Ein gespaltenes Land

Die Briten geben den beiden grossen Parteien die Schuld am Stillstand.

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Fast drei Jahre sind vergangen, seit die Briten sich knapp für die Beendigung ihrer Mitgliedschaft in der Europäischen Union entschieden haben. Zutiefst zerstritten präsentierte sich damals das Vereinigte Königreich. Tatsächlich hat sich daran wenig geändert. Traut man neueren Um­fragen, will heute eine Mehrheit der Wähler eher in der EU verbleiben. Aber die beiden Lager stehen sich noch immer unversöhnlich gegenüber. Und dass von «den Politikern» in dieser langen Zeit keine Lösung gefunden wurde: Das kreiden die Briten, wie die Kommunalwahlen dieser Woche zeigten, vor allem den beiden grossen Parteien der Insel an.

In der Tat zeigen sich Tories und Labour geradezu gelähmt im Brexit-Dilemma. Das hat das Vertrauen in sie rapide schwinden lassen. Erboste konservative Wähler, die 2016 für den Austritt aus der EU stimmten, blieben den Kommunalwahlen am Donnerstag fern oder kritzelten «Brexit!» oder «Verräter!» auf ihre Stimmzettel.

Erbitterter Streit um Gross­britanniens Zukunft

Labour selbst ist zutiefst gespalten, was eine Vereinbarung angeht, die May über die Linie helfen könnte. Viele Labour-Anhänger, die von Parteichef Jeremy Corbyn eine unzweideutige Stellungnahme verlangen, haben diesmal liberaldemokratisch oder grün gewählt, um ihre ­pro­europäische Orientierung zum ­Ausdruck zu bringen – und weil sie Corbyn nicht trauen. Wie bei den Tories tobt auch bei Labour ein erbitterter Streit um Gross­britanniens Zukunft in Europa. ­Corbyns Weigerung, in diesem Streit Position zu beziehen, lässt Wähler fragen, woran sie mit ­Labour sind.

Noch stärker wird die Polarisierung werden, wenn die Briten in drei Wochen wieder an die Urnen gehen. Bei den Europawahlen werden sich den Wählern auf beiden Seiten noch zwei nagelneue, klar zuzu­ordnende Parteien anbieten. Nigel Farages Brexit-­Partei allein hofft schon jetzt auf 30 Prozent. May muss sich auf eine mittlere Katastrophe vorbereiten.

Erstellt: 03.05.2019, 22:14 Uhr

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