Es eint sie nur der Hass auf alles Fremde

Matteo Salvini lanciert die Allianz der Rechten für die Europawahlen. Der Plan ist Frucht eines Denkfehlers.

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Matteo Salvini ist ein Star in Italien. Wo er auch auftritt, und er tritt ständig irgendwo auf, wird er umschwärmt von seinen Anhängern, es sind auch Anbeter dabei. Sie rufen ihn «capitano», Kapitän. Dieser Tage besuchte er die grosse Weinmesse. Alle paar Meter hielt ihn ein Fan auf für ein Selfie. «Was soll ich machen?», sagte er, «man mag mich eben.» Er liebt sie, diese Anhimmelung, sie benebelt ihn wohl auch ein bisschen.

Nun würde sich Italiens Innenminister und Vizepremier gern zum Kapitän der europäischen Rechtspopulisten, Identitären und Souveränisten hochschwingen. Zum Chef einer Inter­nationalen der Nationalisten. Doch dieser Aufstieg ist zum Glück etwas komplizierter als der im eigenen Land.

Salvinis Projekt leidet nämlich an einem fundamentalen Überlegungsfehler. Nationalisten kümmert nur das Wohl ihres jeweiligen Heimatlandes: die eigene Kultur, die eigene Sprache, das eigene Geld – die eigenen politischen Stars auch. Der Slogander Lega etwa lautet: «Prima gliitaliani», die Italiener zuerst.

Ein Star daheim – aber draussen? Matteo Salvini, geblendet von der Popularität, träumt vom Aufstieg zum internationalen Leader.

Die meisten Rechten im übrigen Europa halten es zum Beispiel für unerhört, wie frivol die römische Regierung, die Salvini ja ganz massgeblich mitprägt, mit ihrem Haushalt Schulden anhäuft, mit der Frühpension und dem Bürgerlohn. Salvini selber würde gerne auch noch die Flat Tax einführen, die noch einmal einige Dutzend Milliarden Euro im Jahr kosten würde. Der italienische Staat hat aber bereits einen horrenden Schuldenberg, und der gefährdet alle Länder in der Eurozone. Von der AfD, die nun mit Salvinis Lega koalieren will, ist unter anderem dieser Spruch überliefert: «Die spinnen, die Römer!» So twitterte Alice Weidel im vergangenen Herbst, als das Budget Italiens für 2019 bekannt wurde. «Und wir Deutschen sollen dann dafür bezahlen.»

Wie soll das zusammengehen? Eigentlich eint Europas extreme Rechte nur der Hass auf alles Fremde, Weltoffene und Gemeinschaftliche. Der Wunsch nach Abschottung, er ist der einzige Kitt dieser Internationalen. Und das ist etwas gar wenig.

Erstellt: 08.04.2019, 20:39 Uhr

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