Farage tritt bei den Neuwahlen nicht an

Der Brexit-Hardliner konzentriert sich auf andere Aufgaben. Premier Boris Johnson hat sich derweil beim Volk entschuldigt.

Immer für eine Überraschung gut: Nigel Farage. (Keystone/1. November 2019)

Immer für eine Überraschung gut: Nigel Farage. (Keystone/1. November 2019)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der britische Rechtspopulist und Brexit-Hardliner Nigel Farage will nicht bei der Parlamentswahl im Dezember antreten. Das sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender BBC am Sonntag.

Er diene der Sache besser, indem er durch Vereinigte Königreich reise und so die 600 Kandidaten seiner Partei unterstütze. Bei der Wahl am 12. Dezember wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Farages Brexit-Partei und den Tories von Premierminister Boris Johnson erwartet.

Farage sagte, er habe «sehr genau darüber nachgedacht», ob er wieder kandidieren solle. «Es ist sehr schwierig, jeden Tag in einem Wahlkreis zu sein und gleichzeitig im ganzen Vereinigten Königreich unterwegs zu sein», sagte er der BBC.

Farage hatte zuvor angekündigt, in jedem Wahlkreis Kandidaten aufzustellen, es sei denn, die Konservativen stimmen einer Pro-Brexit-Allianz zu. Das schloss Premier Johnson wiederholt aus.

Der ehemalige Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei ist seit Jahren Gegner der EU-Mitgliedschaft Grossbritanniens und ein scharfer Kritiker des Brexit-Abkommens, auf das sich Johnson jüngst mit der EU verständigt hat.

Der 55-Jährige führt die Brexit-Partei an, die Anfang des Jahres als Bewegung gegen die Europawahl ins Leben gerufen wurde. Farage ist seit 1999 Mitglied des Europaparlaments. Sieben Mal versuchte er, britischer Abgeordneter zu werden – und verlor jedes Mal.

Johnsons Bedauern

Johnson entschuldigte sich derweil in einem Interview mit dem Fernsehsender Sky News für die erneute Verschiebung des Brexit. Der Regierungschef äusserte am Sonntag «tiefes Bedauern». Er sei «sehr, sehr enttäuscht».

Die Verschiebung sei nicht «schmerzhaft wegen der Versprechungen oder meines Egos», sondern wegen der Unsicherheit für das gesamte Land. Johnson sagte auch, er befürchtete eine weitere Brexit-Verzögerung, käme die Labour-Opposition an die Regierung.

Der britische Regierungschef kritisierte zudem US-Präsident Trump, der am Donnerstag dem britischen Radiosender LBC gesagt hatte, Johnsons Brexit-Deal mache «in gewisser Hinsicht» den Abschluss eines Handelsabkommens zwischen den USA und Grossbritannien unmöglich. «Ich möchte den Präsidenten nicht schlecht machen, aber in dieser Hinsicht macht er einen offensichtlichen Fehler», sagte Johnson. «Jeder, der sich unsere Vereinbarung ansieht, kann sehen, dass es sich um eine ausgezeichnete Vereinbarung handelt.»

Johnson hatte seit seinem Amtsantritt im Juli wiederholt betont, den Brexit «um jeden Preis» bis zum 31. Oktober durchzusetzen. Er sagte sogar, er würde lieber «tot im Graben liegen», als um eine weitere Verschiebung zu bitten. Sein mit Brüssel ausgehandeltes Austrittsabkommen fiel jedoch im britischen Parlament durch.

(fal/sda)

Erstellt: 03.11.2019, 16:02 Uhr

Artikel zum Thema

Johnson: «Brexit wird absolut spätestens im Januar passieren»

Eigentlich hätte Grossbritannien am 31. Oktober aus der EU austreten sollen. Stattdessen hat der Wahlkampf Fahrt aufgenommen. Mehr...

Britisches Parlament beschliesst Neuwahlen vor Weihnachten

Labour gibt den Widerstand gegen die Pläne von Premier Boris Johnson auf – und stimmt für vorgezogene Parlamentswahlen. Mehr...

Jetzt macht auch Corbyn mit: «Ich unterstütze Neuwahlen»

Labour will den von Premier Johnson angestrebten Neuwahlen nun zustimmen. Am Montagabend wurde dies noch abgelehnt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Robo-Adviser gehen offline

Das Wohnzimmer staubsaugen zu lassen, ist etwas andere, als das Vermögen anzuvertrauen: Robo-Adviser in der Schweiz sind auf dem Rückzug. Die Gründe.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...