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«Es ist wohl Zeit, in Panik auszubrechen»

Trump ist Clinton bei Meinungsumfragen erstmals voraus. Er müsse als Präsidentschaftskandidat ernst genommen werden, sagen Experten.

Clintons Vorsprung auf Trump bricht ein: Ein Diagramm des Durchschnitts der jeweils letzten fünf Umfragen. (24. Mai 2016) Bild:Screenshot/realclearpolitics.com
Clintons Vorsprung auf Trump bricht ein: Ein Diagramm des Durchschnitts der jeweils letzten fünf Umfragen. (24. Mai 2016) Bild:Screenshot/realclearpolitics.com

Der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, liegt in Meinungsumfragen zum ersten Mal vor der wahrscheinlichen Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton. Trump gewinnt neu den Durchschnitt der letzten fünf direkten Gegenüberstellungen auf der Website RealClearPolitics (RCP). Das heisst, dass bei einer Wahl zwischen Trump und Clinton zurzeit durchschnittlich mehr Amerikaner für den Immobilien-Mogul stimmen würden als für die ehemalige Senatorin von New York.

Das bedeutet zwar nicht, dass Trump eine Wahl gegen Clinton gewinnen würde – der Vorsprung beträgt mickrige 0,2 Prozent und rechnet nicht das US-Wahlsystem ein, das ja notorisch verzerrend wirkt. Aber die Popularität Trumps erstaunt. So kommentiert der Chef-Wahlanalyst von RCP Sean Trende auf Twitter: «Es ist wohl Zeit, in Panik auszubrechen.»

Mona Chalabi widersprichtin der linksliberalen Zeitung «The Guardian» aus Grossbritannien. Trump nähere sich Clinton nicht zum ersten Mal: Schon Ende letzten Jahres war er ihr dicht auf den Fersen (siehe Grafik). «Genau wie Experten eine Weile brauchten, um zu akzeptieren, dass Trump genug populär ist, um die republikanische Nomination zu gewinnen, so sieht es so aus, als realisierten sie nur sehr langsam, dass er auch das Weisse Haus gewinnen könnte», schreibt die Daten-Journalistin.

Erstaunt, aber nicht überrascht

Trende ist aber von der Popularität Trumps nicht überrascht, sondern erstaunt. Der feine Unterschied liegt darin, dass Trende einen Kandidaten wie Trump seit Jahren erwartet hat und sich jetzt darüber ärgert, dass seine Vorhersagen stimmen. Es sei, als ob dieser Wahlgang dafür gemacht worden sei, seine Analysen der demografischen Entwicklung der USA zu bestätigten, twittert Trende.

Trende erklärt seine Sicht des Trump-Phänomens in einem Artikel auf RCP. Zusammengefasst meint er, dass sich die republikanische Partei zusehends von ihrer traditionell eingestellten Basis entfernt hat. «Die republikanische Partei offeriert Kandidaten vom kosmopolitischen Amerika, deren Reden von Schreibern aus dem kosmopolitischen Amerika formuliert werden und die ihre politischen Positionen in Bürogebäuden im kosmopolitischen Amerika entwickeln. Und dann wundern sie sich, dass ihre [traditionelle] Basis davon nicht begeistert ist.»

Trump sei schlicht der einzige Kandidat, der die Sprache der Traditionalisten spricht. «Wie haben Republikaner und die politische Klasse am Anfang auf Trump reagiert? Sie machten sich über seine Art zu reden lustig – und wunderten sich dann, dass sich Leute, die wegen ihrer Ausdrucksart auf eine ähnliche Art verspottet werden, mit Trump solidarisieren.» Er meint sogar, Trumps Akzent sei einer seiner grössten Vorteile.

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