Etikettierung hilft nicht, ein solches Verbrechen zu begreifen

Die Tat von Frankfurt soll ein Eritreer begangen haben. Nun häufen sich gruppenbezogene Verurteilungen.

Menschen haben am Frankfurter Hauptbahnhof Blumen niedergelegt. (29. Juli 2019) Bild: Armando Babani/EPA/Keystone

Menschen haben am Frankfurter Hauptbahnhof Blumen niedergelegt. (29. Juli 2019) Bild: Armando Babani/EPA/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was ist das für jemand, der zu solch einer Tat imstande ist? Was muss im Inneren eines Mannes ablaufen, damit er eine Mutter und ihren achtjährigen Sohn vor einen ICE stösst? Was Menschen einander antun, ist mitunter kaum auszuhalten.

Eritreischer Herkunft soll der mutmassliche Täter sein. Wer dies mitteilt, schürt damit keine Vorurteile, denn nach einer monströsen Tat wie der von Frankfurt hat die Allgemeinheit einen Anspruch, etwas zur Identität des Festgenommenen zu erfahren, nicht aber Letzterer ein Recht auf Anonymität.

Zugleich haben im Netz und bei den Rechtsaussenpolitikern schnell wieder jene das Wort geführt, die entweder stets ihre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausleben oder die Etikettierungen für eine Methode halten, Verbrechen zu begreifen. Würde man das auch, zum Beispiel, mit Sportschützen tun, die bei zwei anderen aktuellen Fällen in Deutschland, zur Waffe griffen? Ein Mann, aktiv im Schützenverein, erschoss den Regierungspräsidenten von Kassel; ein anderer, ebenfalls Schütze, schoss in Wächtersbach aus einem fahrenden Auto auf einen Eritreer. Die – ohnehin absurde – Verallgemeinerung blieb aus.

Am Montag vergangener Woche hatte im hessischen Wächtersbach ein 55-jähriger Deutscher einen 26-jährigen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt und sich danach das Leben genommen. Der Angriff war rassistisch motiviert. Am Samstag demonstrierten Menschen im Dorf gegen die Gewalt. Bild: Kai Pfaffenbach/Reuters

Angemessen nach einer solchen Tat ist im Grunde nur dies: mit der Familie zu trauern; die eigenen Kinder in den Arm zu nehmen, wenn sie am Abend gesund nach Hause kommen. Dieses Glück hält man in der Regel für selbstverständlich. Das ist es aber nicht.

Erstellt: 29.07.2019, 20:53 Uhr

Artikel zum Thema

Täter von Frankfurt ging bereits in Zürich mit Messer auf Nachbarin los

Ein Mann hat in Frankfurt einen 8-Jährigen vor den Zug gestossen. Auch in der Schweiz suchte ihn die Polizei. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Sea Happy – abtauchen und Marken sammeln

Füllen Sie beim täglichen Einkauf Ihre Sea Happy Sammelkarte und freuen Sie sich über Geschenke mit Unterwasser-Flair.

Blogs

Sweet Home So wird das Stöckli wieder modern

Never Mind the Markets Wohneigentum wird unerschwinglich? Gut so!

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...