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Erdogan erhält die Rechnung

Die türkische Regierung hat viel zu spät erkannt, dass die Duldung der Terrormiliz IS fatale Folgen haben könnte.

Istanbul war immer ein Fest fürs Leben. Die Weltstadt am Bosporus verbindet Kontinente und Kulturen, sie vibriert und fasziniert. Seit dem Wochenende herrscht Stille in der Innenstadt, die grossen Einkaufsstrassen sind leer. Schon wieder hat ein Selbstmordattentäter unschuldige Menschen in den Tod ­gerissen und Dutzende verletzt. Ein IS-Anhänger soll es gewesen sein, behauptet die Regierung, nachdem sie in den vergangenen Monaten nach jedem Anschlag reflexartig die Kurden beschuldigt hatte.

Die Türkei wird von Fanatikern des Islamischen Staates und von kurdischen Extremisten bedroht. Die Gefahr wird grösser, dass der Konflikt mit den Kurden und der Krieg in Syrien auch in den Westen der Türkei getragen werden. Jetzt muss Ankara einen Zweifrontenkrieg führen, weil der autoritäre Staatschef Recep Tayyip Erdogan ohne Not den Friedens­prozess mit den Kurden aufgekündigt und jahrelang zugelassen hat, dass sein Land zum Tummelplatz für IS-Terroristen wird, die in den Krieg gegen den syrischen Diktator Bashar al-Assad ziehen. Die türkische Regierung hat viel zu spät erkannt, dass die Duldung der Terrormiliz fatale Folgen haben könnte, und ist eher widerwillig der internationalen Anti-IS-Koalition beigetreten. Erdogan, der Möchtegern-Sultan, erhält nun die Rechnung für seine Strategie.

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