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Ein Mord, der nicht nur der Mafia nützte

Vor 20 Jahren ist der Mafia-Jäger Paolo Borsellino mit einer Autobombe getötet worden. Die Justiz von Palermo will nun den Mordfall wieder aufrollen – auch wegen Verhandlungen zwischen Mafiosi und Ministern.

1992 war ein schwarzes Jahr für die italienische Justiz im Kampf gegen die sizilianische Mafia. Innert zwei Monaten war es der Mafia gelungen, zwei furchtlose und brillante Staatsanwälte zu liquidieren. Am 23. Mai 1992 wurde Giovanni Falcone ermordet, 57 Tage später sein Freund Paolo Borsellino, ebenfalls bei einem Anschlag mit einer Autobombe. Borsellino und Falcone hatten unzählige Mafiosi für lange Zeit hinter Gitter gebracht. Allein bei den sogenannten Maxi-Prozessen in Palermo waren Hunderte Angehörige der Mafia verurteilt worden. Vor diesem Hintergrund kann die Ermordung von Falcone als Racheakt der Mafia und als Warnung an andere Untersuchungsrichter gedeutet werden. Der Fall Borsellino erscheint aber komplizierter.

Klar ist, dass die Liquidierung von Borsellino zwar ein Werk der Mafia war. An der Ermordung des palermitanischen Staatsanwalts waren jedoch auch andere Kreise interessiert – Kreise, zu denen höchste Vertreter des Staates gehörten. Längst waren Verhandlungen zwischen Mafia und Politik in Gang. Und zu diesen höchst dubiosen Verstrickungen hatte Borsellino bereits Ermittlungen eingeleitet – damit wurde er für viele Seiten zu einer unangenehmen, ja sogar gefährlichen Person. In einem seiner letzten Interviews sagte Borsellino, der jede Übereinkunft mit der Mafia ablehnte, dass er sich vom Staat alleine gelassen fühle. Vermutlich ahnte Borsellino schon lange, dass sein Name auf der Todesliste der Mafia weit oben stand. Borsellino wusste viel, zu viel. Nach seiner Ermordung liess jemand sein berühmtes rotes Notizbuch verschwinden.

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