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Er will «alle 600'000» Migranten ausweisen – «10'000 jeden Tag»

Der scharfe Populist Matteo Salvini will Chef der Rechten in Italien sein. Der Gründer seiner Partei nannte Faschisten noch «Schweine». Salvini sagt lieber «ragazzi» – Jungs.

Für die Berichterstattung sorgt der frühere Journalist selbst: Lega-Chef Salvini in Mailand. Foto: Luca Bruno (AP)
Für die Berichterstattung sorgt der frühere Journalist selbst: Lega-Chef Salvini in Mailand. Foto: Luca Bruno (AP)

Seit einigen Jahren gibt es kein Entkommen mehr, alles Zappen bringt nichts: Irgendwo taucht Matteo Salvini immer auf, jeden Abend. Oft zur Primetime in einer der vielen Talkshows.

Seine tiefe, sonore Stimme ist unverkennbar. Auch sein Diskurs ist anders: scharf und bös. Ein sprechender Bulldozer. Meist wird der 43 Jahre alte Mailänder Chef der rechtspopulistischen Lega zugeschaltet, weil er gerade unterwegs ist. Kein italienischer Politiker reist mehr als Salvini. Den Stiefel rauf und runter, unablässig. Am selben Tag in Genua, Turin und dann in Bari. In Gemüsemärkten, vor Fabrikhallen, in Flüchtlingsheimen.

Ganz gern zeigt er sich auch daheim bei Menschen, die Opfer von Gewalt wurden, als Anwalt der Vergessenen. Für die Berichterstattung sorgt der frühere Journalist selbst, und zwar in den sozialen Medien. Das kostet nichts. Salvini ist ein Star im Netz, er twittert und postet meist vor allen anderen, über alles.

Der Padrone im Haus

So wurde er gross, und mit ihm seine Partei. So gross wie jetzt war sie noch nie. Fast 18 Prozent der Stimmen gewann die Lega. Salvini gehört zu den Siegern der Parlamentswahlen. In seinem Erfolg spiegelt sich die Niederlage von Silvio Berlusconi und dessen Forza Italia.

Zum ersten Mal in der Geschichte der modernen italienischen Rechten, dem Artefakt von Berlusconi, ist nicht mehr der Medienunternehmer der Padrone im Haus, sondern eben er: Matteo Salvini. Als er die Partei, die einst von Umberto Bossi gegründet worden war, 2013 übernahm, hiess die Lega noch Lega Nord und stand bei 4 Prozent. Sie nährte sich an norditalienischen Mythen und Legenden.

Salvini wollte national spielen – und nationalistisch.

Mit Salvini endete die sezessionistische Phase. Der Norden war ihm zu eng, er wollte national spielen – und nationalistisch. Salvini operierte die Lega um in einen italienischen Klon von Marine Le Pens Front National. Unlängst opferte er auch das «Nord» im Parteinamen. Die Lega ist nun eine klassische Rechtsaussenpartei.

Salvini macht vor allem Stimmen mit seiner harten Haltung gegenüber Migranten, die er «Illegale» nennt. Oder «Klandestine». Er sagte schon, er werde «alle 600'000» aus dem Land weisen – «10'000 jeden Tag». Natürlich ist das nur schon deshalb unmöglich, weil Italien lediglich mit vier Ländern überhaupt Rücknahmeabkommen abgeschlossen hat. Doch das kümmert ihn nicht.

Eine andere Rechte

Zu Zeiten Bossis war die Lega zwar nicht freundlich mit Fremden. Doch sie war antifaschistisch. Bossi nannte die Faschisten «Schweine». Salvini sagt lieber «ragazzi», Jungs.

Bis vor einigen Jahren war er immer «der andere Matteo» gewesen: gleich alt wie Matteo Renzi, mit ähnlich grossem Ego, aber politisch viel kleiner. Nun hat Salvinis Lega beinahe Renzis Partito Democratico eingeholt. Er versteht sich jetzt als Chef der gesamten italienischen Rechten, als Anwärter auf die Nachfolge von Berlusconi. Es ist eine andere Rechte, eine harte und schnoddrige.

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