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Viele Menschen ertrinken in der Ägäis

Fünf Tage nach dem Brüsseler Flüchtlingsgipfel wird das Mittelmeer weiter zum nassen Grab für Migranten.

Gerettet: Flüchtlinge werden ans griechische Festland gebracht. (29. Oktober 2015)
Gerettet: Flüchtlinge werden ans griechische Festland gebracht. (29. Oktober 2015)
AP Photo/Santo Palacios
Viele Flüchtlinge aus Krisenländern wie Syrien und dem Irak nehmen trotz der immer schwierigeren Bedingungen die riskante Überfahrt auf sich. (29. Oktober 2015)
Viele Flüchtlinge aus Krisenländern wie Syrien und dem Irak nehmen trotz der immer schwierigeren Bedingungen die riskante Überfahrt auf sich. (29. Oktober 2015)
Aris Messinis, AFP
Erst am Mittwoch waren bei mehreren Schiffsunglücken vor griechischen Inseln 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter elf Kinder. (28. Oktober 2015)
Erst am Mittwoch waren bei mehreren Schiffsunglücken vor griechischen Inseln 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter elf Kinder. (28. Oktober 2015)
AP Photo/Santi Palacios
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Die Überfahrt von der Türkei zu den nahe gelegenen griechischen Inseln ist erneut zahlreichen Flüchtlingen zum tödlichen Verhängnis geworden. Allein seit Donnerstagabend seien auf dem Weg zur Insel Lesbos mindestens 23 Menschen ertrunken, teilte die griechische Küstenwache mit. Zudem barg sie weitere Leichen eines am Mittwoch vor Lesbos gesunkenen Holzbootes mit 300 Menschen an Bord. Damit stieg die Opferzahl auf 29, darunter viele Kinder. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras warf der EU Unfähigkeit vor.

Nach dem Untergang von zwei Flüchtlingsbooten vor den Inseln Kalymnos und Rhodos konnte die griechische Küstenwache 144 Menschen aus dem Meer retten. 22 Menschen ertranken, darunter 13 Kinder. Die türkische Küstenwache barg zudem die Leichen von vier Kindern; 19 Flüchtlinge wurden gerettet. Das verunglückte Boot war auf dem Weg zur griechischen Insel Lesbos.

3329 Flüchtlinge ertrunken in zehn Monaten

Etliche der griechischen Inseln in der Ägäis liegen zwar nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt, doch kommt es bei der Überfahrt immer wieder zu tödlichen Unglücken. Erst am Mittwoch waren vor Lesbos und Samos 17 Flüchtlinge ertrunken.

Damit sind in den ersten zehn Monaten bereits 3329 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, mehr als im gesamten Jahr 2014, wie die Internationale Organisation für Migration mitteilte. Viele Flüchtlinge kommen aus Syrien, wo seit viereinhalb Jahren ein Bürgerkrieg tobt.

Trotz der kühlen Temperaturen und der rauen See machen sich weiter jeden Tag hunderte Menschen auf den Weg von der Türkei zu den nahen griechischen Inseln, um die EU zu erreichen. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte, dass sich die Lage der Menschen durch die rauen Wetterverhältnisse noch verschlechtere.

Private Helfer im Dauereinsatz

Hilfsorganisationen und private Helfer sind im Einsatz um Überlebenden auf den Inseln beizustehen. «Nachts ist es besonders schlimm, dann wird der Wind noch stärker», sagt der Brite Faruk Divelli, der mit Privatleuten auf Lesbos hilft.

«Wir entzünden Feuer am Strand, damit die Flüchtlinge sehen, wo sie hinsteuern müssen.» Wenn die Menschen das rettende Ufer erreichen, spielten sich dramatische Szenen ab, berichtet der 48-jährige. Sie seien «durchnässt, unterkühlt und traumatisiert.

«Wir haben halbtote Kinder von den Booten geholt, mit Wasser in der Lunge. Und wir haben nicht einmal genug Rettungsdecken, Wasser und Medikamente für sie», schildert er die dramatische Situation.

Fassungslos ist Divelli über die Tatsache, dass auf Lesbos hauptsächlich Privatleute und Nichtregierungsorganisationen helfen. «Man sieht keine staatlichen Helfer, nur Freiwillige aus aller Herren Länder.»

In der Türkei registrieren

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras schlug vor, die Registrierungszentren (Hotspots) von den griechischen Inseln in die Türkei zu verlagern, damit die Menschen nicht die gefährliche Seereise auf sich nehmen müssen. Im Parlament zeigte er sich am Morgen tief betroffen von den wiederholten Bootsunglücken.

Er fühle «Scham» angesichts der «Unfähigkeit Europas, seine Werte zu verteidigen». Das eine Land schiebe das Problem dem anderen zu. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Ägäis «zu einem Friedhof wird». Der griechische Regierungschef erinnerte die Türkei daran, dass sie verpflichtet sei, den Andrang von Menschen aufzuhalten.

Im Ägäischen Meer würden «nicht nur tote Kinder, sondern die gesamte Zivilisation von Europa» angespült, sagte Tsipras. Er beklagte, die Europäische Union erweise sich als zu schwerfällig, der Flüchtlingskrise zu begegnen. Westliche Länder, die an Militäreinsätzen im Nahen Osten teilnähmen, müssten Verantwortung für den massenhaften Andrang von Flüchtlingen übernehmen.

Weitere Tragödien

Auch vor der spanischen Küste spielten sich weitere Tragödien ab. So wurde am Freitag weiter nach 35 Flüchtlingen gesucht, deren Boot am Mittwoch auf der Überfahrt von Marokko gesunken war. Am Donnerstagabend waren vier Leichen geborgen worden.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warnte vor einem Scheitern des Projekts von Aufnahmezentren an den EU-Aussengrenzen. «Die Hotspots werden nur funktionieren, wenn wir die Flüchtlinge innerhalb Europas fair verteilen» sagte Schulz dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Er rief dazu auf, den Ländern an den EU-Aussengrenzen bei ihrem Einsatz finanziell und personell zu helfen.

SDA/chk

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