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Erdogans Herzensangelegenheit

Die Türkei im Jahr 2016 – das war kein Land, dem man noch einen Militärputsch zugetraut hätte. Genauso wenig eine Rückkehr zur Todesstrafe. Genau diese wird jetzt diskutiert.

Nach der Putschnacht von Istanbul: Türkische Polizisten und Zivilisten tragen einen gelynchten Soldaten über die Bosporusbrücke. Foto: Yasin Akgul (AFP)
Nach der Putschnacht von Istanbul: Türkische Polizisten und Zivilisten tragen einen gelynchten Soldaten über die Bosporusbrücke. Foto: Yasin Akgul (AFP)

Unglaublich leicht kommen diese zwei Wörter den Leuten auf der Strasse über die Lippen: «Idam istiyorum!» Es ist wie ein Chor, der für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan singt. Er wird immer lauter, immer wütender. «Idam istiyorum!» – «Idam istiyorum!» Ein Mann ruft: «Ich wünsche es mir von ganzem Herzen.» Erdogan steht mittendrin. «Idam istiyorum» heisst: «Ich will die Todesstrafe.» Auch für Erdogan ist die Todesstrafe offenbar eine Herzensangelegenheit. Er sagt, sein Herz sage Ja zur Todesstrafe. Aber wenn es nicht möglich sei, sie wieder einzuführen, dann wolle er zumindest eine «erschwerte lebenslange Haft» für diejenigen, die das Land am Wochenende ins Unglück gestürzt haben.

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