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Ein absurdes Gesetz

Trotz breiter Akzeptanz in der Bevölkerung soll in Deutschland die organisierte Sterbehilfe verboten werden.

Genau wie in der Schweiz bejahen zwei Drittel aller Menschen in Deutschland die Tätigkeit von Sterbe­hilfeorganisationen. Dennoch wird dort die organisierte Suizidbeihilfe wohl noch dieses Jahr verboten. Der vom CDU-Abgeordneten Michael Brand vorgelegte Entwurf, der die geschäftsmässige Suizidbeihilfe unter Strafe stellt, findet Zustimmung quer durch die Fraktionen. Bezüglich Sterbehilfe ist in Deutschland die Kluft zwischen öffentlicher Meinung und Meinungsführern eklatant. Letztere tun so, als ob ein ethisch denkender Mensch gar nicht anders kann, als den assistierten Suizid abzulehnen. Wobei sich die Kirchen als die hartnäckigsten Gegner erweisen, ähnlich wie in der Schweiz. Nur ist bei uns der Einfluss der Kirchen auf Politik und Gesellschaft geringer.

Dabei fährt die Schweiz sehr gut mit ihrer liberalen Regelung. Sie kann auf eine Debatte über die aktive Sterbehilfe, die Tötung auf Verlangen, verzichten. Und für immer mehr Menschen halten die Sterbehilfeorganisationen einen letzten Ausweg offen, den sie dann nie beschreiten. Das erklärt, weshalb Exit über 90 000 Mitglieder hat. Beim einzigen Sterbehilfe­verein in Deutschland dagegen, jenem von Roger Kusch, sind es gerade mal 700. Er hat 2014 44 Menschen in den Freitod begleitet, im gleichen Jahr haben in Deutschland 10 000 Menschen Suizid begangen. Nur um Kuschs Verein handlungsunfähig zu machen, will der Bundestag das Verbotsgesetz durchboxen.

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