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Ein Sparer unter Klotzern

Giovanni Tria wird als Finanzminister die zentrale Figur in der Regierung der italienischen Populisten.

Neuer Wirtschafts- und Finanzminister von Italien: Giovanni Tria. Bild: PD
Neuer Wirtschafts- und Finanzminister von Italien: Giovanni Tria. Bild: PD

Berühmtheit ist nicht immer ein Nachweis für besondere Expertise, manchmal ist es sogar umgekehrt. Die Italiener lernen in diesen politisch etwas verwirrenden Zeiten Persönlichkeiten kennen, von denen sie zuvor nie etwas gehört hatten, gar nichts, und die nun die Geschicke ihres Landes lenken sollen. Vielleicht sind sie ja gut. Einer von ihnen ist Giovanni Tria, Römer, 69 Jahre alt, der neue Wirtschafts- und Finanzminister in der populistischen Regierung von Cinque Stelle und Lega – ein «Superminister». Einige ganz grosse Fragen laufen über seinen Tisch: Was ist mit dem Euro? Soll Italien noch mehr Schulden machen, sich mit Brüssel anlegen, die Defizitvorgaben durchlöchern, alles aufs Spiel setzen?

Erst Mao, dann Berlusconi

Als der Name des Wirtschaftsprofessors vor einigen Tagen völlig überraschend ins Spiel kam, da surften so viele Italiener gleichzeitig auf den paar wenigen Seiten im Internet, die etwas über ihn zu berichten wussten, dass diese Seiten darunter kollabierten. Biografisches? Zero. Wahrscheinlich kennen ihn die Chinesen besser als die Italiener. Als Student, schreibt die Zeitung «La Stampa», war Giovanni Tria Mitglied einer maoistischen Gruppierung, weit links aussen, und lernte Chinesisch. Wenn das chinesische Staatsradio in den vergangenen Jahren jeweils die Stimme eines westlichen Ökonomen hören wollte, rief es gerne bei Tria an. Der war immer nett mit Peking und natürlich mit Präsident Xi Jinping, den er zuletzt für dessen «umsichtige Öffnung» rühmte.

Die politische Gesinnung Trias hat sich seit der Jugend stark gewandelt. Er ist parteilos, steht aber der bürgerlichen, liberalen Forza Italia von Silvio Berlusconi nahe. Für die hat er in der Vergangenheit Wirtschaftsprogramme geschrieben. Das ist natürlich ironisch: Silvio Berlusconi ist das liebste Feindbild der Cinque Stelle, man könnte nicht weiter auseinanderliegen. Forza Italia war es auch, die Tria 2010 die Leitung der «Scuola Nazionale dell’Amministrazione» anvertraute, so heisst die Kaderschmiede für italienische Beamte. Er wollte daraus das Pendant zur renommierten französischen Eliteschule ENA machen, ging dann aber vor zwei Jahren im Streit.

«In Italien will niemand aus dem Euro austreten, die Welt soll sich das notieren.»

Giovanni Tria

Zu Ehren kam Giovanni Tria jetzt, weil dem Staatspräsidenten der erste Vorschlag der Populisten für das Schatzministerium nicht gefiel: An Paolo Savona, einem wirklich prominenten und umstrittenen Wirtschaftsprofessor, wäre beinahe die Regierungsbildung gescheitert. Savona hatte nämlich einen Plan für einen überfallartigen Austritt Italiens aus dem Euro und musste sich deshalb nun mit dem Europaministerium begnügen, im Vergleich ein Miniressort.

Auch Tria ist kein bedingungsloser Freund des Euro, aber wer ist das schon in Italien? Auch Tria sagt, die Einheitswährung leide an Konstruktionsfehlern, von denen vor allem Deutschland profitiere. Doch seine Position ist moderater als Savonas. Tria ist ein «Europeista critico», ein Europafreund mit Vorbehalten. Nach der Vereidigung im Quirinals­palast sagte er in alle Mikrofone: «In Italien will niemand aus dem Euro austreten, die Welt soll sich das notieren. Das ist die Wahrheit.» Und eine Ansage.

Strenger Buchhalter

Mal sehen, wie der Professor dem Druck der Populisten standhalten wird. Die haben eine Menge toller, aber unerschwinglicher Versprechen in ihr Regierungsprogramm geschrieben. Ausgaben für 125 Milliarden Euro sind ungedeckt. Die «Flat-Tax», wie sie die Lega vorschlägt, findet Tria gut. Er würde sie aber mit einer Erhöhung der Konsumsteuer finanzieren, und das wäre sehr unpopulär im Volk. Nicht so gut findet er dagegen den Bürgerlohn der Fünf Sterne, aus Prinzip schon und wegen der hohen Kosten. Tria will auch die Rentenreform nicht total zurückdrehen, weil das viel zu teuer wäre.

Er gilt als strenger Buchhalter, als Kostenkontrolleur. Gibt er sich aber allzu streng, schicken sie ihn wahrscheinlich schnell wieder in die Versenkung. Oder als Botschafter nach ­Peking.

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