Drei von vier Deutschen für Wirtschaftssanktionen gegen Türkei

Das deutsch-türkische Verhältnis ist schwer belastet. Die Deutschen wünschten sich ein rigoroses Auftreten ihrer Regierung.

Die Fronten zwischen der deutschen Regierung und Recep Tayyip Erdogan sind verhärtet: Der türkische Präsident anlässlich einer Rede in Ankara. (6. September 2017)

Die Fronten zwischen der deutschen Regierung und Recep Tayyip Erdogan sind verhärtet: Der türkische Präsident anlässlich einer Rede in Ankara. (6. September 2017) Bild: Adem Altan/AFP

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Drei von vier Deutschen wollen, dass ihre Regierung sich für Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei einsetzt. In dem heute veröffentlichten ARD-«Deutschlandtrend» des Instituts Infratest dimap äusserten 77 Prozent diese Auffassung. 19 Prozent wandten sich gegen die Forderung nach Wirtschaftssanktionen.

Sogar 88 Prozent der Befragten gaben an, die deutsche Regierung sollte entschiedener gegenüber der türkischen Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdogan auftreten. Lediglich neun Prozent waren gegenteiliger Auffassung.

Allerdings finden es auch 80 Prozent der Befragten gut, dass Kanzlerin Angela Merkel weiterhin grundsätzliche Gesprächsbereitschaft gegenüber der Türkei signalisiert. 17 Prozent finden das nicht gut.

Deutsche wollen Türkei nicht in EU

Kaum noch Befürworter in Deutschland hat hingegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Vielmehr gaben 84 Prozent an, dass die EU das Land nicht in die Staatengemeinschaft aufnehmen sollte. Zwölf Prozent können sich dies dagegen mittel- bis langfristig weiterhin vorstellen.

Zuletzt war diese Frage im «Deutschlandtrend» im August 2016 gestellt worden. Damals wandten sich 80 Prozent der Befragten grundsätzlich gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. 15 Prozent sahen dies damals zumindest auf längere Sicht eher positiv.

Vergangenen Sonntag hatte Merkel im Wahlkampf-Duell mit ihrem Herausforderer Martin Schulz angekündigt, beim nächsten EU-Gipfeltreffen über einen Abbruch der Verhandlungen beraten zu wollen. Schulz hatte sich zuvor ebenfalls überraschend für einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen ausgesprochen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte jedoch kürzlich vor einem Abbruch durch die EU gewarnt. Er habe den türkischen Präsidenten Erdogan im Verdacht, dass er damit die Verantwortung für das Scheitern der Gespräche «alleine der Europäischen Union anlasten» wolle.

Verhaftungen belasten Beziehung

Für die Umfrage befragte Infratest dimap am Montag und Dienstag 1003 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz wurde mit 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten angegeben.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei hat sich in den vergangenen Monaten stark verschlechtert. Neben Massenverhaftungen und -entlassungen in der Türkei selbst belasten auch die anhaltende Inhaftierung von Deutschen aus politischen Gründen die Beziehungen, darunter die Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu sowie der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner. (nag/sda)

Erstellt: 07.09.2017, 22:34 Uhr

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