Zum Hauptinhalt springen

«Mein Visum ist noch zwei Monate gültig»

Die iranische ETH-Biologin Samira Asgari wollte von Genf nach Boston fliegen, um in Harvard zu forschen. In Frankfurt war Endstation.

Sie sind, wenn man so will, eines der ersten Opfer von Donald Trumps Aussenpolitik.

Stimmt (sie lacht). Was ich daran nicht lustig finde: Dass dieser Entscheid ganz normale Menschen trifft.

Sie wurden in Frankfurt am Weiterfliegen gehindert. Was ist genau passiert?

Ich hatte einen Flug von Genf über Frankfurt nach Boston gebucht. In Frankfurt ging ich zur Passkontrolle, zeigte den Pass und mein gültiges Visum vor und kam ohne Probleme weiter. Als ich beim Gate meinen Boarding-Pass scannte, liess die Schranke mich nicht durch. Ich sah einen Mann dort stehen, er hatte wohl auf mich gewartet. Er rief mich beim Namen und fragte mich, ob wir etwas abseits gehen und miteinander reden könnten. Dann sagte er mir, dass mein Visum nicht gültig sei und ich den Flug nach Boston leider nicht antreten könne.

War es ein Amerikaner?

Seinem Akzent nach bestimmt. Ausserdem stellte er sich als Mitarbeiter des amerikanischen Konsulats in Frankfurt vor.

Was hatten Sie in Boston vor?

Ich wollte an die Medical School der ­Harvard-Universität, um dort meine Forschung voranzutreiben, die ich an der ETH in Lausanne mit meiner Dissertation verfolgt hatte. Meine Forschung handelt, kurz gesagt, von den Genomen ansteckender Krankheiten bei Kindern, insbesondere von Tuberkulose.

Wie wollen Sie jetzt weiter verfahren?

Das weiss ich noch nicht. Mein Visum ist noch zwei Monate gültig, und es dauerte auch Monate, bis es mir ausgestellt wurde. Aber solange ich als Iranerin kein Flugzeug in die Vereinigten Staaten besteigen kann, nützt mir das nichts. Sollte das Einreiseverbot aufrechterhalten werden, muss ich mir eine andere Universität für meine Forschung suchen. Dabei würde ich gerne nach Harvard gehen.

Wie haben Ihre Landsleute auf Ihre Erfahrung reagiert?

Ich sprach mit meiner Familie, aber auch mit meinen iranischen Freunden in der Schweiz. Sie unterstützen mich natürlich und fühlen sich selber diskriminiert. Einen Bekannten von mir hat es schlimmer getroffen: Er darf nicht in die Vereinigten Staaten zurückfliegen, obwohl er dort seine Doktoratsprüfung machen sollte.

Was sagen denn Ihre Kollegen in Harvard?

Mein künftiger – oder vorgesehener – Chef rief mich sofort an. Er hatte mich von Anfang an in allem unterstützt, mehr, als man sich das vorstellen kann. Er überbrachte seine besten Wünsche und die des Teams, das mit ihm im Labor forscht. Er kündigte auch an, sich in meinem Fall weiter zu engagieren. Diese Leute waren für mich ein wichtiger Grund, nach Boston zu fliegen. Harvard hat nicht nur einen exzellenten wissenschaftlichen Ruf, ich fand meine Kollegen auch überaus sympathisch.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch