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«Erdogan hat das Land gespalten»

In der Türkei kommt es am Jahrestag der Proteste im Gezi-Park zu Zusammenstössen. Die Polizei hat in Istanbul und Ankara Hunderte Menschen eingekesselt.

Die Polizei unterband alle Kundgebungen zum Jahrestag der Gezi-Proteste: Eine verletzte Demonstrantin auf einer Strasse nahe des Taksim-Platzes. (31. Mai 2014)
Die Polizei unterband alle Kundgebungen zum Jahrestag der Gezi-Proteste: Eine verletzte Demonstrantin auf einer Strasse nahe des Taksim-Platzes. (31. Mai 2014)
BULENT KILIC, AFP
Auf der Flucht vor den Polizisten: Protestierende in Istanbul. (31. Mai 2014)
Auf der Flucht vor den Polizisten: Protestierende in Istanbul. (31. Mai 2014)
AFP PHOTO / GURCAN OZTURK, AFP
Zu einer Kundgebung kam es in Istanbul bereits am frühen Morgen: Tausende protestieren vor der Basilika Hagia Sophia, weil das heutige Museum wieder zur Moschee umgenutzt werden soll. (31. Mai 2014)
Zu einer Kundgebung kam es in Istanbul bereits am frühen Morgen: Tausende protestieren vor der Basilika Hagia Sophia, weil das heutige Museum wieder zur Moschee umgenutzt werden soll. (31. Mai 2014)
EPA/ERDEM SAHIN
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Nach Zusammenstössen am Jahrestag des Beginns der Gezi-Proteste in der Türkei ist in Istanbul wieder Normalität eingekehrt. Der symbolträchtige Taksim-Platz und der angrenzende Gezi-Park waren am Morgen wieder frei zugänglich. Auch die U-Bahn-Station dort war geöffnet. Der Fährverkehr über den Bosporus lief normal.

Bei den Demonstrationen zum Jahrestag des Beginns der landesweiten Gezi-Proteste sind etwa 120 Menschen festgenommen worden. Das sagte Istanbuls Polizeichef Selami Altinok nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am späten Abend.

Die Sicherheitskräfte waren gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. In Istanbul setzten Sicherheitskräfte am Samstagabend auf der zum Taksim-Platz führenden Einkaufsmeile Istiklal Caddesi Wasserwerfer und Tränengas ein. Der Polizeichef erklärte vor Journalisten auf dem Taksim-Platz, dass vier Polizisten verletzt worden seien.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor vor einer Teilnahme an Demonstrationen gewarnt. Er drohte mit einem strikten Vorgehen der Sicherheitskräfte, die «präzise Anordnungen» hätten. Massendemonstrationen blieben in Istanbul aus.

Zusammenstösse in weiteren Städten

Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass Sicherheitskräfte auch in der Hauptstadt Ankara Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten einsetzten. Aus anderen Städten wurden ebenfalls kleinere Zusammenstösse gemeldet.

In Istanbul war der Protest bis zur gewaltsamen Auflösung friedlich. Dort hatten Regierungsgegner für Samstagabend zur Demonstration auf dem Taksim-Platz aufgerufen. Die Polizei hatte den symbolträchtigen Platz und den angrenzenden Gezi-Park allerdings bereits am Nachmittag abgeriegelt.

Medienberichten zufolge sollten bis zu 25'000 Polizisten und 50 Wasserwerfer verhindern, dass Demonstranten auf den Taksim-Platz vordringen. Einigen hundert von ihnen gelang es, sich auf der Istiklal Caddesi zu versammeln. Sie forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung.

Der Korrespondent des US-Senders CNN, Ivan Watson, wurde nach eigenen Angaben während einer Live-Schaltung vom Taksim-Platz von der Polizei festgesetzt. Ein Polizist habe ihn dabei getreten, berichtete Watson über Twitter. Er und sein Team seien nach einer halben Stunde wieder freigelassen worden.

Verbindungen unterbrochen

Bosporus-Fähren brachten seit dem Nachmittag keine Passagiere mehr vom asiatischen zum europäischen Teil Istanbuls, wo der Taksim-Platz liegt. Die U-Bahn-Station am Taksim-Platz wurde geschlossen. Bis in die Nacht hinein lieferten sich kleinere Gruppen von Demonstranten Scharmützel mit der Polizei.

In der Umgebung des Taksim-Platzes wurden neben Wasserwerfern auch Ambulanz- und Feuerwehrfahrzeuge in Stellung gebracht. Gewaltbereite Demonstranten hatte zuletzt Sicherheitskräfte in Istanbul auch mit Molotow-Cocktails angegriffen, worauf die Polizei in mindestens einem Fall mit scharfer Munition schoss. Am Rande von Protesten waren vergangene Woche zwei Menschen ums Leben gekommen.

Erdogan hatte den Aufruf zu Demonstrationen bereits am Freitagabend verurteilt. Ein Jahr nach den Gezi-Protesten wollten die Demonstranten der Türkei «neue Tote, neue Schmerzen» zufügen, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Proteste im vergangenen Sommer hatten sich an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Taksim-Platzes zu bebauen. Am 31. Mai vor einem Jahr schlugen sie in landesweite Proteste um, die sich vor allem gegen den autoritären Regierungsstil von Erdogan und die eskalierende Polizeigewalt richteten. Die Proteste kosteten mindestens sieben Menschen das Leben.

AFP/sda/mw

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