie hoch diese Forderungen sein könnten, sei aber noch unklar.

Noch mehr als 300 Betriebe gesperrt

Unterdessen wurden in Niedersachsen weitere landwirtschaftliche Betriebe nach Untersuchungen wieder freigegeben. Derzeit seien noch 330 der ursprünglich rund 4400 Betriebe gesperrt. Die dort produzierten Lebensmittel würden nun auf ihren Dioxin-Gehalt überprüft. Sollten die Höchstwerte überschritten werden, müssten die Lebensmittel in dafür geeigneten Verbrennungsanlagen unschädlich gemacht werden, hiess es.

Bundesweit waren nach aktuellen Zahlen des Verbraucherschutzministeriums noch 558 Betriebe gesperrt, neben den 330 in Niedersachsen waren das 143 in Nordrhein-Westfalen und 62 in Schleswig-Holstein.

Belastete Eier an Verbraucher verkauft

In der Region Hannover konnte unterdessen erstmals eindeutig belegt werden, dass mit Dioxin belastete Eier an die Verbraucher verkauft wurden. Bis Sonntag seien Eier mit dem Erzeugercode 2-DE-0350384 in den Handel gelangt. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rät vom Verzehr dieser Eier ab.

Erst am Montag wurde der Fachdienst der Region Hannover darüber informiert, dass Verbraucher die Eier bereits vergangenen Freitag erworben haben. Die Eier stammen aus einem gesperrten Betrieb im Landkreis Cloppenburg.

Industriefette künftig eingefärbt?

Niedersachsens Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke will am Dienstagnachmittag im Ernährungsausschuss des Bundestages die niedersächsischen Vorschläge zur Verbesserung des Verbraucherschutzes vortragen. Unter anderem will das Land, dass Industriefette künftig eingefärbt werden.

In dem Ausschuss wurde auch Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) erwartet. Ausserdem wollten das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit über die Auswirkungen des Dioxin-Skandals berichten.

dapd/jsp/kos

dapd/raa

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch