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Die Türkei von «Viren» und «Metastasen» säubern

In Istanbul werden die ersten Opfer des Putsches beerdigt. Der türkische Präsident Erdogan wählte in seiner Ansprache martialische Worte.

Droht seinen Gegnern: Der türkische Präsident an der Begräbnisfeier in Istanbul. (17. Juli 2016/ Getty Images)
Droht seinen Gegnern: Der türkische Präsident an der Begräbnisfeier in Istanbul. (17. Juli 2016/ Getty Images)

Nach Tausenden Festnahmen in Militär und Justiz nach dem Putschversuch hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein gnadenloses Vorgehen gegen Anhänger seines Erzfeindes Fethullah Gülen angekündigt.

«Liebe Brüder, ist das genug?», sagte er vor jubelnden Anhängern im Istanbuler Bezirk Fatih mit Blick auf die Verhaftungen. «In allen Behörden des Staates wird der Säuberungsprozess von diesen Viren fortgesetzt. Denn dieser Körper, meine Brüder, hat Metastasen produziert. Leider haben sie wie ein Krebsvirus den ganzen Staat befallen.»

Mitglieder der Gülen-Gruppe im Militär, die die Streitkräfte «ruiniert» habe, seien festgenommen worden. Es handle sich um Soldaten aller Ränge. Erdogan macht Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Gülen für den Putschversuch verantwortlich.

Die türkische Staatsführung betet vor den Särgen der Opfer des Putsches: Die Begräbnisfeier in der Fatih Moschee in Istanbul. (17. Juli 2016/ Bild: Getty Images)
Die türkische Staatsführung betet vor den Särgen der Opfer des Putsches: Die Begräbnisfeier in der Fatih Moschee in Istanbul. (17. Juli 2016/ Bild: Getty Images)

Gülen wies die Vorwürfe erneut zurück. «Meine Botschaft an das türkische Volk ist, eine militärische Intervention niemals positiv zu sehen», sagte der 75-Jährige am Samstag (Ortszeit) in Saylorsburg im US-Staat Pennsylvania unter anderem der «New York Times». Auf diese Weise könne Demokratie nicht erreicht werden. Gülen lebt seit Ende der 1990er Jahre in den USA.

Eine Beteiligung seiner Anhänger an dem Putschversuch könne er nicht ausschliessen, denn er sei sich inzwischen unsicher, wer seine Anhänger in der Türkei seien, zitierte die «New York Times» aus dem Interview. Er habe die Regierung zugleich äusserst scharf kritisiert, sie mit dem Nazi-Regime verglichen.

Dem britischen «Guardian» zufolge, der ebenfalls an dem Interview beteiligt war, deutete der Prediger auch an, Erdogan selbst könne den Putsch inszeniert haben.

Nach dem missglückten Umsturzversuch hat Erdogan von den USA die Auslieferung seines einstigen Verbündeten Gülen gefordert. Er hält ihn für den Drahtzieher. US-Aussenminister John Kerry erklärte, Washington werde ein etwaiges Auslieferungsersuchen prüfen und «angemessen» darüber entscheiden.

(SDA)

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