Finnland verschenkt Grundeinkommen zu Weihnachten

Ab dem nächsten Jahr erhalten 2000 Finnen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das Pilotprojekt soll später ausgeweitet werden.

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Umgerechnet rund 600 Franken im Monat, zwei Jahre lang, einfach so. Finnland testet nächstes Jahr als erstes Land überhaupt ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wer die 2000 Personen sind, die am Experiment teilnehmen dürfen, wird kommende Woche ausgelost – gerade rechtzeitig zu Weihnachten. Die Auserwählten werden per Brief informiert.

«Entscheidend wird aus gesellschaftlicher und politischer Sicht sein, ob dieses Grundeinkommen mehr Menschen zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten anregt. Oder ob es eher passiver macht», zitiert die SRF-Sendung «Echo der Zeit» Rikard Husu, einen finnischen Journalisten, der seit Jahren über das Thema berichtet.

560 Euro im Monat sind jedoch bescheiden. In Finnland gibt ein Haushalt monatlich rund 3000 Euro aus. «Jeder Euro, den man dazuverdient – auch in einem Niedriglohn- oder Teilzeitjob –, wird das Einkommen der Menschen erhöhen», sagte Wirtschaftsminister Olli Rehn Ende September zur «Zeit». Dieser Verdienst werde nicht mit der Sozialhilfe verrechnet wie bisher.

Vereinfachung des Sozialsystems

Das seit 2012 in der Rezession steckende Land erhofft sich von einem bedingungslosen Grundeinkommen eine Vereinfachung seines komplexen Sozialsystems, das Arbeitslosigkeit, Unterbringung, Ausbildung und Elterngeld umfasst.

Letztlich will die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Juha Sipilä damit aber auch die Staatsausgaben verringern und die Furcht abbauen, dass Zuwendungen wegfallen, sobald jemand einen Job annimmt.

Grundeinkommen in der Schweiz chancenlos

Vorerst verursacht das Projekt jedoch Kosten in der Höhe von 100 Millionen Franken. Schon 2018 soll das Experiment gemäss SRF-Sendung ausgedehnt werden, von 2000 auf 10'000 Personen. Sollten eines Tages alle fünf Millionen Finnen ein Grundeinkommen erhalten, würde dies die finanziellen Mittel des Landes wohl sprengen.

Im Juni war in der Schweiz eine Volksinitiative für ein Grundeinkommen mit fast 77 Prozent abgelehnt worden. Zwar beinhaltete das Begehren keine Zahlen, die Initianten empfahlen aber ein Einkommen von 2500 Franken für Erwachsene und von 625 Franken für Minderjährige. (woz)

Erstellt: 18.12.2016, 20:42 Uhr

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