Du bist schon tot

Früher machten Moskaus Geheimdienste in aller Stille Jagd auf Gegner im Ausland. Heute gilt: Angstverbreitung plus Leugnung.

Otto von Stierlitz, gespielt von Wjatscheslaw Tichonow (r.) in dem Film «17 Augenblicke des Frühlings», war ein echter Sowjetmensch, der aber nicht aussah wie einer. <nobr>Foto: Alamy</nobr>

Otto von Stierlitz, gespielt von Wjatscheslaw Tichonow (r.) in dem Film «17 Augenblicke des Frühlings», war ein echter Sowjetmensch, der aber nicht aussah wie einer. Foto: Alamy

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Auf den Tag genau vier Wochen sind vergangen, seit der ehemalige Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julia zuckend auf einer Parkbank gefunden wurden, als die Sprecherin des russischen Aussenministeriums das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf ein Detail lenkt, das bisher völlig übersehen wurde: die Meerschweinchen. Aus sicherer Quelle wisse sie, dass Tiere im Haushalt der Skripals im englischen Salisbury gelebt hätten. «Wo sind sie jetzt?», fragt Maria Sacharowa in scharfem Ton. «Wo sind die Tiere? Wie geht es ihnen? Warum verheimlicht die britische Seite so wichtige Tatsachen?»

Wie jeden Mittwoch hat Sacharowa zur Pressekonferenz an den Smolensker Platz geladen. Hoch über dem Ufer der Moskwa residiert das Aussenministerium in einem der monumentalen Hochhaustürme im Zuckerbäckerstil, die Stalin der Hauptstadt hinterlassen hat. Seit Sacharowa 2015 den Posten übernahm, herrscht hier ein neuer Ton. Wenn die 42-Jährige an das Plexiglaspult im Konferenzsaal tritt, ziehen Korrespondenten westlicher Medien im Saal die Köpfe ein. Sacharowa begnügt sich nicht damit zu informieren und zu erklären. Sie ist hier, um dem Westen und seinen Lakaien die Leviten zu lesen. Die saftigsten Momente ihrer Auftritte werden als Videoschnipsel in sozialen Netzwerken verbreitet.

«Wichtige Zeugen» beseitigt

Seit Wochen kriegen vor allem die Briten ihr Fett weg, die eine «beispiellose Desinformationskampagne» betrieben, um eine russophobe Stimmung zu schüren, Präsident Wladimir Putin zu schaden, Russland die Fussball-WM madig zu machen und von den eigenen Problemen mit dem Brexit abzulenken. Dabei, so der schreckliche Verdacht, gehen sie nicht nur über Leichen, sondern machen noch nicht einmal vor unschuldigen Haustieren halt.

Am nächsten Tag bringt auch der russische UN-Vertreter bei einer Sitzung des Sicherheitsrats die Meerschweinchen zur Sprache. Dann steht es in allen Medien: Die Meerschweinchen seien tot, muss die britische Umweltbehörde einräumen. Auch eine Katze musste eingeschläfert werden. Und Sacharowa legt nach: Die Briten hätten «wichtige Zeugen» beseitigt. Es hätte untersucht werden müssen, ob sich auch in den Körpern der Tiere Spuren des Giftes finden, schreibt sie auf Facebook.

Wer es schafft, nach einem versuchten Mord mit chemischen Kampfstoffen die Öffentlichkeit, die Behörden und den Weltsicherheitsrat mit dem Schicksal von Meerschweinchen zu beschäftigen, dem muss man zugestehen, dass er es meisterhaft versteht, die Agenda zu bestimmen. Nirgends geht das so einfach wie im eigenen Land, wo der Staat alle landesweiten TV-Sender kontrolliert und das Fernsehen das Bild der Menschen von der Welt prägt.

Eine Frage der Perspektive

Die Nachricht von dem Giftanschlag am 4. März im britischen Salisbury geht gerade um die Welt, als der Moderator der Nachrichtensendung «Wremja» im staatlichen Ersten Kanal eine deutliche Warnung ausspricht. Er wünsche niemandem den Tod. Aber «aus rein pädagogischer Absicht» wolle er alle warnen, die von einer vergleichbaren Karriere träumten: «Der Beruf des Verräters ist einer der gefährlichsten der Welt.» Kaum einem sei es vergönnt, einen ruhigen Lebensabend zu geniessen. «Vaterlandsverräter» sowie «alle, die einfach in ihrer Freizeit ihr Heimatland hassen», sollten sich besser nicht in England niederlassen: «Irgendetwas stimmt da nicht. Vielleicht liegt es am Klima.» In den vergangenen Jahren habe es dort zu viele rätselhafte Ereignisse mit schlechtem Ausgang gegeben: «Leute erhängen sich, vergiften sich, stürzen mit Hubschraubern ab oder fallen aus dem Fenster.»

Ob einer Held ist oder Verräter, hängt von der Perspektive ab.

Generationen sind in der Sowjetunion mit dem Bild von Wjatscheslaw Tichonow in der Rolle des sowjetischen Kundschafters Max Otto von Stierlitz aufgewachsen. Wenn in den Siebzigerjahren die Serie «17 Augenblicke des Frühlings» im Fernsehen lief, waren die Strassen leer gefegt. Stierlitz war anders als die früheren sowjetischen Helden: sensibel, emotional, nachdenklich. Seinen Erfolg verdankte er seinem Intellekt. Stierlitz bewegte sich souverän unter den Nazis und verriet deren Pläne an Moskau.

Filmhelden als Wahlhelfer

Als der Kreml Ende der Neunzigerjahre nach einem Nachfolger für den kranken Boris Jelzin Ausschau hielt, wurde eine Umfrage in Auftrag gegeben. «Welchen Filmhelden würden Sie am liebsten auf dem Posten des Präsidenten sehen?», war eine Frage. Stierlitz, der sensible Spion, landete auf dem ersten Platz.

Wie die Wahl des Nachfolgers ausging, ist bekannt.

«Ich würde die Bedeutung dieser Umfrage nicht überbewerten», sagt Gleb Pawlowski. Dennoch sei der gute Spion eine Sehnsuchtsfigur in der Sowjetunion gewesen. Pawlowski sitzt in seiner Redaktion in einem niedrigen Hinterhofbau im Zentrum Moskaus, umgeben von Büchern und Porzellanfiguren, die weissen Haare bürstenkurz, eine Nickelbrille auf der Nase. Er war damals beteiligt an der «Operation Nachfolger», die den nächsten Präsidenten finden und ihn im Volk populär machen sollte. Bis 2011 blieb Pawlowski Berater im Kreml, heute kritisiert er die Politik des Ex-KGB-Spions, der nach Jelzin Präsident wurde: Wladimir Putin.

Nach dem Trauma des Bürgerkriegs wollte niemand eine neue Revolution.

In Stierlitz sei das Unvereinbare vereint, sagt Pawlowski: «Er ist ein echter Sowjetmensch, der aber nicht aussieht wie einer. Ein Intellektueller, der sich elegant kleidet und Cognac trinkt. Einer, der zum System gehört, aber gleichzeitig Dissident ist.» Mit Stierlitz hätten die Menschen die Hoffnung verbunden, dass hinter der rauen Fassade der Sowjetmacht doch irgendwo ein guter, menschlicher Kern verborgen sei. Nach dem Trauma des Bürgerkriegs wollte niemand eine neue Revolution. Die Menschen wollten einfach, dass der sowjetische Staat seine gute Seite herauskehrt und die Ideale umsetzt, die er immer vor sich herträgt.

Erst habe Michail Gorbatschow diese Hoffnung genährt, sagt Pawlowski. Dann, nach den unruhigen Jahren des Umbruchs, habe das Pendel in die Gegenrichtung ausgeschlagen. Jelzin sei früh klar gewesen, dass sein Nachfolger aus dem Sicherheitsapparat kommen müsse. Die Demokraten waren zerstritten, und es musste jemand sein, der seine Sicherheit und die seiner Familie garantieren konnte. «Ich war anfangs beeindruckt, wie gut Putin in dieses Bild passte», sagt Gleb Pawlowski.

Immunität für mutmasslichen Mörder

In diesen Tagen ist in Russland Andrej Lugowoj ein gefragter Gast in allen Fernsehkanälen. Der 51-Jährige ist Abgeordneter der Staatsduma, aber es ist nicht seine Arbeit im Parlament, die ihn zu einem Experten im Fall Skripal macht. Lugowoj wurde beim KGB ausgebildet, hat dann eine private Sicherheitsfirma gegründet und bezeichnet sich seitdem als Geschäftsmann. Er hatte sich am 1. November 2006 in der Bar des Londoner Millennium Hotels am Grosvenor Square in Mayfair mit Alexander Litwinenko getroffen, wo dieser eine verhängnisvolle Tasse grünen Tee trank.

Die britische Justiz ist überzeugt, dass Lugowoj es war, der mit einem Komplizen dem Kreml-Gegner Litwinenko das giftige Polonium in die Teekanne tat. Aber kaum hatten die Ermittlungen begonnen, bekam Lugowoj seinen Sitz im Parlament. Die Immunität des Abgeordneten dient seitdem als Vorwand, ihn nicht auszuliefern. 2015 verlieh Wladimir Putin ihm einen Orden, für Verdienste um das Vaterland.

«Vielleicht war nur das Bier schlecht»

Nun sitzt Lugowoj auf der Couch der grössten Talkshow des Landes. Adrett in Anzug und Krawatte. «Lasst sie reden» ist eine jener Wut-und-Tränen-Shows, die zu Herzen gehen sollen. Liebe, Streit und Eifersucht. Vergebung und Versöhnung. Natürlich ist Lugowoj nicht als Mörder eingeladen, sondern als Opfer britischer Verleumdungen. Der Fall Skripal sei eine Provokation, um «Russland zu dämonisieren und Russophobie zu schüren», sagt er. Inszeniert von britischen oder amerikanischen Geheimdiensten. Damit ist die Bühne eröffnet für ein halbes Dutzend Männer, die als Experten auftreten.

«Ich würde mich nicht wundern, wenn man eine ukrainische Spur findet», merkt einer an. Ein anderer weiss zu berichten, Sergej Skripal habe sich dem britischen MI5 verkauft, «er liebte das Geld und trug plötzlich teure Kleider». Einer meint, es sei nicht mal erwiesen, dass Sergej Skripal und seine Tochter Julia vergiftet wurden: «Vielleicht war nur das Bier schlecht.»

Walter Litwinenko setzt sich neben Andrej Lugowoj, den die britische Justiz für den Mörder seines Sohnes hält.

Nach einer halben Stunde nähert sich die Sendung ihrem Höhepunkt, als ein besonderer Gast angekündigt wird: Walter Litwinenko, der Vater des in London ermordeten Kreml-Gegners. Er lebt seit vielen Jahren in Italien. Als Reporter des russischen Fernsehens ihn dort aufspürten, wirkte er heruntergekommen, klagte über die niedrige Unterstützung des italienischen Staates – und war bereit zur reuigen Umkehr.

Nun betritt Walter Litwinenko geduscht und frisch eingekleidet das Studio und setzt sich auf die Couch neben Andrej Lugowoj, den die britische Justiz für den Mörder seines Sohnes hält. Immer näher rückt er an ihn heran, während er erzählt, es sei nicht Polonium gewesen, sein Sohn sei mehrmals vergiftet worden, unter anderem in der Klinik. Sein Tod habe nur einem genutzt: Boris Beresowski. Der russische Oligarch wurde 2013 erhängt im Badezimmer seines Hauses im englischen Ascot gefunden.

«Wir müssen jetzt für Putin kämpfen»

Russland, der Kreml und Lugowoj – sie waren demnach nicht Täter, sondern Opfer einer antirussischen Kampagne. «Ich habe in Italien für Putin gestimmt», sagt Walter Litwinenko, das Publikum applaudiert enthusiastisch. «Wir müssen jetzt für Putin kämpfen.» So viel Nähe und Überschwang überfordert den spröden Lugowoj, er hat sich ganz in seine Ecke des Sofas gedrückt, die Hände gefaltet auf dem Schoss, ab und an muss er ein Grinsen unterdrücken.

Als die Ermittler der Strahlenspur folgten, die sich 2006 durch London und bis nach Hamburg zog, führte sie auch ins Londoner Emirates Stadium. Lugowoj hatte dort das Spiel zwischen Arsenal und ZSKA Moskau in der Gruppenphase der Champions League besucht, der Vorwand für seine London-Reise. ZSKA-Fans druckten später Tour-Shirts: «Polonium-210. ZSKA, London, Hamburg, Fortsetzung folgt», stand auf der Brust. Und auf dem Rücken: «ZSKA Moskau, der Strahlentod klopft an eure Tür.»

Als sich die beiden Mannschaften kürzlich erneut in der Europa League begegneten, dachten sich die ZSKA-Anhänger eine Neuauflage der T-Shirts aus: «Nowitschok-Tour 2018. Fortsetzung folgt.»

Giftmord als Running Gag. Diplomatie als absurdes Theater. Wirklichkeit und Parodie verschmelzen und sind kaum noch unterscheidbar. Leugnen reicht nicht mehr, es muss eine alternative Erzählung her, am besten gleich viele, aufgeladen mit Emotionen und einer ordentlichen Portion Entertainment.

Dass Geheimdienste Gegner beseitigen, ist nichts Neues. Neu ist der Zirkus, der darum gemacht wird, statt den Fall im Stillen zu regeln, wie das früher üblich war. Briten und Russen mögen sich in fast allen Punkten widersprechen, in einem sind sich die Beobachter auf beiden Seiten einig: Man hätte Sergej Skripal unauffälliger beseitigen können. Wer immer das aufwendig herzustellende Gift Nowitschok gewählt hat, wollte damit ein Signal setzen, das ihm womöglich wichtiger war als der Tod eines Doppelagenten.

Bevor Wladimir Putin Präsident wurde, war er selbst beim KGB. Wie das kam? Der Agenten-Film «Schild und Schwert» habe ihn motiviert. Foto: Keystone

Mindestens drei Morde in München

Die Beseitigung von Gegnern im Ausland im Auftrag Moskaus hat eine lange Tradition. Alexander Kolpakidi erforscht sie seit dem Ende der Sowjetunion. Der Historiker hat mehr als zwei Dutzend Bücher über den KGB, die Auslandsspionage und den Militärgeheimdienst GRU veröffentlicht. «Wir kennen nur die prominenten Namen, aber es gab sehr viele Fälle von Leuten, die kaum jemand kennt», sagt er. Nach der Revolution liquidierten die Bolschewiki ihre Gegner im Exil. «Das war die Fortsetzung des Bürgerkrieges im Ausland», sagt der Historiker. Nach dem Zweiten Weltkrieg jagte der KGB Kollaborateure im Westen.

Allein in München gab es mindestens drei solche Morde. Bekannt davon ist nur der ukrainische Nationalist Stepan Bandera, dem ein Killer des KGB am 15. Oktober 1959 im Treppenhaus von Haus Nummer 7 in der Kreittmayrstrasse Blausäure ins Gesicht sprühte. Aber wer hat schon von Wolfgang Salus gehört? Der ehemalige Trotzkist wurde sechs Jahre vor Bandera ebenfalls in München vergiftet. Oder von Lev Rebet, ebenfalls ein ukrainischer Nationalist, der 1957 in München vergiftet wurde?

«Während des Kalten Krieges waren die Spielregeln klar, und meistens war allen klar, wer wen umgebracht hat und weshalb.»Alexander Kolpakidi, Historiker

Die Liste sei lang, sagt Kolpakidi, aber auch die Liste von Opfern westlicher Geheimdienste. «Während des Kalten Krieges waren die Spielregeln klar, und meistens war allen klar, wer wen umgebracht hat und weshalb. Allen war klar, wer Trotzki getötet hat. Allen war klar, wer Bandera beseitigen wollte.» Dabei sei es immer darum gegangen, jemanden «unschädlich» zu machen im wörtlichen Sinne. Solange die Welt in zwei Blöcke aufgeteilt war, kam man mit der Frage «cui bono?» – wem nützt das? –noch weiter. Heute lässt sich damit jede beliebige Verschwörungstheorie begründen.

Hatte nicht Theresa May ein Motiv, vom Brexit-Fiasko abzulenken? Wollten die Europäer nicht vielleicht den Briten demonstrieren, wie wichtig die europäische Solidarität ist? Kaum ebbt die Aufregung um Skripal und das Giftgas in Syrien ab, kommen Briten und Amerikaner ja schon mit dem nächsten Vorwurf: Russland bereite eine globale Cyberattacke vor. Und suchen die Ukrainer nicht jeden Vorwand, um eine härtere Haltung gegenüber Moskau zu erreichen? Und Russland?

Er könne sich nicht vorstellen, dass Skripal noch eine Gefahr darstellte, nachdem Russland den ehemaligen Doppelagenten 2010 ausgetauscht hatte, sagt Kolpakidi. Das alte Motiv, einen Gegner unschädlich zu machen, würde damit wegfallen.

Kränkung als Leitmotiv der Aussenpolitik

Aber die Welle scheinbar unbewiesener Anschuldigungen an die Adresse Moskaus gab kurz vor der Präsidentschaftswahl Mitte März dem Patriotismus Auftrieb: Putin wählen, um unfairen Angreifern zu trotzen. Bei einer Umfrage des Moskauer Lewada-Zentrums im März äusserten mehr als zwei Drittel der Befragten die Überzeugung, die Vorwürfe, Russland stecke hinter dem Anschlag, seien unbegründet. Gleichzeitig stürzte das Ansehen der Briten ab. Am Tag nach der Wahl dankte auch Putins Wahlkampfmanager den Briten voller Sarkasmus für ihre Hilfe.

Die Kränkung sei mittlerweile das Leitmotiv der russischen Aussenpolitik, schrieb unlängst der Moskauer Experte Wladimir Frolow in einer Analyse für das Portal republic.ru. Die These, dass der Westen mit der Nato-Erweiterung wortbrüchig geworden sei und Russland «beleidigt» habe, trage inzwischen «systembildenden Charakter». Sie vereine nicht nur das Volk hinter seiner Führung, sie befreie es auch von jedem moralischen Dilemma. «Unsere Taten erscheinen moralisch gerechtfertigt, schliesslich antworten wir nur auf die uns zugefügte Kränkung und stellen die Gerechtigkeit wieder her», schreibt Frolow. Auch in Deutschland sind viele bereit, diesem Argument zu folgen, obgleich ein Versprechen, keine ehemaligen Mitglieder des Warschauer Pakts in die Nato aufzunehmen, nirgends schriftlich fixiert ist.

Dunkle Mächte im russischen Fernsehen

Der romantische Spion ist Geschichte. Putin mochte den Agentenstreifen «Schild und Schwert» eh lieber als die «17 Augenblicke des Frühlings». Heute vergeht kein Tag ohne Sendungen über dunkle Mächte, die hinter den Kulissen die Strippen ziehen. «Das wird den Leuten absichtlich eingetrichtert», sagt Gleb Pawlowski, der Putin-Kritiker. Und sie glaubten das, weil sie immer wieder in ihren Vorstellungen getäuscht wurden.

In der russischen Geschichte haben die Menschen wenig Freiheit erlebt, und noch weniger Transparenz. Sie konnten kaum je die Erfahrung machen, dass sich Politik und Bürgerwille gegenseitig beeinflussen. Die meiste Zeit waren die Medien nicht frei. Und in der kurzen Phase freier Medien nach der Perestroika brachten sie eine Geschichte nach der anderen ans Licht über Dinge, die bisher im Geheimen abliefen. So festigte sich bei vielen das Bild, dass das Weltgeschehen in Wahrheit von verborgenen Mächten hinter den Kulissen gesteuert werde.

Glaubt Wladimir Putin selbst daran, dass die USA die Welt im Geheimen lenken? Pawlowski macht eine Pause. «Möglich. Ich denke, ja. Früher nicht, heute wahrscheinlich schon. Wenn er beschreibt, wie er sich das Handeln der USA im Verborgenen vorstellt, dann können Sie davon ausgehen, dass er eigentlich beschreibt, wie er in Wahrheit selbst handelt.»

Erstellt: 01.05.2018, 17:40 Uhr

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