Zum Hauptinhalt springen

Ein harter Tag für Sarkozy

Er soll gelogen und kalkulierte Verwirrung gestiftet haben, wird Nicolas Sarkozy vorgeworfen. Doch das ist nicht das einzige Problem, dem er sich nach dem gestrigen Wahlkampftag stellen muss.

Wirbt offensiv um die rechten Wähler: Nicolas Sarkozy bei einer Wahlkampfrede in Saint Cyr Sur Loire. (23. April 2012)
Wirbt offensiv um die rechten Wähler: Nicolas Sarkozy bei einer Wahlkampfrede in Saint Cyr Sur Loire. (23. April 2012)
Reuters

Die Gangart im französischen Präsidentschaftswahlkampf wird härter: Staatspräsident Nicolas Sarkozy machte am Donnerstag im Wahlkampf möglicherweise falsche Behauptungen über seinen Kontrahenten in der Stichwahl am 6. Mai, François Hollande.

Zuerst behauptete Sarkozy in einem Radio-Interview, der umstrittene Islamwissenschaftler Tariq Ramadan habe zur Wahl Hollandes aufgerufen. Ramadan selbst dementierte dies umgehend. Zugleich widersprach der muslimische Rat Frankreichs (CFCM) der Behauptung von Sarkozys Partei UMP, 700 muslimische Gemeinden würden ebenfalls dazu raten, den Sozialisten Hollande ins Präsidentenamt zu befördern. Hollande warf Sarkozy daraufhin «Lügen und kalkulierte Verwirrung» vor.

Kritik am neuen rechten Kurs

Sarkozy muss am 6. Mai um seine Wiederwahl kämpfen – und bislang sehen ihn alle Umfragen als Verlierer. Deshalb wirbt er nun offensiv um die Wähler des Front National (FN), die beim ersten Wahldurchgang am vergangenen Sonntag mit knapp 18 Prozent überraschend zahlreich waren.

Offenbar glaubt die UMP, sobald muslimische Bürger Hollande unterstützten, würden sich die FN-Wähler automatisch von ihm abwenden. Inzwischen haben mehrere UMP-Abgeordnete den «rechten Kurs» von Sarkozy öffentlich kritisiert.

Kehrtwende in Europapolitik

Aber auch auf einem anderen umkämpften Feld, der Europapolitik, vollzieht Sarkozy eine Kehrtwende. Die Ankündigung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, einen Wachstumsvertrag für Europa zu schmieden, kam für Sarkozy denkbar ungelegen. Hollande hatte seit Monaten einen neuen europäischen Wachstumspakt und eine Erweiterung der Brüsseler Sparpolitik gefordert – und war dafür von Sarkozy gescholten worden als jemand, der die Märkte verunsichere.

Nun muss Sarkozy kleinlaut in dasselbe Horn blasen. «Ein reiner Sparkurs ist ein grosser Irrtum», sagte Sarkozy in einem Radiointerview am Donnerstag. Er habe aber keine Wende vollzogen, sondern die «bisherige Politik noch erweitert». Hollande hatte die Europapolitik von Sarkozy daraufhin als «vollkommen verfehlt» bezeichnet.

So viele Arbeitslose wie lange nicht mehr

Doch damit noch nicht genug: Neue Zahlen zur Wirtschaft Frankreichs stimmen ausserdem pessimistisch. Kurz vor der Wahl des neuen Präsidenten ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Zahl der erfassten Jobsucher zog im März um 16'600 auf 2,88 Millionen an, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte.

Auf Monatssicht ist dies ein Anstieg von 0,6 Prozent, im Jahresvergleich sogar um 7,2 Prozent. Höher war die Zahl der Arbeitssuchenden zuletzt im September 1999.

dapd/sda/fko

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch