Europarat-Berichterstatterin alarmiert über Lage in Ostukraine

Es fehlen lebensnotwendige Medikamente: Die deutsche Parlamentarierin Marieluise Beck warnt vor verheerenden Folgen der desolaten Lage im Konfliktgebiet.

Nach Sabotageangriffen auf Stromleitungen fiel am Sonntag auf der gesamten Krim der Strom aus: Ein Lebensmittelgeschäft in Simeropol wird mit Kerzen beleuchtet. (22. November 2015)

Nach Sabotageangriffen auf Stromleitungen fiel am Sonntag auf der gesamten Krim der Strom aus: Ein Lebensmittelgeschäft in Simeropol wird mit Kerzen beleuchtet. (22. November 2015) Bild: Pavel Rebrov/Reuters

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Die Berichterstatterin der Parlamentarier-Versammlung des Europarats für die Ostukraine, die deutsche Grüne Marieluise Beck, hat sich alarmiert über die humanitäre Krise in den von pro-russischen Rebellen kontrollierten Gebieten geäussert. Die Berichterstatterin der Parlamentarier-Versammlung des Europarats für die Ostukraine, die deutsche Grüne Marieluise Beck, hat sich alarmiert über die humanitäre Krise in den von pro-russischen Rebellen kontrollierten Gebieten geäussert. Nach der willkürlichen Ausweisung von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen seien vor allem kranke und geschwächte Menschen erheblichen Risiken ausgesetzt, warnte die deutsche Parlamentarierin in einer vom Europarat veröffentlichten Medienmitteilung.

Selbst Schwerkranke erhielten nicht mehr die lebensnotwendigen Medikamente, hob Beck hervor. Dies gelte etwa für Antibiotika, auf die hunderte von Tuberkulose-Patienten angewiesen seien. Durch diesen Mangel könnten neue, resistente Varianten von Tuberkulose entstehen, die letztlich «das Leben und die Gesundheit von uns allen bedrohen».

Die de facto-Machthaber in den Regionen von Donezk und Luhansk seien nach dem internationalen humanitären Recht für das Wohlergehen der Bevölkerung in den von ihnen kontrollierten Gebieten verantwortlich. Aber auch Russland stehe in der Pflicht, weil Moskau die pro-russischen Rebellen unterstütze. Beck ist Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, der 314 nationale Abgeordnete aus den 47 Mitgliedsstaaten angehören. Sie verfolgt im Auftrag der Versammlung die Menschenrechtslage in den Gebieten, die nicht mehr unter der Kontrolle der Kiewer Regierung stehen.

Etwas Schweizer Hilfe

Seit am 21. Juli die meisten Hilfsaktionen in den Separatistengebieten von den dortigen De-facto-Behörden gestoppt wurden, warten laut dem UNO-Büro zur Koordination humanitärer Aktionen (OCHA) 16'000 Tonnen an Medikamenten, Nahrungsmitteln, Decken und Gerät in Lagerhäusern darauf, an die Notleidenden verteilt zu werden. Dies entspricht etwa 800 Lastwagen-Ladungen.

Die Schweiz ist derzeit neben dem IKRK und einer tschechischen Organisation die einzige Hilfebringerin. Ende Oktober brachte ein Schweizer Hilfskonvoi mit 20 Lastwagen Hilfe für die Donbass-Metropole Donezk. Geladen waren über 300 Tonnen Desinfektions- und Säuberungschemikalien zur Wasseraufbereitung in den Wasserwerken der Region. (thu/sda)

Erstellt: 23.11.2015, 19:53 Uhr

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