«Ein Schock, weil wir sieben Jahre darauf gewartet haben»

Die von Julian Assange mutmasslich sexuell genötigte Schwedin hofft auf eine Auslieferung – aber nach Schweden.

«Ich wäre sehr überrascht und traurig, wenn Assange an die USA ausgeliefert würde»: Anna Ardin, die den Wikileaks-Gründer anzeigte.

«Ich wäre sehr überrascht und traurig, wenn Assange an die USA ausgeliefert würde»: Anna Ardin, die den Wikileaks-Gründer anzeigte.

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Nach seiner Festnahme droht Julian Assange nicht nur die Auslieferung an die USA, wo ihm ein Prozess wegen Verschwörung zur Attacke auf US-Regierungscomputer gemacht werden soll. Ungemach kommt ausserdem aus Schweden, wo der Wikileaks-Gründer eine Frau sexuell genötigt und vergewaltigt haben soll. Die Staatsanwaltschaft von Stockholm hatte im Mai 2017 das Strafverfahren gegen Assange eingestellt, weil es damals offensichtlich keine Möglichkeiten mehr gab, den 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchteten Wikileaks-Gründer zur Verantwortung zu ziehen.

Am Tag von Assanges Festnahme meldete sich das mutmassliche Opfer zu Wort. «Ich wäre sehr überrascht und traurig, wenn Julian an die USA ausgeliefert würde», schrieb Anna Ardin auf Twitter. Ihr sei es immer um das schlechte Benehmen von Assange gegenüber ihr und anderen Frauen gegangen sowie um dessen Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. Die Schwedin bedauert, dass der Fall nie richtig untersucht worden sei. Die Politologin Ardin arbeitet heute als Diakonin.

Assanges Festnahme könnte zu einer Wiederaufnahme des Strafverfahrens führen. Jedenfalls ist dies die Hoffnung der Anwältin des mutmasslichen Assange-Opfers. «Wir werden alles Mögliche machen, damit die Strafverfolgungsbehörden die Ermittlungen wieder aufnehmen, damit Assange an Schweden ausgeliefert werden kann», schrieb Elisabeth Massi Fritz auf Twitter. Wie die Anwältin in einem anderen Tweet mitteilte, war die Nachricht der Festnahme von Assange «verständlicherweise ein Schock für meine Klientin, weil wir seit sieben Jahren auf diesen Moment gewartet haben».

Die schwedische Staatsanwältin Ingrid Isgren wollte zunächst nicht kommentieren, wie sich der Fall Assange nach dessen Festnahme weiterentwickeln könnte. Grundsätzlich könne eine vorläufige Untersuchung wieder aufgenommen werden, solange der Tatverdacht nicht verjährt ist.

In dem Fall, dem Tatverdacht der Vergewaltigung, laufe die Frist Mitte August 2020 ab, sagte Isgren gemäss Medienberichten. Assange hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und diese als politisch motiviert bezeichnet. Der Wikileaks-Gründer witterte sogar ein von den USA gesteuertes Komplott.

Streit um ein zerrissenes Kondom

Assange und Anna Ardin hatten sich im August 2010 an der Universität Uppsala in Schweden kennen gelernt. Die junge Politikwissenschaftlerin hatte den Wikileaks-Gründer an eine Konferenz zum Thema Informationsfreiheit eingeladen. In der Nacht auf den 14. August hatten sie einvernehmlichen Sex.

Danach soll es aber Streit um ein zerrissenes Kondom gegeben haben. Assange erklärte hinterher, dass das Kondom geplatzt sei. Dagegen sagte Ardin, dass Assange das Kondom mit Absicht zerrissen habe. Damit habe er ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihr durchgesetzt.

Weil das schwedische Recht Sexualdelikte anders definiert – so gilt sexuelle Nötigung als Vergewaltigung –, eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Vergewaltigungsverdachts. In einem minderschweren Fall von Vergewaltigung, wie er Assange vorgeworfen wurde, drohen in Schweden bis zu vier Jahre Haft.

Erstellt: 12.04.2019, 16:56 Uhr

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