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Dutzende türkische Nato-Soldaten beantragen Asyl in Deutschland

Rund 40 in Deutschland stationierte Militärs sorgen sich um die Rückkehr in die Türkei. Sie fürchten sich vor Verhaftungen und Folter.

In den Monaten nach dem Putschversuch vom Juli 2016 ging die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Präsident Erdogan bei einer Ansprache in seinem Palast in Ankara. (Symbolbild)
In den Monaten nach dem Putschversuch vom Juli 2016 ging die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Präsident Erdogan bei einer Ansprache in seinem Palast in Ankara. (Symbolbild)
Yasin Bulbul/AP, Keystone
Seit Verhängung des Ausnahmezustands geht die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Ankara. (10. August 2016)
Seit Verhängung des Ausnahmezustands geht die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Ankara. (10. August 2016)
Keystone
Panzereinheiten blockierten während dem Putschversuch die Bosporus-Brücke in Istanbul – wurden aber schlussendlich von Zivilisten überrannt. Zu Ehren der getöteten Zivilisten werde sie in Zukunft «Brücke der Märtyrer des 15. Juli» heissen.
Panzereinheiten blockierten während dem Putschversuch die Bosporus-Brücke in Istanbul – wurden aber schlussendlich von Zivilisten überrannt. Zu Ehren der getöteten Zivilisten werde sie in Zukunft «Brücke der Märtyrer des 15. Juli» heissen.
DHA via AP, Keystone
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Dutzende türkische Nato-Soldaten haben Medienberichten zufolge in Deutschland Asyl beantragt. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und das ARD-Magazin «Report Mainz» am Samstag berichteten, handelt es sich um etwa 40 zumeist hochrangige türkische Militärs, die in Nato-Einrichtungen stationiert waren. Das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erklärten demnach auf Anfrage, die Fälle würden behandelt wie andere Asylfälle auch.

«Es gibt keinen Zweifel, dass wir diese Soldaten nicht in die Türkei zurückschicken können», sagte der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer dem «Spiegel». «Sie würden dort sofort im Gefängnis landen.» Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), sagte, das Asylverfahren sei ein rein rechtliches Verfahren. «Politische Erwägungen dürfen dabei keine Rolle spielen und werden es auch nicht.»

«Keine Sympathien für Putschisten»

In der neuen Ausgabe des «Spiegel» und in «Report Mainz» wandten sich zwei der Offiziere erstmals an die Öffentlichkeit. «Wenn ich in die Türkei zurückgehe, riskiere ich, verhaftet und womöglich gefoltert zu werden», sagte einer von ihnen. Die Offiziere gaben an, mit dem Putschversuch in der Türkei nichts zu tun zu haben. «Glauben Sie mir, ich habe keine Sympathien für die Putschisten», sagte einer der Soldaten. «Diese Leute müssen bestraft werden. Sie haben auch unser Leben zerstört.»

Die Soldaten waren schon seit Längerem in Deutschland stationiert. Einer berichtete, er habe während des Putschversuchs Mitte Juli mit seiner Familie zu Hause vor dem Fernseher gesessen. Einige Wochen später wurden die beiden Männer dann aus dem Dienst entlassen. Gründe wurden ihren Angaben zufolge nicht genannt. «Ich habe mich immer wieder gefragt, warum gerade ich», sagte einer der beiden.

Nato-Mitarbeiter als Gülen-Anhänger

Die Soldaten warfen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan jedoch vor, prowestliche Haltungen im Militär bestrafen zu wollen. «Wenn man schaut, wer alles entlassen wurde, dann wird deutlich, dass uns alle eines verbindet: Wir sind erfolgreich, westlich orientiert, säkular, und wir glauben an die Demokratie», sagte einer von ihnen.

Aber auch in Deutschland haben die Soldaten Angst um sich und ihre Familien. Hintergrund sind den Berichten zufolge Medienberichte in der Türkei, in den ehemalige türkische Nato-Soldaten als Terroristen bezeichnet wurden. In einem Bericht des Fernsehsenders «Al Haber» werden laut «Spiegel» und «Report Mainz» türkische Nato-Mitarbeiter aus der Region Ramstein als Anhänger des Predigers Fethullah Gülen bezeichnet, den Erdogan für den Putschversuch verantwortlich macht.

Merkel solle «klare Kante zeigen»

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen kritisierte, in dem Beitrag würden «ein ganzes Dorf» sowie die einzelnen Wohnungen und Wohnhäuser der Soldaten «zur Zielscheibe gemacht». Das sei «lebensgefährlich» und «völlig inakzeptabel». Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse daher bei ihrem geplanten Besuch in der Türkei am Donnerstag «klare Kante zeigen».

Der Bericht von «Report Mainz» wird am Dienstag um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

AFP/mch

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