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Ein loyaler Johnson-Anhänger

Der neue britische Finanzminister gilt als Medientalent und aufsteigender Star der Regierungsriege.

Angeblich sei er leichter zu beeinflussen als sein Vorgänger: Rishi Sunak, der neue Finanzminister von Grossbritannien. Foto: Toby Melville (Reuters)
Angeblich sei er leichter zu beeinflussen als sein Vorgänger: Rishi Sunak, der neue Finanzminister von Grossbritannien. Foto: Toby Melville (Reuters)

Es steht zu vermuten, dass Rishi Sunak seine Beförderung zum Schatzkanzler des Vereinigten Königreichs im Alter von gerade mal 39 Jahren noch mehr genossen hätte, wenn sie nicht mit dem Rücktritt seines bisherigen Chefs, Sajid Javid, verbunden gewesen wäre. Javid hatte am Donnerstagmorgen im Streit mit dem Team des Premierministers sein Amt hingeworfen, weil er seine Berater feuern und seine Tätigkeit de facto unter die Kontrolle von Downing Street stellen sollte.

Der Schritt, den alle britischen Medien als «power grab», also als Machtübernahme, interpretieren, führte dazu, dass der junge Staatssekretär im Finanzministerium, einer von Boris Johnsons erklärten Favoriten, innerhalb weniger Minuten nach dem Rücktritt von Javid informiert wurde, dass er nun ganz überraschend dessen Nachfolger sein werde. Das ging mit der Vermutung einher, dass Javid das Opfer von Johnsons mittlerweile legendärem Chefberater Dominic Cummings sein dürfte. Mit diesem hatte den bisherigen Schatzkanzler eine herzliche Abneigung verbunden. Cummings hatte eine Mitarbeiterin von Javid, der er Pressekontakte vorwarf, in Polizeibegleitung aus dem Büro werfen lassen.

Sunak gilt als Medientalent und als kommender Star in der Regierungsriege. Dabei ist er erst seit 2015 Abgeordneter und Staatssekretär seit 2018.

Der Chefberater ist bekannt dafür, dass er mehr Macht beim Premierminister konzentrieren und mehr in die Ressorts eingreifen will. Es heisst, Cummings habe sich Sunak schon länger als Finanzminister gewünscht, weil dieser leichter zu beeinflussen sei als Sajid Javid. Es sieht so aus, als störe sich Sunak an den Übergriffen weniger als sein Vorgänger. Kaum ernannt und von der Queen bestätigt, eilte er schon in sein Ministerium und sagte, er freue sich sehr auf die Aufgabe, es gebe ja auch viel zu tun. Tatsächlich: In weniger als vier Wochen soll der nächste Haushalt vorgelegt werden.

Sunak war zuletzt immer wieder von Downing Street losgeschickt worden, um der Öffentlichkeit unpopuläre Inhalte zu verkaufen; er gilt als Medientalent und als kommender Star in der Regierungsriege. Dabei ist er erst seit 2015 Abgeordneter und Staatssekretär seit 2018. Er ist Brexitbefürworter und ein loyaler Johnson-Anhänger – zwei Voraussetzungen, die ihm das Leben im Kabinett erleichtern dürften.

Der gerührte Grossvater in Westminster

Als Sohn eines Arztes und einer Pharmazeutin, die aus Indien eingewandert sind, ging er auf eine private Schule und studierte unter anderem in Stanford. Dort traf er seine Frau, die Tochter eines indischen Multimilliardärs, mit der er zurück nach Gross­britannien ging und als Hedgefonds-Manager Karriere und ein Vermögen machte.

Seither hat er einen steilen Aufstieg hingelegt. Seine Karriere, sagt er selbst, sei aber beileibe kein Spaziergang gewesen. In einem langen BBC-Interview vor vier Monaten freute er sich hörbar darüber, dass es so viele indischstämmige Politiker in wichtige Positionen im Königreich geschafft hätten. Er habe als Einwandererkind und als Hindu auch viel Rassismus und Zurücksetzung erfahren.

Sunak berichtete, wie er seinem stolzen Grossvater das Parlament gezeigt habe und der einen alten Freund angerufen habe: Er habe ihn wissen lassen wollen, dass er mit seinem Enkel in Westminster stehe. «Er hatte Tränen der Rührung in den Augen.»

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