Ein Orden für den Hass

Der ungarische Hetzer Zsolt Bayer wird staatlich geehrt.

Der Hofnarr der ungarischen Regierung: Publizist Zsolt Bayer. Foto: PD

Der Hofnarr der ungarischen Regierung: Publizist Zsolt Bayer. Foto: PD

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Die Juden? Heimliche Kommunisten, die leider nicht alle massakriert worden seien. Die Roma? Tiere, für die eine Endlösung gefunden werden müsse. Die Abgeordnete im EU-Parlament? Eine gehirnamputierte Idiotin, die nur faule Lügen verbreite. Und nun zu euch, ihr liberalen Westler, ihr Gutmenschen: «Fickt euch!» – Willkommen in der Welt des Zsolt Bayer.

Jede Woche schreibt der ungarische Publizist in einer nationalistischen Tageszeitung Kommentare mit solchen Hasstiraden. Dazwischen hält er gut besuchte Lesungen in der ungarischen Provinz und tritt in TV-Shows auf. Oder er organisiert Demonstrationen zur Unterstützung von Premier Viktor Orban. Seit vergangener Woche trägt der 53-jährige Bayer auch einen hohen Orden des ungarischen Staates, den «Verdienstorden mit Ritterkreuz».

Empörte Würdenträger

Dass der schlimmste Hassprediger des Landes nicht nur seinen Rassismus und seine Mordgelüste publizistisch offen ausleben darf, sondern dafür auch noch vom Staat ausgezeichnet wird, empört viele Ungarn. Über 70 Würdenträger aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur gaben deshalb Stunden später ihre Orden unter Protest zurück. Stündlich werden es mehr. Die Regierungspartei Fidesz aber steht zu Bayer: Er habe sich «Verdienste als Literat» erworben.

Mehrmals wurde Bayer wegen Verhetzung und Beleidigung verurteilt, unter anderem, weil er die österreichische EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek in einer TV-Sendung wüst beschimpft hatte. Mehr als dass Bayer ein kleines Strafgeld zahlen musste, passierte jedoch nie. Mehr wird auch nicht passieren, solange Fidesz an der Macht bleibt. Denn Bayer ist Gründungsmitglied der national-konservativen Partei. Er ist auch ein persönlicher Freund Viktor Orbans. Anlässlich eines Jahrestags der Parteigründung zeigte sich Orban demonstrativ an Bayers Seite.

Bayer darf über Juden, Roma, Flüchtlinge, Homosexuelle alles sagen, was sich andere denken, aber nicht aussprechen.

Bayer ist für die Regierungspartei ein wichtiger Hofnarr. Er darf über Juden, Roma, Flüchtlinge, Homosexuelle alles sagen, was sich andere denken, aber nicht aussprechen. Einmal bedauerte er, dass nicht alle jüdischen Intellektuellen in der Zwischenkriegszeit in der Puszta verscharrt wurden. Ein anderes Mal forderte er, kriminelle Zigeuner wie Schädlinge zu behandeln («so oder so»). Literarisch ist das nicht.

Orban und seine Freunde störten sich nicht daran. Bayer durfte zwei «Friedensmärsche» durch Budapest organisieren, zur Unterstützung der Regierung gegen die Opposition. Die Kernaussage dieser Demonstrationen wurden auf grossen Tafeln getragen: «Viktor, wir lieben dich!» Den Orden erhielt Bayer aus den Händen von Orbans Kabinettschef.

Allein der damalige Justizminister Tibor Navracsics meinte vor ein paar Jahren, dass für Bayers Worte kein Platz bei Fidesz sei. Bald danach war kein Platz mehr für Navracsics in der Regierung.

Erstellt: 23.08.2016, 19:01 Uhr

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