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Es ist unsere Schande

Es sind unsere Toten. Entsetzen und Empörung über die Tragödie sind scheinheilig. Lampedusa ist mehr als eine Insel. Es ist das Symbol einer Politik, für die in Europa ein breiter Konsens besteht.

Bis zu 300 Menschen starben, als ihr Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa sankt: Das Wrack des Schiffs auf dem Meeresgrund. (4. Oktober 2013)
Bis zu 300 Menschen starben, als ihr Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa sankt: Das Wrack des Schiffs auf dem Meeresgrund. (4. Oktober 2013)
Keystone
Neben dem Somalier Muhidin (auf dem Foto rechts) hat die Polizei auch den Palästinenser Attour Abdalmenem (auf dem Foto links) verhaftet. (8. November 2013)
Neben dem Somalier Muhidin (auf dem Foto rechts) hat die Polizei auch den Palästinenser Attour Abdalmenem (auf dem Foto links) verhaftet. (8. November 2013)
AP Photo/Alessandro Fucarini
Italien verdreifacht die Patrouillen zu Wasser und zu Luft: Schiffe der Küstenwache in Lampedusa. (6. Oktober 2013)
Italien verdreifacht die Patrouillen zu Wasser und zu Luft: Schiffe der Küstenwache in Lampedusa. (6. Oktober 2013)
AFP
Mitglieder der italienischen Küstenwache retten Migranten aus dem Meer. (Videostandbild vom 3. Oktober 2013)
Mitglieder der italienischen Küstenwache retten Migranten aus dem Meer. (Videostandbild vom 3. Oktober 2013)
Keystone
Sie riefen «Schande» und «Mörder»: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Lampedusa. (9. Oktober 2013)
Sie riefen «Schande» und «Mörder»: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Lampedusa. (9. Oktober 2013)
Keystone
Die Zahl der Toten steigt täglich: Die italienische Küstenwache birgt eine Leiche aus dem Wasser. (8. Oktober 2013)
Die Zahl der Toten steigt täglich: Die italienische Küstenwache birgt eine Leiche aus dem Wasser. (8. Oktober 2013)
Keystone
Will das bestehende Einwanderungsgesetz ändern: Die italienische Immigrationsministerin Cecile Kyenge (links), im Bild mit der Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini. (6. Oktober 2013)
Will das bestehende Einwanderungsgesetz ändern: Die italienische Immigrationsministerin Cecile Kyenge (links), im Bild mit der Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini. (6. Oktober 2013)
Reuters
«Es war extrem schwierig. Aber es ist unser Job»: Rettungstaucher im Hafen von Lampedusa. (7. Oktober 2013)
«Es war extrem schwierig. Aber es ist unser Job»: Rettungstaucher im Hafen von Lampedusa. (7. Oktober 2013)
Keystone
Im Innern des Wracks werden noch mehr Tote vermutet: Italienische Soldaten tragen einen Leichensack. (7. Oktober 2013)
Im Innern des Wracks werden noch mehr Tote vermutet: Italienische Soldaten tragen einen Leichensack. (7. Oktober 2013)
AFP
«Schwierige Momente»: Italiens Integrationsministerin Cecile Kyenge nach einer Pressekonferenz auf Lampedusa. (6. Oktober 2013)
«Schwierige Momente»: Italiens Integrationsministerin Cecile Kyenge nach einer Pressekonferenz auf Lampedusa. (6. Oktober 2013)
Keystone
Nach einem längeren Unterbruch wegen starker Winde gingen die Bergungsarbeiten Tage nach dem Unglück weiter: Italienische Soldaten bringen Leichensäcke an Land. (6. Oktober 2013)
Nach einem längeren Unterbruch wegen starker Winde gingen die Bergungsarbeiten Tage nach dem Unglück weiter: Italienische Soldaten bringen Leichensäcke an Land. (6. Oktober 2013)
Keystone
Auch Kinder kamen ums Leben: Teddybären und Blumen auf weissen Särgen. (5. Oktober 2013)
Auch Kinder kamen ums Leben: Teddybären und Blumen auf weissen Särgen. (5. Oktober 2013)
AFP
Illegal Eingereisten drohen nach italienischem Gesetz Geldstrafen von bis zu 5000 Euro: Überlebende des Schiffsunglücks vor Lampedusa. (3. Oktober 2013)
Illegal Eingereisten drohen nach italienischem Gesetz Geldstrafen von bis zu 5000 Euro: Überlebende des Schiffsunglücks vor Lampedusa. (3. Oktober 2013)
Italienische Küstenwache, Keystone
Der italienische Fischer Michele Burgio in seinem Boot an der Stelle, wo das Schiff mit den Flüchtlingen gesunken war. (5. Oktober 2013)
Der italienische Fischer Michele Burgio in seinem Boot an der Stelle, wo das Schiff mit den Flüchtlingen gesunken war. (5. Oktober 2013)
Keystone
Fischer warfen an der Stelle, an der das Boot sank, Blumen ins Meer. (5. Oktober 2013)
Fischer warfen an der Stelle, an der das Boot sank, Blumen ins Meer. (5. Oktober 2013)
AFP
Eine Frau trauert um die mehr als 300 Flüchtlinge, die vor Lampedusa starben. (4. Oktober 2013)
Eine Frau trauert um die mehr als 300 Flüchtlinge, die vor Lampedusa starben. (4. Oktober 2013)
AFP
Die meisten der alten, hölzernen Fischerboote, mit denen Flüchtlinge reisen, sind nicht mehr seetauglich: Die italienische Küstenwache bei einem Flüchtlingsboot. (Standbild aus einem Video, das die Guardia Costiera am 4. Oktober veröffentlicht hat.)
Die meisten der alten, hölzernen Fischerboote, mit denen Flüchtlinge reisen, sind nicht mehr seetauglich: Die italienische Küstenwache bei einem Flüchtlingsboot. (Standbild aus einem Video, das die Guardia Costiera am 4. Oktober veröffentlicht hat.)
Keystone
«Je länger, desto mehr sehen wir wieder alte, hölzerne Fischerboote im Einsatz», sagt Politologe Jürg Martin Gabriel: Habseligkeiten von Flüchtlingen auf einem Schiff in Lampedusa. (3. Oktober 2013)
«Je länger, desto mehr sehen wir wieder alte, hölzerne Fischerboote im Einsatz», sagt Politologe Jürg Martin Gabriel: Habseligkeiten von Flüchtlingen auf einem Schiff in Lampedusa. (3. Oktober 2013)
Keystone
Will die Überlebenden der Bootskatastrophe aufnehmen: Der Bürgermeister von Rom, Ignazio Marino. (Hier in einer Archivaufnahme vom 12. April 2013)
Will die Überlebenden der Bootskatastrophe aufnehmen: Der Bürgermeister von Rom, Ignazio Marino. (Hier in einer Archivaufnahme vom 12. April 2013)
AFP
Auf Lampedusa fand ein Gedenkanlass für die Toten statt. (4. Oktober 2013)
Auf Lampedusa fand ein Gedenkanlass für die Toten statt. (4. Oktober 2013)
AFP
Sie überlebte das Unglück: Ein Frau im Spital von Palermo. (3. Oktober 2013)
Sie überlebte das Unglück: Ein Frau im Spital von Palermo. (3. Oktober 2013)
Keystone
Das Deck des Schiffs nach der Havarie. (3. Oktober 2013)
Das Deck des Schiffs nach der Havarie. (3. Oktober 2013)
Keystone
Unter den Toten befinden sich auch Kinder und Frauen: Zugedeckte Leichen am Hafen von Lampedusa. (3. Oktober 2013)
Unter den Toten befinden sich auch Kinder und Frauen: Zugedeckte Leichen am Hafen von Lampedusa. (3. Oktober 2013)
Keystone
Den Brand sollen die Migranten selbst entfacht haben, um auf ihr Schiff aufmerksam zu machen. (3. Oktober 2013)
Den Brand sollen die Migranten selbst entfacht haben, um auf ihr Schiff aufmerksam zu machen. (3. Oktober 2013)
AFP
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Wir wollen die Migranten und Flüchtlinge nicht, die aus südlicheren Teilen Afrikas in Europa Arbeit, ein besseres Leben oder Schutz vor Verfolgung suchen. Wir werden auch die 2 Millionen Menschen nicht bei uns haben wollen, die in Syrien auf der Flucht sind und jede Chance nutzen werden, um nach Europa zu gelangen. Und in den Konflikt eingreifen vor unserer Haustür wollen wir schon gar nicht. Aber wegschauen hilft nicht. Lampedusa ist dort, wo die Erste und die Dritte Welt aufeinanderstossen. Je nach Witterung kommen fast täglich Boote. Oft haben die Insassen Glück und schaffen es lebend ans rettende Ufer. Nicht selten gehen sie mit ihrem Kahn unter. Jedes Jahr sind es Hunderte, die tot angespült und in Leichensäcke verpackt werden, ohne dass immer Fernsehkameras dabei sind.

Papst Franziskus spricht von einer Schande. Es ist Europas Schande, unsere Schande. Dass es gegen das Drama am Wohlstandsgraben keine einfachen Rezepte gibt, ist ein Allgemeinplatz. Bis zum arabischen Frühling haben Diktatoren à la Ghadhafi Europa weitgehend die Arbeit abgenommen, die Migranten zurückzuhalten, gegen Entgelt natürlich.

Festung Europa

Danach haben wir aber alles unternommen, um die Lage zu verschärfen. Je stärker Europa zur Festung ausgebaut wird, desto höher wird der Preis, desto riskanter wird die Überfahrt und desto mehr Tote werden zu beklagen sein. Mehr Radare und Satelliten mögen helfen, Leben zu retten. Aber auch jetzt ist vor allem die Rede davon, weiter aufzurüsten.

Dabei gäbe es Wege, etwas Druck von der Aussengrenze zu nehmen. Europa müsste endlich die Möglichkeiten zur legalen Einwanderung verbessern, etwa im Rahmen von Migrationspartnerschaften mit afrikanischen Staaten. Es geht auch nicht länger, dass Länder ohne Aussengrenzen wie Deutschland oder die Schweiz es den exponierten Italienern, Spaniern oder Griechen überlassen, den Flüchtlingstreck zu bewältigen. Etwas mehr Solidarität würde das Entsetzen über das tägliche Drama am Wohlstandsgraben glaubwürdiger erscheinen lassen.

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