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Experten identifizieren «unbekannte» Krim-Kämpfer

Die Welt rätselt über die Herkunft der bisher nicht identifizierten Soldaten auf der Krim. Kenner sprechen nun von der russischen Elitetruppe Speznas.

Steigt die Gefahr? Eine Frau demonstriert in Kiew gegen einen möglichen Krieg. (23. März 2014)
Steigt die Gefahr? Eine Frau demonstriert in Kiew gegen einen möglichen Krieg. (23. März 2014)
Reuters
In Kiew fürchtet man, dass Russland die ganze Ukraine erobern will: Nicht gekennzeichnete Soldaten dringen mit einem Panzer auf die ukrainische Luftwaffenbasis in Belbek bei Sewastopol ein.
In Kiew fürchtet man, dass Russland die ganze Ukraine erobern will: Nicht gekennzeichnete Soldaten dringen mit einem Panzer auf die ukrainische Luftwaffenbasis in Belbek bei Sewastopol ein.
Shamil Zhumatov, Reuters
Gespenstische Szenen: Soldaten in Balaklawa auf der Krim. (1. März 2014)
Gespenstische Szenen: Soldaten in Balaklawa auf der Krim. (1. März 2014)
VIKTOR DRACHEV, AFP
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«Örtliche Selbstverteidigungskräfte» sollen nach Angaben Moskaus die mit Schnellfeuerwaffen ausgerüsteten Bewaffneten sein, die seit Tagen strategisch wichtige Punkte und Stützpunkte der ukrainischen Armee auf der Krim umstellen. Ihre Uniformen «kann man in jedem Laden kaufen», behauptet Russlands Präsident und Ex-KGB-Offizier Wladimir Putin.

Experten bezweifeln Putins Worte jedoch: Aus ihrer Sicht besteht kein Zweifel, dass es sich bei den Kämpfern um Angehörige der russischen Elitetruppe Speznas handelt. «Es dürfte sich um die 3. Speznas-Brigade aus Toljatti handeln», einer Stadt in der Region Samara, sagt Russland-Experte Igor Sutjagin vom Royal United Services Institute (Rusi) in London. «Sie sind an ihrer Spezialausrüstung zu erkennen.»

Solche Ausrüstung gebe es nur bei Spezialeinheiten. Die russischen Elitekämpfer seien ausgebildet für Aufklärungs- und Sabotageeinsätze und würden von «mindestens zwei Marine-Brigaden aus dem Schwarzen Meer und dem Baltischen Meer» unterstützt, sagt Sutjagin.

Besonders gefährlich und geheim

Die russischen «Einheiten zur besonderen Verwendung» – «spezialnowo nasnatschenija» – werden immer dann eingesetzt, wenn es besonders gefährlich ist oder Einsätze besonderer Geheimhaltung bedürfen.

Sie kamen in Afghanistan und Tschetschenien, aber auch bei den gerade erst beendeten Olympischen Winterspielen in Sotschi zum Einsatz. Auch im Georgien-Krieg um die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien operierten Speznas-Truppen 2008 – in einem Konflikt, der dem auf der Krim in manchem ähnelt.

Die Speznas-Truppen gehören zum russischen militärischen Nachrichtendienst GRU, sie werden vom Innenministerium und der Armee eingesetzt. Ihre Wurzeln reichen zurück zu den NKWD-Gruppen, den Truppen des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten, die bereits im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis operierten und später als Geheimpolizei zum Synonym für stalinistischen Terror wurden.

Gräueltaten in Tschetschenien

Neben der Aufklärung und Sabotage gehören asymmetrische Kriegsführung und der Kampf gegen den Terrorismus zu den Spezialgebieten der Speznas. Ihre Angehörigen unterliegen einem strikten Schweigegebot. Daher ranken sich Legenden um die Truppe. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International werfen ihnen aber auch viele Gräueltaten etwa in Tschetschenien vor.

Die geheimnisvollen Truppen auf der Krim operieren ohne sichtbare Nationalitäts-, Armee- und Rangabzeichen. Der Kreml bestreitet, mit ihnen etwas zu tun zu haben: Moskau habe keine Kontrolle über prorussische Bewaffnete auf der Krim, sagt Aussenminister Sergei Lawrow.

Experten sind sich einig

Diese Angaben werden von Experten zurückgewiesen. Die russischen Streitkräfte hätten sich bemüht, «jegliche Identifizierung» zu erschweren, sagt Matthew Clements vom angesehenen Fachblatt «Jane's Intelligence Review». «Aber was wir wissen, ist, dass mit Sicherheit Einheiten von Spezialtruppen und Luftlandetruppen auf die Krim geschickt wurden.»

Auch ein ehemaliger ranghoher europäischer Sicherheitsvertreter zeigt sich zu «200 Prozent» überzeugt von einem Speznas-Einsatz auf der Krim. Die Elitekämpfer seien Experten, wenn es darum gehe, «Verwirrung und Chaos im Zuge einer psychologischen Offensive» zu schaffen.

Die Einschätzung der Experten wird gestützt von Berichten ukrainischer Grenzschützer, die nach eigenen Worten miterlebten, wie Soldaten und Militärflugzeuge auf der Halbinsel im Schwarzen Meer landeten, bevor sich die geheimnisvollen Uniformierten vor Flughäfen und Kasernen postierten. Von Reportern zu ihrem Auftrag befragt, antworten die mysteriösen Männer immer nur: «Kein Kommentar.»

SDA/mw

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