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Doppelmord schreckt Griechenland auf

Nach dem Anschlag auf Rechtsextreme haben viele Griechen Angst vor einer Eskalation der Gewalt. Die Täter sollen gezielt und kaltblütig gehandelt haben.

Die Tat hat Griechenland aufgeschreckt: Ein Mitarbeiter der Spurensicherung am Tatort. (2. November 2013)
Die Tat hat Griechenland aufgeschreckt: Ein Mitarbeiter der Spurensicherung am Tatort. (2. November 2013)
AP Photo/Kostas Tsironis
Die beiden Getöteten waren Mitglieder der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte: Ein Abgeordneter vor dem Parteibüro in Athen.
Die beiden Getöteten waren Mitglieder der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte: Ein Abgeordneter vor dem Parteibüro in Athen.
AP Photo/Kostas Tsironis
Die getöteten waren 22 und 27 Jahre alt.
Die getöteten waren 22 und 27 Jahre alt.
AP Photo/Kostas Tsironis
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Die Erschiessung von zwei Mitgliedern der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte hat Angst vor einer Eskalation der politisch motivierten Gewalt in Griechenland geschürt. Die Regierung werde nicht akzeptieren, dass das Land «Schauplatz gewaltsamer Abrechnungen» werde, sagte der Minister für Öffentliche Ordnung, Nikos Dendias. Das Verbrechen sei «ein Angriff auf die Demokratie selbst», kommentierte die Zeitung «Ethnos».

Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf zwei Mitglieder der griechischen Neonazipartei «Goldene Morgenröte» fehlt von den Tätern noch jede Spur. Experten gehen davon aus, dass Mitglieder linker Untergrundorganisationen, die sich als Stadtguerilla bezeichnen, hinter dem Anschlag stecken könnten. Bei dem Anschlag auf offener Strasse in der Athener Vorstadt Irakleion wurde in dritter Mann schwer verletzt. Er schwebt weiter in Lebensgefahr.

22 und 27 Jahre alt

«Es war ein sozusagen professionell ausgeübter Anschlag», sagte ein Polizeioffizier. Die Täter hätten nach einem «genauen Plan agiert und kaltblütig geschossen.»

Die Opfer sind 22 und 27 Jahre alt, wie die Polizei mitteilte. Der Verletzte sei ein 29-Jähriger. Die griechische Presse veröffentlichte Fotos der beiden Toten. Diese waren bekannte Mitglieder in der rechtsextremistischen «Goldenen Morgenröte», wie die Partei auf ihrer Homepage bestätigte.

Feuer auf offener Strasse eröffnet

Auf einem der Polizei vorliegenden Video einer Überwachungskamera sei die Attacke klar zu sehen, berichteten griechische Medien. Die Täter hätten zunächst aus etwa 15 Meter Entfernung das Feuer auf insgesamt vier Männer eröffnet, die vor den Büros der «Goldenen Morgenröte» gestanden hätten.

Einer sei ins Innere des Gebäudes geflohen. Einer der Täter habe sich dann den Opfern genähert und weitere Schüsse aus unmittelbarer Nähe auf abgefeuert.

Eine ballistische Überprüfung habe ergeben, dass die Tatwaffe noch nie bei einem Terroranschlag oder Raubüberfall benutzt worden sei, berichtete das staatliche Radio unter Berufung auf die Polizei.

Die Täter seien mit einem Motorrad gefahren und hätten Helme und Handschuhe getragen, berichteten Augenzeugen. Am Tatort seien zwölf Patronen mit einem Kaliber von neun Millimetern gefunden worden, teilte die Polizei am Samstag mit.

Destabilisierung als Ziel

Die Täter wollten nach Meinung vieler griechischer Kommentatoren mit dem Anschlag das Land destabilisieren. «Zwölf Kugeln gegen die Demokratie», titelte die Athener Zeitung «Ta Nea».

Alle griechischen Parteien verurteilen den Anschlag. Regierungssprecher Simos Kedikoglou sagte am Abend nach einem Treffen mit Regierungschef Antonis Samaras, Justiz und Gesellschaft würden energisch gegen solche Angriffe vorgehen. «Das sollen die Mörder wissen», sagte er.

Der Chef der populistischen Partei der Unabhängigen Griechen (AN.EL.), Panos Kammenos, sagte, die Täter hätten das Ziel, das Land in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Racheakt befürchtet

Mitte September hatte ein mutmassliches Mitglied der «Goldenen Morgenröte» einen linken Rapper in der Hafenstadt Piräus mit Messerstichen getötet. Danach wurde in Griechenland befürchtet, der Angriff könnte schwerwiegende Folgen für die politische Stabilität des Landes haben.

Der Polizei lagen seit Wochen Hinweise vor, dass eine Art Racheakt linker Untergrundorganisationen bevorsteht. Autonome linke Gruppierungen hatten in den vergangenen Jahren in Griechenland wiederholt Sprengstoffanschläge verübt und auch Polizisten erschossen.

Partei oder kriminelle Vereinigung?

Der Chef der Rechtsextremisten, Nikolaos Michaloliakos, sowie weitere zwei Abgeordnete und Dutzende Mitglieder der «Goldenen Morgenröte» sitzen seit Anfang Oktober in Untersuchungshaft. Die Justiz wirft ihnen vor, die Partei in eine kriminelle Vereinigung umgewandelt zu haben.

Die «Goldene Morgenröte» profitierte vor allem von den dramatischen Folgen der Finanzkrise für Griechenland und dem Zustrom von Migranten.

Die Neonazi-Partei stieg in den vergangen vier Jahren aus der Bedeutungslosigkeit auf. Sie stellt 18 der 300 Abgeordneten im griechischen Parlament. Nach Umfragen ist sie drittstärkste politische Kraft.

AFP/sda/mw

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