Zum Hauptinhalt springen

Wie Griechenland die Flüchtlingskrise bewältigen will

Italien hat das Experiment mit Hotspots lanciert, Griechenland folgt. Doch es gibt grosse Hürden.

Griechenland will Flüchtlinge schneller und einfacher registrieren: Flüchtlinge auf Lesbos.
Griechenland will Flüchtlinge schneller und einfacher registrieren: Flüchtlinge auf Lesbos.
Antonis Pasvantis/AP

Die griechische Regierung will in spätestens zehn Tagen auf der Ägäis-Insel Lesbos einen so genannten «Hotspot» zur Aufnahme und Registrierung von Flüchtlingen einrichten. Insgesamt sollen auf den Inseln Lesbos, Kos, Samos, Chios und Leros fünf Hotspots eingerichtet werden. Auf diesen griechischen Inseln treffen die meisten Bootsflüchtlinge ein, die von der Türkei aus über das Mittelmeer in die EU zu gelangen versuchen.

Die Einrichtung der Aufnahme- und Registrierungszentren für Flüchtlinge gehört zum Konzept der Europäischen Union für einen effizienten und gemeinsamen Umgang mit der Flüchtlingskrise. Asselborn unterstrich, die EU werde Griechenland bei der Einrichtung der Zentren «finanziell und logistisch» unterstützen.

Ein Beschluss der EU sieht vor, rund 70'000 Flüchtlinge aus Griechenland in andere EU-Staaten umzuverteilen. Insgesamt will die EU 160'000 Flüchtlinge aus den besonders stark betroffenen Ländern Griechenland und Italien auf andere Staaten verteilen. Die ersten Migranten wurden am Freitag von Italien nach Schweden gebracht.

Italien hat schon einen Hotspot

In Italien ist der erste Hotspot auf der Insel Lampedusa bereits eingerichtet, dort läuft die Erprobungsphase. Bis Ende November soll der Hotspot nach Angaben von Innenminister Angelino Alfano seinen regulären Betrieb aufnehmen. Weitere Hotspots sind in den Städten Pozzallo, Porto Empedocle, Trapani, Augusta und Taranto geplant, bis Jahresende sollen sie ebenfalls funktionieren.

Wegen des guten Wetters versuchten erneut zahlreiche Bootsflüchtlinge Griechenland zu erreichen. Die griechische Küstenwache rette innerhalb von 24 Stunden mehr als 1100 Menschen aus dem Meer vor den Inseln der Ostägäis. Die Helfer seien vor Lesbos, Leros, Chios, Samos, Farmakonisi und Kos im Einsatz gewesen, teilte die Küstenwache am Samstag weiter mit.

Gespräche zwischen Athen und Ankara

Angesichts der Zahl von 400'000 Flüchtlingen, die seit Jahresbeginn in Griechenland eingetroffen sind, sagte Asselborn, es werde ein «langer und schwieriger» Weg sein, Lösungen zu finden. Die Regierungen in Ankara und Athen sollten ihre bilaterale Zusammenarbeit nutzen, um die Zahl der Flüchtlinge zu drosseln.

Der griechische Einwanderungsminister Giannis Mouzalas sagte, entsprechende Gespräche Griechenlands mit der Türkei hätten begonnen, er werde seinen türkischen Amtskollegen am kommenden Mittwoch in Istanbul treffen.

Gewalt gegen Flüchtlinge in mehreren Ländern

Unterdessen stieg die Zahl gewalttätiger Übergriffe auf Flüchtlinge in mehreren Ländern. Vor der griechischen Insel sollen fünf vermummte Männer vier mit Flüchtlingen überfüllte Schlauchboote attackiert haben.

Wie das Nachrichtenportal «lesvosnews.net» und andere Medien der Insel am Samstag berichteten, zerstörten die Angreifer die Aussenbordmotoren der Schlauchboote und verschwanden anschliessend mit ihrem Schnellboot. Es sollen griechische Rechtsextremisten gewesen sein.

In Deutschland kam es vor allem im Bundesland Sachsen zu Übergriffen. In einer neuen Unterkunft für Asylsuchende in Chemnitz griffen Rechtsextreme Sympathisanten der Flüchtlinge an und verletzten laut Polizei zwei von ihnen leicht. Zudem wurde das Gebäude einer Kirchengemeinde, die Flüchtlinge aufgenommen hatte, attackiert. Die Täter warfen mehrere Scheiben ein, eine Frau im Inneren des Hauses erlitt dabei Verletzungen.

Laut dem deutschen Bundeskriminalamt nahm die Zahl der Angriffe auf Asylunterkünfte in diesem Jahr stark zu. «Wir sind jetzt mittlerweise bei 500 angekommen - nach wie vor steigend», sagte BKA-Präsident Holger Münch im Interview der Woche des Deutschlandfunks, das der Sender am Sonntag ausstrahlt.

Auch in den Niederlanden griffen rund 20 Vermummte eine Notunterkunft für Flüchtlinge am. Sie hätten in der Nacht zum Samstag in Woerden schwere Feuerwerkskörper und Eier auf das Gebäude geworfen und versucht einzudringen, teilte ein Polizeisprecher in Utrecht mit. Es war der erste grössere Übergriff dieser Art in den Niederlanden. Zehn Personen wurden festgenommen.

SDA/ofi

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch