Zum Hauptinhalt springen

Erdogan zu Journalistin: «Kenne deinen Platz, schamlose Frau»

Der türkische Regierungschef hat eine kritische Journalistin öffentlich herabgesetzt. Im Internet und von regierungstreuen Medien wird diese nun weiter verunglimpft.

Will türkischer Präsident werden: Regierungschef Erdogan. (7. August 2014)
Will türkischer Präsident werden: Regierungschef Erdogan. (7. August 2014)
AP Photo, Keystone

Der türkische Regierungschef und Präsidentschaftskandidat Recep Tayyip Erdogan hat mit persönlichen Angriffen auf eine Journalistin für Aufsehen gesorgt. Erdogan attackierte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Malatya im Osten der Türkei die Journalistin Amberin Zaman, nachdem diese in einer Fernsehsendung kritische Fragen gestellt hatte.

Er nannte sie «eine Militante in Gestalt einer Journalistin» und «eine schamlose Frau» und fügte an: «Kenne deinen Platz.» Zamans Namen nannte er allerdings nicht.

Kritische Frage

Der Präsidentschaftskandidat der islamisch-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) warf Zaman vor, die «zu 99 Prozent muslimische» Gesellschaft der Türkei beleidigt zu haben.

Zuvor hatte die Journalistin, die für das Magazin «Economist» und die Zeitung «Tafar» arbeitet, den Erdogan-Konkurrenten Kemal Kilicdaroglu in einer TV-Debatte gefragt, ob muslimische Gesellschaften überhaupt in der Lage seien, ihre Autoritäten in Frage zu stellen.

Schmierkampagne gestartet

Zaman antwortete Erdogan in einer ihrer Kolumnen für «Tafar» mit der Überschrift «Sei immer zuerst Mensch!». Darin warf sie Erdogan vor, eine muslimische Frau zu «lynchen», nur weil sie dessen Handlungen beschreibe.

Regierungstreue Medien hätten eine Schmierkampagne gegen sie gestartet, schreibt Zaman. Sie sei als «Judenschlampe» beschimpft worden, die den Jihadisten im Irak am besten als «Konkubine» diene.

Der «Economist» solidarisierte sich in einer Stellungnahme mit seiner «weithin respektieren» Journalistin. «Unter Herrn Erdogan ist die Türkei zu einem immer schwierigeren Ort für unabhängigen Journalismus geworden», erklärte die «Economist»-Redaktion.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein anderes Führungsmitglied der AKP mit frauenfeindlichen Bemerkungen für Irritationen gesorgt: Vize-Regierungschef Bülent Arinc hatte lautes Frauenlachen in der Öffentlichkeit als unschicklich bezeichnet und damit vor allem den Protest junger Türkinnen provoziert.

Erdogans Herausforderer will am Posten des Staatschefs nicht rütteln

Der oppositionelle Herausforderer bei der türkischen Präsidentschaftswahl, Ekmeleddin Ihsanoglu, will im Fall seines Wahlsiegs nicht an der repräsentativen Funktion des Amts rütteln. Die Idee eines starken Präsidenten sei lediglich ein «Hirngespinst» und der «persönliche Wunsch» von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, sagte Ihsanoglu der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview.

Ein solches System sei nicht zum Wohle des Volkes, daher werde die türkische Nation es auch ablehnen. Erdogan gilt als aussichtsreichster Kandidat bei dem Urnengang am Sonntag, bei dem der türkische Staatspräsident erstmals direkt vom Volk gewählt wird und nicht vom Parlament. Im Falle seines Sieges will Erdogan durch eine Verfassungsänderung die Machtbefugnisses des Präsidenten deutlich ausweiten.

Ihsanoglu erklärte, im Fall seiner Wahl wolle er das parlamentarische System der Türkei auf der Basis eines neutralen Präsidenten nicht in Frage stellen. Der 70-Jährige versprach zudem, als «Präsident aller» Türken aufzutreten und sich für die Lösung der Konflikte in der Gesellschaft einzusetzen. Seine Aufgabe verglich er mit einem Familienoberhaupt, das die ganze Familie um den Tisch versammle - so wolle auch er «76 Millionen Menschen» versammeln.

Ihsanoglu ist der gemeinsame Kandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) und der rechten Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP). In einer Umfrage vom Donnerstag lag er bei 34 Prozent, Erdogan würde 57 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Erhält im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit, kommt es Ende August zu einer Stichwahl.

(sda/AFP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch