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Ein Freund, der Zweifel zerstreut

US-Vizepräsident Mike Pence hat sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz klar und deutlich hinter die Nato gestellt – auch im Namen von Donald Trump.

Gemeinsame Werte hochhalten: US-Vizepräsident Mike Pence in München. Foto: Michael Dalder (Reuters)
Gemeinsame Werte hochhalten: US-Vizepräsident Mike Pence in München. Foto: Michael Dalder (Reuters)

Mit Frau und Tochter ist er angereist, eben so, wie man das tut, wenn man Freunde besucht. Und dass es genau darum geht bei seinem Besuch in München, daran lässt US-Vizepräsident Mike Pence keinen Zweifel. «Wenn die USA und Europa gut zusammenarbeiten, dann ist das gut für die ganze Welt», sagt er. Amerika sei der beste Alliierte und werde das auch bleiben. Und dies nicht nur im Sinne eines Militärbündnisses, sondern auch aufgrund der Werte, die man gemeinsam hochhalte: «Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit.»

Professionell wirkt der Vize, zuverlässig, frisch – kein Wunder dass seine Umfragewerte inzwischen besser sind als die seines Chefs, des gewählten Präsidenten, der auch die Europäer mit seiner Unberechenbarkeit von einem Schrecken zum nächsten hetzt. Pence erinnert an den gemeinsamen Kampf in den Weltkriegen, «wir haben euch die Besten und die Tapfersten geschickt». Dann erzählt er eine persönliche Geschichte: 1977 sei er erstmals durch Europa gereist und dabei auch nach Berlin gekommen. Er wisse noch genau, wie er damals am Checkpoint Charlie gestanden habe und «die Farben der freien Welt» erloschen seien. So habe sich ihm die Wahl zwischen Freiheit und Tyrannei dargestellt. Und diese Tyrannei, den Kommunismus, habe man ebenfalls gemeinsam besiegt.

Streng, ernst und laut

Doch mit dem Untergang der Sowjetunion seien neue Probleme entstanden. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seien es die Europäer gewesen, die den USA beigestanden hätten. Wenige Tage nach den Attentaten habe er wieder Berlin besucht – und diesmal habe sich ein anderes Bild in sein Gedächtnis eingegraben: eine Mauer aus Blumen, welche die Deutschen vor der US-Botschaft niedergelegt hätten. Die Ameri­kaner würden die Solidarität und die Opfer der Europäer nie vergessen.

Klare Worte: Sergej Lawrow (l.) steht für eine neue «post-westliche Weltordnung» ein. (18. Februar 2017)
Klare Worte: Sergej Lawrow (l.) steht für eine neue «post-westliche Weltordnung» ein. (18. Februar 2017)
Carsteln Koall/Getty Images
Offenbar ein Erfolg am grossen Tisch in München: Gemäss Sigmar Gabriel soll es in der östlichen Ukraine eine Feuerpause geben. (18. Februar 2017)
Offenbar ein Erfolg am grossen Tisch in München: Gemäss Sigmar Gabriel soll es in der östlichen Ukraine eine Feuerpause geben. (18. Februar 2017)
Christo Stache, AFP
Von der Leyen stellte sich mit ihren Worten zu Beginn der Konferenz gegen US-Präsident Donald Trump, der sich positiv zum Einsatz von Folter im Anti-Terror-Kampf geäussert hatte: Verteidigungsminister von der Leyen (r.) mit US-Amtskollegen Mattis in München. (17. Februar 2017)
Von der Leyen stellte sich mit ihren Worten zu Beginn der Konferenz gegen US-Präsident Donald Trump, der sich positiv zum Einsatz von Folter im Anti-Terror-Kampf geäussert hatte: Verteidigungsminister von der Leyen (r.) mit US-Amtskollegen Mattis in München. (17. Februar 2017)
Thomas Kienzle, AFP
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Wie es sich für einen Besuch unter Freunden gehört, überbrachte Pence auch Grüsse des Daheimgebliebenen: die von Donald Trump, der schon so oft so ganz anders gesprochen hatte über diese «Freunde» in Europa. Charmant verpackt blitzte etwas von dieser Kritik auf, als Pence die Europäer warnte, Frieden und Prosperität müssten immer wieder neu erkämpft werden. Dazu müsse man stark sein. Und Stärke, daran lässt er keinen Zweifel, kostet Geld. «Ein starkes Militär garantiert uns, dass wir stark bleiben.» Und dafür müssten die Nato-Länder die Verteidigungsausgaben erhöhen, was sie in München versprochen hätten. Donald Trump erwarte, dass die Europäer ihr Versprechen nun einlösten. «Die Zeit ist gekommen», sagt er plötzlich streng, ernst und laut. Schliesslich sei die Welt heute so gefährlich wie nie seit dem Untergang des Kommunismus.

«Maximale Unsicherheit», das war einer der Begriffe, die auf der Sicherheitskonferenz immer wieder zur Sprache kamen, meist etwas ratlos und manchmal sogar ängstlich. Dazu hatten die Amerikaner selber kräftig beigetragen mit dem Gerede darüber, die Nato sei obsolet, Amerika werde sich künftig nur noch um sich selber kümmern. Wenn Trump «America first» sage, dann meine er bestimmt nicht «Amerika allein», sagt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ohne besondere Überzeugung in der Stimme. Und da ist ja auch noch das Thema Russland, zu dem Pence nur ein paar unverbindliche Worte findet, das den Europäern aber auf der Seele brennt.

«Unter Trump werden die USA stark sein, so stark wie nie zuvor»

Mike Pence, US-Vizepräsident

Mit der russischen Intervention in der Ukraine habe die Nato «auf sehr traurige Weise an Wichtigkeit gewonnen», sagt Gastgeberin Angela Merkel. Der Westen könne die Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine und den Bruch des Völkerrechts nicht hinnehmen. «Russlands Vorgehen hat die Grundlagen unseres Zusammenlebens in Europa verletzt.» Der russische Aussenminister Sergei Lawrow warb für eine «postwestliche Weltordnung» und nannte die Nato «eine Institution des Kalten Kriegs, im Denken und im Herzen.»

Merkel unterstützt ihre Verteidigungsministerin, die mehr Ausgaben für die Rüstung verlangt. «Lassen Sie uns gemeinsam die Welt besser machen, dann wird es auch für jeden Einzelnen besser.» Die Kanzlerin erntet langen, ja tosenden Applaus – auch von den Amerikanern.

Die Osteuropäer sind befremdet

Trotz dem grundsätzlichen Bekenntnis zum Ziel, zwei Prozent des Brutto­inlandprodukts für die Sicherheit auszugeben, macht die Diskussion auf der Konferenz schnell klar, wie unterschiedlich da gerechnet wird. Man bezahle viel Geld für Entwicklungshilfe, für Krisenprävention, für Flüchtlinge, das sei schliesslich auch ein Beitrag zur Sicherheit, wird von Europäern argumentiert. Oder: Eines der Länder, das genug zahle für die Nato, sei Griechenland, ausgerechnet, dafür habe man kein Geld, die Renten zu bezahlen. Das diene auch nicht gerade der Sicherheit. Merkel warnt, sich jetzt nicht im Hickhack darum zu verlieren, wer wo wie viel bezahle. Die Osteuropäer, allen voran die Balten, folgen der Diskussion befremdet: Hier gehe es um ihre Sicherheit. Was schere sie da eine Hilfsaktion in ­Afrika, fragt einer.

Von diesen europäischen Untiefen und Zweifeln bleibt Pence völlig unberührt. Seine Welt ist offensichtlich gänzlich in Ordnung. «Unter Trump werden die USA stark sein, so stark wie nie zuvor», sagt er und sprüht nur so vor Selbstbewusstsein. Die These der Konferenz, dass die Zeit des Westens vorbei sei, nimmt der immer lächelnde Pence gar nicht zur Kenntnis. «Die beste Zeit für Amerika, Europa und die freie Welt kommt erst noch!»

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