Er ist fast schon wieder da

Heinz-Christian Strache bereitet sein Comeback in der FPÖ vor.

Heinz-Christian Strache bleibt Teil der «FPÖ-Familie». Foto: Key

Heinz-Christian Strache bleibt Teil der «FPÖ-Familie». Foto: Key

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Das neue F-Wort in der FPÖ heisst Familie. So oft und von so vielen wird derzeit der familiäre Zusammenhalt der Freiheitlichen beschworen, dass man daraus eigentlich nur eines schliessen kann: Hier hängt hinter den Fassaden der Haussegen schief. Die Verantwortung dafür trägt einer, der sich gerade nach Kräften als verlorener Sohn positioniert, der die Rückkehr in den Schoss der Familie kaum erwarten kann: Heinz-Christian Strache.

Gerade einmal zweieinhalb Wochen ist es her, dass Strache nach dem Ibiza-Video zerknirscht den Rücktritt als Vizekanzler und FPÖ-Chef bekannt gab. Er machte damit den Weg frei für das neue Führungsduo Norbert Hofer und Herbert Kickl, die Straches Verhalten auf Ibiza als «unentschuldbar» bezeichneten.

Gleichzeitig mit dem Rücktritt begann Strache allerdings bereits mit der Vorbereitung seiner Rückkehr. Er inszeniert sich als Opfer einer Verschwörung und oberster Aufklärer in eigener Sache, und den ersten Etappensieg feierte er am Tag der Europawahl. Seine Anhänger wählten ihn mit knapp 45000 Vorzugsstimmen vom letzten Listenplatz nach vorn und sicherten ihm damit den Anspruch auf einen Abgeordnetensitz im EU-Parlament.

Ganz weg war er nie

Von Beginn an machte Strache keinen Hehl aus seiner Neigung, das Mandat anzunehmen. Verhaltener und auch offener Widerstand aber kam aus vielen Ecken der Partei. Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner erklärte, Strache solle «jetzt und in der Zukunft innerhalb der FPÖ keine Funktion mehr einnehmen». Auch Kickl empfahl deutlich den Mandatsverzicht.

Sogar Gerüchte über ein Parteiausschlussverfahren machten die Runde, bis schliesslich am Dienstagabend der Familienrat, sprich der FPÖ-Vorstand tagte. Danach verkündete Hofer eine «Vereinbarung» mit Strache: Sollte er das EU-Mandat annehmen, werde er «auf sämtliche Funktionen innerhalb der FPÖ» verzichten. Strache hat allerdings nach seinem Rückzug gar keine Funktionen mehr in der FPÖ, und der Verzicht soll laut Hofer auch nur «bis zur vollständigen Aufklärung der Umstände rund um das Ibiza-Video» gelten. In jedem Fall solle Strache «Teil der freiheitlichen Familie bleiben». Fazit: Ganz weg war er nie, aber jetzt ist er fast schon wieder da.

Straches «Heilgrüsse»

Dies ist jedoch nicht nur das Ergebnis alter Loyalitäten, sondern auch neuer Ängste. Denn die FPÖ steckt in einer Zwickmühle. Zum einen ist klar, dass man sich mit Strache im anstehenden Wahlkampf einen Klotz ans Bein hängt, weil damit der Ibiza-Auftritt ein Thema bleiben wird. Zudem sind wieder neue Details zu Straches Jugend in Neonazi-Kreisen bekannt geworden. Der «Falter» veröffentlichte eine offenbar von Strache mit seinem Burschenschafter-Namen «Heinrich der Glückliche» unterzeichnete Postkarte, auf der «deutsche Heilgrüsse» an die Bundesbrüder in«D-Oesterreich» geschickt wurden. Die Karte stammt aus dem November 1990, da war Strache schon FPÖ-Funktionär in Wien.

Zum anderen aber weiss die neue Parteiführung auch um Straches treue Anhängerschaft. Sollte die FPÖ ihm die kalte Schulter zeigen, könnte das am Ende gar auf eine Spaltung hinauslaufen. Vorerst spielen deshalb alle auf Zeit. Strache muss sich erst am 2. Juli entscheiden, ob er nach Brüssel geht. Vorab hat er nur so viel versichert: «Gleich wie auch immer meine Entscheidung ausgeht, bleibe ich als einfaches Mitglied der FPÖ auch Teil der freiheitlichen Familie.»

Erstellt: 05.06.2019, 22:00 Uhr

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