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Ein Bazillus setzt dem Minister zu

Kaum im Amt, stolpert Deutschlands Gesundheitsminister Daniel Bahr in die Ehec-Krise.

Macht bisher nicht den Eindruck, als ob er in der Sache die Führung übernommen hätte: FDP-Minister Daniel Bahr.
Macht bisher nicht den Eindruck, als ob er in der Sache die Führung übernommen hätte: FDP-Minister Daniel Bahr.
Keystone

Sein Ressort ist schwierig, das wusste er. Aber so schwierig? Noch keinen Monat ist Daniel Bahr, 34, Gesundheitsminister, und schon grassiert in Deutschland eine tödliche Darmseuche. Über 20 Menschen sind bisher an Ehec gestorben, Hunderte erkrankt.

Doch FDP-Minister Bahr macht bisher nicht den Eindruck, als ob er in der Sache die Führung übernommen hätte. Zwar besuchte er am letzten Sonntag eine Ehec-Station in einem Hamburger Spital, medienwirksam mit Mundschutz und grünem Kittel. Doch die anschliessende Pressekonferenz wurde zur Peinlichkeit: Bahr warnte ein weiteres Mal vor rohen Tomaten, Gurken und Salat – während die Medien bereits über eine heisse Spur in einen Sprossen-Hof berichteten. Der Minister wusste offenbar von nichts. Der Vorfall hat den Eindruck verstärkt, dass die deutschen Behörden untereinander schlecht koordiniert sind.

Früher Gang in die Politik

Mehrere Ministerien in Berlin und in den Bundesländern, unabhängige Beratungsinstitute, Spitäler – alle machen bei der Bekämpfung des Ehec-Keims mit. Aber irgendwie trägt niemand die Gesamtverantwortung. Schon werden Rufe nach einer zentralen «Seuchen-Polizei» laut. Eine in Berlin stationierte «mobile Eingreiftruppe» soll künftig beim Auftreten besonders gefährlicher Keime einschreiten. Nur so könne ein Kompetenz-Chaos wie bei Ehec verhindert werden. Ins Kreuzfeuer gerät vor allem Daniel Bahr. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann findet dessen Krisenmanagement «wenig überzeugend». Die grüne Frontfrau Renate Künast stichelte, sie frage sich, was der Gesundheitsminister eigentlich mache. Auch Boulevard-Medien haben sich inzwischen auf den FDP-Mann eingeschossen. Ein bisschen ist die Kritik unfair. Schliesslich hat der Neo-Minister kaum Zeit gehabt, sich in seinen neuen Job einzuarbeiten. Vor wenigen Wochen erst übernahm er von seinem Parteichef und persönlichen Freund Philipp Rösler die Spitze des Gesundheitsressorts. Die Missstände bei der Seuchenbekämpfung gehen also nicht auf seine Kappe. Doch Schonzeit darf ein Minister in Berlin nicht erwarten – schon gar nicht ein Überflieger wie Daniel Bahr. Der Liberale aus Nordrhein-Westfalen hat bisher eine schwindelerregend perfekte Karriere hingelegt.

Mit 14 Jahren trat er den Jungen Liberalen bei, mit 22 wurde er deren Präsident, mit 25 sass er im Bundestag, wo er sich unter anderem auf Gesundheitspolitik spezialisierte. Nebenbei studierte er Volkswirtschaft, machte einen MBA, heiratete. Als die FDP im Frühling in eine Krise geriet, rückte Bahr schliesslich in die Ministerriege auf. Zusammen mit Parteichef Rösler und Generalsekretär Christian Lindner formt er das Image der neuen FDP: Jung, smart, erfolgreich. Nun aber, im Angesicht des Keims, fehlt ihm das Gespür, das einen erfahrenen Politiker ausmacht. Erfolgsmann Bahr unterschätzt offenbar die psychologische Seite von Ehec. Bürger sind verunsichert, weil die Behörden erst vor Tomaten, dann vor Gurken und zuletzt vor Sprossen warnten; Gemüsebauern schimpfen, weil sie auf ihrer Ware sitzen bleiben – und das Personal in den Spitälern stöhnt über die ungeheure Arbeitsbelastung. Bahr selber kann die Kritik an seiner Arbeit nicht verstehen. Bund, Länder und das federführende Robert-Koch-Institut arbeiteten sehr gut zusammen, sagt er. «Die Systeme und Regeln, die wir haben, funktionieren.»

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