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Die Rivalität zwischen Frankreich und Italien artet aus

Roms Populisten haben in Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron ihr liebstes Feindbild gefunden.

Verbaler Feldzug: Vizepremier Luigi Di Maio. Foto: Reuters
Verbaler Feldzug: Vizepremier Luigi Di Maio. Foto: Reuters

Nicht alle Nachbarn sind auch immer Freunde. Während sich in Aachen Deutsche und Franzosen ihrer Freundschaft versichern, artet im Süden die alte, sonst eher neckisch geführte Rivalität zwischen Franzosen und Italienern aus. Zeitgleich und gehässig, mit Exkursen bis in die Kolonialgeschichte. Wenn nicht alles täuscht, dann ist das erst das Vorspiel vor dem Showdown bei den Europawahlen im Mai. Sozusagen der Antipasto, um es mit den Italienern zu sagen.

Die Populisten von Cinque Stelle und Lega, die in Rom regieren, sehen im französischen Präsidenten Emmanuel Macron und in dessen europafreundlichem Kabinett ihren liebsten Gegner – das Feindbild, an dem sich scheinbar alles ideal festmachen lässt: die Abneigung gegen die Elite, die Banken, die Brüsseler Bürokratie.

Die linke Zeitung «Il Manifesto» titelt mit ironischer Note: «De bello Gallico.» Das ist der lateinische Titel der Berichte über den Gallischen Krieg, verfasst vom grossen römischen Feldherrn Gaius Julius Cäsar. Zur Schlagzeile stellte die Zeitung ein Foto von Luigi Di Maio, dem italienischen Vizepremier und Chef der Cinque Stelle. «Giggino» als Cäsar?

Den linken Flügel im Auge

Bei seinem jüngsten verbalen Feldzug wirft Di Maio den Franzosen vor, dass sie die Hauptverantwortung trügen für die Migrationswellen aus Afrika: «Wenn es Leute gibt, die fliehen», sagte er, «dann rührt das daher, dass manche europäische Länder, ganz zuvorderst Frankreich, nie aufgehört haben, Afrika zu kolonialisieren.» Die EU müsse Frankreich dafür bestrafen, dass es die Afrikaner in die Armut dränge. Als Beleg für die angeblich fortwährende Unterwerfung ziehen die Cinque Stelle die Währung von 14 afrikanischen Ländern heran, von denen die meisten ehemalige Kolonien Frankreichs sind: der Franc CFA, der früher an den Franc gebunden war und nun am Euro hängt.

Die Polemik ist nicht neu, sie passt aber gerade perfekt in Di Maios Konzept. Er muss sich vom linken Flügel seiner Partei anhören, dass er sich in der Migrationsfrage allzu stark den Positionen der fremdenfeindlichen Lega gebeugt hat. Der Schlenker gegen die Franzosen und die angeblich neoimperialistische Wirkung des Franc CFA dient als Ablenkung.

Nur wackelt die These, dass die Menschen deshalb aus Afrika fliehen: Von den Migranten, die 2018 über das Mittelmeer nach Italien gekommen sind, stammten nur vergleichsweise wenige aus einem Land, das mit dem Franc CFA wirtschaftet. In den Statistiken scheint die Elfenbeinküste als erstes dieser Länder auf – und zwar an achter Stelle, mit 4 Prozent aller Zuwanderer. Das kann man auf der Website des italienischen Innenministeriums nachlesen.

Premier ruft zur Mässigung auf

Das französische Aussenministerium bestellte prompt die italienische Botschafterin in Paris ein, um gegen die undiplomatische Art zu protestieren. Das wiederum rief Matteo Salvini auf den Plan, den anderen Vizepremier Italiens, der nicht so gern überholt wird im Rennen um die gröbsten Unflätigkeiten. Frankreich, sagte Salvini, wolle gar nicht, dass sich Libyen stabilisiere, weil es da gegenteilige Ölinteressen habe als die Italiener. Libysches Öl und Gas – darum streiten die Nachbarn seit Jahren: da der französische Konzern Total, dort die italienische Eni. Bisher konnte Italien den Vorteil aber verteidigen – als ehemalige Kolonialmacht, wohlgemerkt.

Salvini nennt Macron gerne «Signorino», kleiner Herr. Wenn jeweils Kritik an seiner harten Hand gegen die Immigranten aufkommt, verweist der italienische Innenminister darauf, dass Macron Zuwanderer an der Grenze zwischen Frankreich und Italien, in Ventimiglia und bei Bardonecchia, «wie Tiere» zurückweisen lasse. Von diesem «Signorino» akzeptiere er deshalb keine Morallektionen.

So wird das wahrscheinlich weitergehen, in einem stetigen Crescendo immer neuer Gehässigkeiten, bis zu den Europawahlen. Italiens Premier Giuseppe Conte hat seine Vizes nun zur Mässigung angehalten: Er muss schliesslich mit Macron auskommen. Auch der parteilose Aussenminister Enzo Moavero Milanesi forderte die beiden auf, die Propaganda leiser zu stellen. Italien könne es sich nicht leisten, sich zu isolieren. Ein solcher Dauerzwist mit Frankreich sei Gift für die Interessen des Landes. Viel Gehör wird ihm wohl nicht beschieden sein.

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