Ein Mann, ein Wort

Emmanuel Macron bestätigt bei einer Rede, dass er ein Präsident ist, der tut, was er sagt. Er scheint zu begreifen, wie ernst die Lage des alten Westens ist.

Frankreichs Präsident Macron tritt entschlossen auf – er scheint überzeugt zu sein, dass die Werte der Zivilisation in Gefahr sind. (Foto: AFP)

Frankreichs Präsident Macron tritt entschlossen auf – er scheint überzeugt zu sein, dass die Werte der Zivilisation in Gefahr sind. (Foto: AFP)

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Wenn sich viele Franzosen vom Reformtempo ihres Präsidenten überrollt fühlten, wenn sie über seine Gesamtstrategie rätselten, an seiner sozialen Ader zweifelten und sich fragten, ob es richtig war, diesen jungen Mann zum Staatschef zu wählen, so dürfen sie jetzt beruhigt sein. Bei seiner Rede vor dem Kongress in Versailles bestätigte Emmanuel Macron, dass er ein Politiker ist, der weiss, was er will, und tut, was er sagt. Und das mit einer Ruhe und Kraft, die nicht für Arroganz sprechen, sondern für Überzeugung und Haltung

Macron ist den Abstiegsängsten und der Wut vieler Franzosen über ihre wirtschaftliche Lage, über Ausgrenzung oder Kriminalität nicht ausgewichen, und auch nicht seinen sinkenden Umfragewerten. Er hat der Nation erklärt, warum er den Arbeitsmarkt reformiert, die Bahn, den öffentlichen Dienst, das Steuerrecht und die Schulen: Weil er ein anderes Verständnis von sozialer Politik und Gerechtigkeit hat als viele seiner Vorgänger.

Dieser Präsident will soziale Gerechtigkeit nicht mittels Umverteilung durch einen patriarchalischen Staat schaffen, sondern durch Chancengleichheit und Bildung für alle. Er möchte nicht Herkunft, sondern Leistung belohnen. Und er betont, dass er ein Gegner von Eliten und Privilegien sei. Das klingt in Frankreich noch immer ein bisschen nach grosser Revolution.

Macron scheint zu den wenigen Politikern in Europa zu gehören, die wirklich begreifen, wie ernst die Lage für die Länder des alten Westens ist. Er stellt klar, was eigentlich allen Regierungen in der EU klar sein müsste: dass die Werte der Zivilisation in grösster Gefahr sind und viel Stärke nötig sein wird, sie zu verteidigen. Auch deshalb versucht er in solchem Tempo und mit solcher Verve, ein starkes Frankreich in einem starken Europa zu schaffen. Dabei setzt er auf Überzeugung und nicht, wie so viele andere, auf Hetzerei und Fanatismus. Er will sein Land einen, nicht spalten.

Dieser Präsident ist beharrlich genug, seinem Kurs gegen alle Widerstände treu zu bleiben. Schafft er das, so wird er für Frankreich und Europa Erfolg haben. Die Frage ist nur, ob die Franzosen geduldig genug sind, ihrem ersten grossen Präsidenten seit Jahrzehnten weiter zu folgen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.07.2018, 21:15 Uhr

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