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Räumung des Dschungels hat begonnen

Um 8 Uhr öffneten am Montagmorgen die Tore eines Versammlungspunktes für die Flüchtlinge von Calais. Sie werden in verschiedene Teile Frankreichs gebracht.

Bei der Räumung des Camps in Calais ist es zu mindestens einer Explosion, Dutzenden Bränden und Ausschreitungen gekommen: Ein Bild einer Explosion. (26. Oktober 2016)
Bei der Räumung des Camps in Calais ist es zu mindestens einer Explosion, Dutzenden Bränden und Ausschreitungen gekommen: Ein Bild einer Explosion. (26. Oktober 2016)
François Nascimbeni, AFP
Die Feuerwehr musste mehrere Dutzend Feuer löschen. (26. Oktober 2016)
Die Feuerwehr musste mehrere Dutzend Feuer löschen. (26. Oktober 2016)
François Nascimbeni, AFP
Die Behörden schätzen, dass sich im «Dschungel von Calais» bis zu 200 Aktivisten der No-Border-Bewegung aufhalten, die für eine Welt ohne Grenzen eintreten.
Die Behörden schätzen, dass sich im «Dschungel von Calais» bis zu 200 Aktivisten der No-Border-Bewegung aufhalten, die für eine Welt ohne Grenzen eintreten.
Etienne Laurent, Keystone
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Die Auflösung des unter dem Namen «Dschungel» bekannt gewordenen illegalen Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais ist entgegen den Befürchtungen ruhig angelaufen. Die Menschen werden seit Montagmorgen mit Bussen auf Regionen in ganz Frankreich verteilt. «Das ist ein wichtiger Tag. Der Staat macht eine beträchtliche Anstrengung», sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums Pierre-Henri Brandet.

Bereits im Morgengrauen warteten am Montag Hunderte Menschen mit Rollkoffern und Taschen bepackt vor einem Registrierzentrum nahe dem Camp. «Es ist besser, jetzt zwei Stunden zu warten als dann zwei Tage», sagte ein sudanesischer Flüchtling. Ein anderer Flüchtling sagte, er sei schon um 4 Uhr morgens angekommen.

Innenminister Bernard Cazeneuve sprach am Montag in Paris von einer «ruhigen und geordneten Operation». Er hoffe, dass so die gesamte Räumung des Lagers verlaufen werde.

Noch kein Asylverfahren

Die Präfektin von Pas-de-Calais verglich das Registrierzentrum mit einem riesigen, improvisierten Busbahnhof. Im Zentrum findet nur eine erste Befragung der Flüchtlinge statt, noch kein Asylverfahren. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind der Grossraum Paris und Korsika.

Die Behörden betonten immer wieder ein «humanitäres» Vorgehen. Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig meldeten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. «Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen.» Die Behörden arbeiteten seit langem mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen.

Unbegleitete Minderjährige, Familien und Kranke oder Schwangere wurden getrennt registriert. Kinder und Jugendliche, die alleine unterwegs sind, durften zunächst in Containern in Calais bleiben. Für ihr Aufnahmeverfahren gibt es besondere Regeln. Frankreich pocht auf eine Familienzusammenführung, wenn Angehörige bereits in Grossbritannien leben.

Sorge über die kommenden Tage

Noch in der Nacht hatten im Camp Mülltonnen gebrannt. Es war zu Zusammenstössen gekommen, als Flüchtlinge versucht hatten, auf eine nahe gelegene Autobahn zu gelangen. Die Polizei hatte sie zurückgedrängt und dabei auch Tränengas eingesetzt.

Verletzt wurde nach Angaben der Behörden allerdings niemand. Die Befürchtungen der Behörden, Aktivisten könnten die Auflösung des Lagers mit gewaltsamen Protesten begleiten, traten zunächst nicht ein.

Erneut gewaltsame Ausschreitungen: Flüchtlinge und Polizisten geraten im «Dschungel» von Calais aneinander.

Die vollständige Räumung soll noch eine Woche dauern. Schon am Dienstag wollen die Behörden damit beginnen, Zelte und Hütten abzureissen, in denen die Flüchtlinge bislang wohnten. Die Präfektur sprach von einer «noch nie da gewesenen Operation». Im Einsatz sind nach offiziellen Angaben rund 1250 Polizisten.

Menschenrechtler machten sich derweil Sorgen über die kommenden Tage. Derzeit laufe alles gut, weil jene Flüchtlinge zu den Bussen kämen, die «ungeduldig darauf gewartet haben, wegzugehen», sagte der Leiter der Organisation L'Auberge des Migrants (Herberge der Flüchtlinge), Christian Salomé. «Bald sind nur noch die Leute hier, die nicht weg- und weiterhin nach Grossbritannien gelangen wollen.»

SDA/kat

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