EU-Kommission will über Asylverfahren entscheiden

Die EU-Kommission will laut einem Medienbericht die Entscheidung über Asylansprüche womöglich nicht länger den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen.

Flüchtlingskrise: Menschen demonstrieren in Lausanne gegen das Dublin-System. (12. März 2016)

Flüchtlingskrise: Menschen demonstrieren in Lausanne gegen das Dublin-System. (12. März 2016) Bild: Keystone

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Brüssel erwäge, «die Verantwortung für die Bearbeitung von Asylansprüchen von der nationalen Ebene auf EU-Ebene zu verlegen», berichtet die «Welt» in ihrer Dienstagsausgabe unter Berufung auf Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des europäischen Asylsystems, die am Mittwoch vorgelegt werden sollen.

Der Plan sehe vor, das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (Easo) in eine Agentur mit Entscheidungsbefugnissen umzuwandeln, die in jedem Mitgliedstaat künftig einen Ableger haben und auch Einsprüche gegen die jeweiligen Bescheide bearbeiten solle.

«Dies würde einen einzigen und zentralisierten Entscheidungsmechanismus schaffen und würde so die komplette Harmonisierung der Verfahren, aber auch der konsistenten Beurteilung von Schutzbedürfnissen auf EU-Ebene sichern», zitiert die Zeitung aus dem Brüsseler Papier.

Kritik am Dublin-System

Kritik übt die EU-Kommission an dem bestehenden Dublin-System zur Verteilung von Flüchtlingen, das sich in der aktuellen Krise als ungeeignet erwiesen habe. Eine kleine Zahl von Mitgliedsländern müsse dadurch die Hauptlast tragen. «Das ist eine Situation, die die Möglichkeiten eines jeden betroffenen Staates strapaziert.»

Nach den Dublin-Vorgaben müssen Flüchtlinge in der Regel in dem Land einen Asylantrag stellen, in dem sie als erstes europäischen Boden betreten. Dies führt jedoch dazu, dass Länder an den Aussengrenzen Europas übermässig belastet werden – wie derzeit vor allem Griechenland.

Zwei Reformoptionen

Die EU-Kommission schlägt nach Informationen der «Welt» zwei verschiedene Reformoptionen vor. Laut dem ersten Szenario soll das Dublin-System durch einen «korrigierenden Fairness-Mechanismus» ergänzt werden, der ausgelöst werden solle, «sobald eine zuvor definierte Schwelle von Asylbewerbern in einem Mitgliedsland erreicht ist».

Als zweite Option schlägt die Kommission dem Bericht zufolge vor, die Asylbewerber nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel, der auf «der relativen Grösse, dem Reichtum und den Aufnahmekapazitäten der Mitgliedstaaten basiert», auf die einzelnen Länder zu verteilen. (pat/AFP)

Erstellt: 05.04.2016, 00:04 Uhr

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