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«Einige haben Schweizern sogar Flugtickets in die Heimat angeboten»

Rund 3000 Schweizerinnen und Schweizer leben noch in Griechenland. Die meisten Jungen sind schon gegangen, die Übriggebliebenen versuchen, sich gegenseitig zu helfen.

Im Chaos der vergangenen Tage versucht der Schweizerclub Athen zu helfen, wo es möglich ist. Vor allem ältere und isolierte Personen benötigen Unterstützung. Ursprünglich sei der vor fast 125 Jahren gegründete Schweizerclub Athen ein Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung gewesen, sagte Präsident Konstantinos Kokkinos im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. «Jetzt ist der Club dabei, genau das wieder zu werden.» Kokkinos ist wie viele Schweizer in Griechenland Staatsbürger beider Länder.

Es fällt dem 56-jährigen Wirtschaftsanwalt beim Reden über die Krise in Griechenland schwer, die Emotionen zu verbergen. Was derzeit geschehe, bezeichnet er als den «Auftakt zu einer Tragödie». Noch vor zwei Wochen, beim vorgezogenen Fest zum Schweizer Nationalfeiertag in Athen, habe sich niemand vorstellen können, was sich jetzt abspiele.

80 Prozent der Jungen sind weg

In enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft versucht der Schweizerclub, Schweizer Familien «diskret» zu helfen, die wegen der Krise in Not geraten sind. «Einige unserer Mitglieder haben Schweizern sogar angeboten, Flugtickets zurück in die Heimat zu bezahlen», sagte Kokkinos.

Der Verein konzentriert sich laut Kokkinos vor allem auf die Hilfe für ältere Menschen. «Nach 30 oder 40 Jahren in Griechenland wollen oder können sie nicht mehr zurück in die Schweiz.» Leuten, die beispielsweise nicht mehr selbst zur Bank gehen könnten, um Geld abzuheben, müsse vor Ort geholfen werden.

Die jüngere Generation der Schweizer in Griechenland gibt es dagegen kaum mehr. 80 Prozent der 25- bis 30-Jährigen hätten das Land vor zwei oder drei Jahren verlassen, schätzt Kokkinos. Viele andere spielten mit dem Gedanken. Eine Auswanderungswelle erwartet er dennoch nicht. Es brauche eine gewisse Zeit, um sich zu organisieren.

Zum Arbeiten in die Schweiz zurück

Gedanken zur Zukunft macht sich auch Sonia Bachmann Limperopoulos. Die 46-jährige Zürcherin lebt seit 25 Jahren in Griechenland. Derzeit macht sie eine Lehrerinnen-Ausbildung, um wieder zu arbeiten, wenn ihre Kinder ausgeflogen sind.

Ob dieser Plan aufgeht, ist unsicher. «Wenn ich arbeiten will, muss ich wohl in die Schweiz zurückkehren», sagt sie. Als Schweizerin habe man aber immerhin diesen Ausweg. Ihre Wahlheimat im Norden von Athen würde sie dennoch nur ungern verlassen. Die Leute seien nett und offen und das Land sehr schön.

Für ihre Kinder – 16 und 18 Jahre alt – sei der Weg dagegen vorgespurt. Nach dem Studium in Griechenland würden sie wohl im Ausland nach Arbeit suchen. Bei der Abstimmung am Sonntag, glaubt die Schweizerin, würden die Griechen «gegen Europa» stimmen.

Unklare Zukunft – selbst bei einem Ja

Kokkinos vom Schweizerclub Athen kritisiert, dass die griechische Regierung das Referendum vom Sonntag überhaupt angesetzt hat. Die Abstimmung führe zu einer Spaltung. Ausserdem hält der Anwalt das Vorgehen für rechtlich fragwürdig. Der Europarat billige die Abstimmung nicht, sagte er.

Mit seiner Familie in Zürich bedrohe ihn die Lage in Griechenland nicht. Er mache sich aber Sorgen. Ein Ja zum Referendum und damit zu Europa sei eine «Notwendigkeit für Griechenland». Aber selbst dann sei nicht klar, was passieren werde.

SDA

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