First Girlfriend

Die toughe PR-Frau Carrie Symonds ist Partnerin des Premier-Favoriten Boris Johnson – und mal wieder in den Schlagzeilen.

Die 31-Jährige Carrie Symonds ist seit 2018 die Partnerin von Boris Johnson – er hatte seine Frau für sie verlassen. Foto: John Stillwell/PA Images via Getty Images

Die 31-Jährige Carrie Symonds ist seit 2018 die Partnerin von Boris Johnson – er hatte seine Frau für sie verlassen. Foto: John Stillwell/PA Images via Getty Images

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Es gibt, als eingeführten Begriff, die First Lady, also die Gattin eines Staats- oder Regierungsoberhaupts. In Grossbritannien sieht man an der Seite der scheidenden Premierministerin Theresa May regelmässig den First Husband, ihren Mann Philip. Ebenfalls häufig fotografiert wird Larry, die First Cat, die in der Downing Street lebt und sich zur Freude der Journalisten, die dort viel Zeit verbringen müssen, gern vor der schwarzen Tür von Nummer 10 in der Sonne aalt.

Seit einigen Tagen nun dominiert Carrie Symonds die Schlagzeilen – als First Girlfriend. Die 31-Jährige ist die Lebensgefährtin des Unterhaus-Abgeordneten und Telegraph-Kolumnisten Boris Johnson, der gute Chancen hat, der nächste Premier des Königreichs zu werden.

Herablassende Kommentare

Im vergangenen Sommer war bekannt geworden, dass Johnson seine langjährige Ehefrau Marina wegen einer jungen Blondine mit dem Spitznamen «Apples» verlassen hatte. Symonds, die zwei Jahre lang Kommunikationschefin der Tories gewesen war, wurde daraufhin mit so vielen herablassenden Kommentaren überzogen, dass sich eine Gruppe von Parlamentarierinnen in einem offenen Brief genötigt sahen, Symonds gegen die «sexistische Berichterstattung» in Schutz zu nehmen. Ob die PR-Frau ihre Karriere im Tory-Hauptquartier umgehend gegen einen Job bei der Umwelt-Charity Oceana eintauschte, weil ihr Öko-Themen ein Anliegen sind, oder weil sie als Freundin von Boris zum Rückzug gezwungen wurde, ist nicht bekannt.

Johnson hatte im Sommer 2018, als die neue Affäre des homme à femmes bekannt wurde, gerade dem Brexit-Plan der Premierministerin eine Absage erteilt und war als Aussenminister zurückgetreten. Er übersiedelte in die Wohnung von Symonds, kündigte die Scheidung von seiner Frau an – und erst einmal zog Ruhe ein. Er nahm ab, liess sich die Haare schneiden, und die Boulevardmedien berichteten über den «positiven Einfluss» der neuen Frau in Johnsons Leben.

Kluge, toughe Frau

In der Partei war Symonds, studierte Kunsthistorikerin und Tochter des Mitbegründers des Independent, schnell aufgestiegen. Sie hatte an der Kampagne zur Wiederwahl von Johnson als Bürgermeister mitgearbeitet, war dann aber als kluge, toughe Frau aufgefallen und erst ins Kultusministerium, dann in das Team des späteren Innenministers Sajid Javid gewechselt. Umweltminister und Johnson-Rivale Michael Gove soll auch versucht haben, sie abzuwerben. Auf ihrem 30. Geburtstag, berichten Medien, habe sich die Crème de la Crème der Konservativen Partei die Klinke in die Hand gegeben.

Symonds machte aber nicht nur PR für die Partei, sondern auch in einer öffentlichen Angelegenheit. Sie war im Alter von 19 Jahren eines der vielen Opfer von John Worboys gewesen – eines Taxifahrers, der junge Frauen in seinem Auto betäubte und dann vergewaltigte. Worboys soll weit mehr als hundert Frauen missbraucht haben. 2018 sollte er, zehn Jahre nach seiner Verurteilung, auf freien Fuss kommen.

Viele Opfer zeigten sich schockiert, die Begnadigungskommission geriet unter Druck. Symonds unterstützte eine Kampagne zur Überprüfung der Freilassung und fand viele Unterstützerinnen, unter anderem im Unterhaus. Worboys kam nicht frei, weitere Opfer meldeten sich bei der Polizei, und der «black-cab-rapist» hat neue Gewalttaten zugegeben.

«Seeotter haben das dickste Fell»

Nun sind Symonds und Johnson zurück in den Schlagzeilen – wegen eines lauten Streits am Wochenende, der Nachbarn und die Polizei auf den Plan rief. Versuche von Johnson, die Sache herunterzuspielen, misslangen bisher.

Freunde von Symonds werden in Johnson-freundlichen Medien damit zitiert, das Paar sei sehr verliebt und mache Hochzeitspläne; somit könnte die 31-Jährige als First Lady in die Downing Street einziehen.

Sie selbst hält sich bedeckt. Als sie im vergangenen Jahr wegen der Affäre stark unter Druck stand, twitterte sie bedeutungsvoll: «Seeotter haben das dickste Fell von allen Tieren.»

Erstellt: 25.06.2019, 18:58 Uhr

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