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Exzentrischer Scherz

Wenn der Eindruck aus Sizilien nicht täuscht, dann geht kein Weg am Rückkehrer Berlusconi vorbei.

Sizilien ist eine Karikatur Italiens – in fast allem, eine Übertreibung. Der nationalen Politik diente die Insel immer als Labor: Sie testet da Neues und gelegentlich sehr Altes und leitet dann Tendenzen für das Land ab. Man lag auch schon daneben. Der Sieg der Rechten bei den Regionalwahlen ist vor allem ein erstaunlicher Erfolg für Silvio Berlusconi. Der ist jetzt 81 und untersteht einem Ämterbann. Doch seine Auftritte in Sizilien waren eine Show: Er gebärdete sich als «Damm» gegen den Populismus der Cinque Stelle und versprach wieder allen alles. Populistischer geht es nicht. Der Trick funk­tioniert, wenigstens in Sizilien.

Im kommenden Frühling wählen die Italiener ein neues Parlament, und auch national sehen die Demoskopen das rechte Lager vorne. Doch während es in Sizilien reicht, eine einzige Stimme mehr zu gewinnen, um den Regierungschef zu stellen, braucht es dafür in Rom eine absolute Mehrheit. Mit dem neuen Wahlgesetz wird das keiner der drei Pole alleine schaffen: weder das rechtsbürgerliche Lager noch das linksliberale, auch die Cinque Stelle nicht. An die Macht schafft es dann nur, wer bereit ist, über breite ideologische Gräben hinweg zu koa­lieren. Ähnlich wie in Deutschland.

Nur: Das ist Italien. Politische Deals sind hier glitschig wie Fischrücken, sie gehorchen oft barocken Überlegungen und überdauern nie sehr lange. Wenn der Eindruck aus Sizilien nicht täuscht, dann geht kein Weg am Rückkehrer Berlusconi vorbei: Ohne ihn, ohne seine Stimmen, wird sich in Italien wohl keine neue Regierungsmehrheit finden lassen. Und das ist schon ein recht exzentrischer Scherz der Geschichte.

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