Augenzeugen: «Das wird sie für den Rest ihres Lebens prägen»

Viele Kinder und Jugendliche sind vom Anschlag in Manchester betroffen. Eltern reagieren entsetzt.

Augenzeugin der Explosion: «Ich rannte um mein Leben». Video: Tamedia/AFP/AP

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Nach dem letzten Song ertönt ein lauter Knall. Irgendwo in der Nähe des Eingangs ist etwas explodiert. Menschen schreien in Panik, drängen Richtung Ausgang in die dunkle Nacht.

Kurz darauf eilen Polizei und zahlreiche Krankenwagen mit Blaulicht herbei. Madschid Khan (22) ist mit seiner Schwester bei dem Konzert von Ariana Grande in der Arena im nordenglischen Manchester, als die Explosion passiert. «Es gab einen Knall wie von einer Bombe», sagt er. «Wir haben alle versucht, aus der Arena zu fliehen.»

«Der Knall hallte durch das Foyer der Arena und die Leute fingen an zu laufen», berichtet ein 17-Jähriger, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester das Popkonzert besucht hat. «Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen», sagt der Jugendliche dem Nachrichtensender Sky News.

«Wie kann jemand so etwas Kindern antun?»

Charlotte Campbell. deren 10-jährige Tochter mit Freunden ans Konzert gegangen ist, sagt auf CNN, ihre Tochter habe nun grosse Angst. Sie fürchtet sich davor, dass Attentäter zu ihr nach Hause oder in die Schule kommen könnten.«Kinder gehen an ein Konzert, um ihre Idole zu sehen und dann passiert so etwas. Das wird sie für den Rest ihres Lebens prägen», sagt Campbell. «Die, die das gemacht haben sind Feiglinge», sagt die Mutter den Tränen nahe.

Eine andere Frau sucht ihre Tochter. «Wir haben auf allen sozialen Plattformen, Spitäler angerufen. Aber wir haben nichts von ihr gehört. Es ist das schlimmste Gefühl meines Lebens», sagt sie auf CNN. «Wie kann jemand so etwas Kindern antun?», fragt sie weinend.

Schlimme Erfahrung im jungen Alter: Eine Frau führt ein Mädchen an der Hand. (Bild: Christopher Furlong/Getty Images)

Bahnhof evakuiert, alle Züge gestrichen

Mindestens 22 Menschen sind laut Polizeiangaben am späten Montagabend getötet worden, 59 weitere wurden verletzt. Blutüberströmte Menschen liegen auf dem Boden. Viele Kinder und Jugendliche haben das Konzert besucht. Eltern suchen mit Fotos in den sozialen Netzwerken verzweifelt nach ihren Kindern, die das Popkonzert besucht hatten. Die Behörden behandeln den Vorfall als einen Terroranschlag.

Sicherheitskräfte sperren das Gelände umgehend ab. Auch der benachbarte Bahnhof Victoria wird evakuiert. Alle Züge sind gestrichen. «Wir müssen noch den ganzen Tag lang mit Störungen rechnen», heisst es bei der Bahngesellschaft.

Die Explosion soll sich gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 MESZ) ereignet haben. Die Polizei meldete einen Vorfall im Foyer der Multifunktionshalle, die Betreiber sagten zunächst, es sei «draussen vor dem Veranstaltungsort» passiert.

Viele Verletzungen

Gary Walker aus Leeds wartete mit seiner Frau im Foyer, um seine beiden Töchter von dem Konzert abzuholen. Da habe es plötzlich einen «riesigen Blitz, einen Knall und Rauch» gegeben, sagt er der BBC. Er habe einen Schmerz im Fuss und in seinem Bein gespürt, seine Frau habe sich hinlegen müssen. Sie hat eine Wunde am Bauch, vielleicht auch ein gebrochenes Bein.

Drinnen im Konzertsaal hatte seine Tochter Abigail gerade ihre Schwester Sophie an der Hand gefasst. «Ich musste sicherstellen, dass meine Schwester da war. ... Alle rannten und weinten. Es was total furchtbar.» Als die beiden Mädchen ihre Eltern auf dem Handy anriefen, konnte Walker es kaum fassen. Zumindest das seien «fantastische Nachrichten» gewesen. (chk/sda)

Erstellt: 23.05.2017, 06:21 Uhr

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