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François Bayrou will Hollande wählen

Der Zentrumspolitiker hat sich im französischen Wahlkampf offiziell hinter François Hollande gestellt. Er straft damit Nicolas Sarkozys Stimmenfang im rechten Lager ab.

Kritisiert den Wahlkampf Sarkozys: Francois Bayrou an einer politischen Debatte in Lille. (18. April 2012)
Kritisiert den Wahlkampf Sarkozys: Francois Bayrou an einer politischen Debatte in Lille. (18. April 2012)
Reuters

Kurz vor der Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich hat der sozialistische Kandidat und Favorit François Hollande die Unterstützung des Zentrumspolitikers François Bayrou erhalten.

Er werde am Sonntag für Hollande stimmen, sagte Bayrou am Donnerstagabend in Paris. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy habe versucht, den rechtsextremen Wählern hinterherzujagen, kritisierte er. Der in allen Umfragen führende Hollande erklärte am Abend in Toulouse, die Unterstützung Bayrous sei «die Wahl eines freien und unabhängigen Manns». Bayrou habe verstanden, dass Sarkozy die Franzosen gespalten habe und es ein Risiko für Frankreich bedeute, ihn für eine zweite Amtszeit zu wählen. Zugleich versicherte Hollande, es habe zwischen ihm und Bayrou keinerlei Absprachen gegeben.

Jagd nach den Wählern anderer Parteien

Bayrou hatte im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl am 22. April knapp zehn Prozent der Stimmen auf sich vereint. Seither versuchten Sarkozy und Hollande, für die Stichwahl die Wähler aus anderen politischen Lagern für sich zu mobilisieren.

Bayrou betonte, mit seiner Entscheidung für Hollande treffe er seine persönliche Wahl. Er gebe den Anhängern seiner Partei Demokratische Bewegung (MoDem) keine allgemeine Wahlempfehlung; jeder solle nach seinem Gewissen entscheiden. Dem Staatschef warf der MoDem-Vorsitzende vor, er habe rechtsextremen Wählern hinterherjagen wollen. «Dort finden wir uns nicht mit unseren Werten wieder», sagte Bayrou.

«Die Meinung eines einzelnen Mannes»

Die Rechtsextreme Marine Le Pen, die in der ersten Wahlrunde als Drittplatzierte fast 18 Prozent erreicht hatte, hatte ihre Wähler bereits indirekt zu einem Protestvotum aufgerufen. Sie seien «frei» und ihrem «Gewissen» verpflichtet, sagte sie; sie selbst werde aber einen «weissen» Stimmzettel als Zeichen des Protests abgeben. Weder Sarkozy noch Hollande hätten das Vertrauen der Franzosen verdient.

Die Abgabe eines «weissen» Stimmzettels lehnte Bayrou ab. Dies bedeute eine «Nicht-Entscheidung», und dies sei unter den jetzigen Umständen für ihn kein Weg, sagte Bayrou. Der 60-Jährige war angetreten, in Frankreich eine «neue Mehrheit» in der Mitte zu organisieren. Im Wahlkampf warb er für eine Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit.

Sarkozys Parteifreund, Premierminister François Fillon, sagte am Abend bei einer Wahlkundgebung in Bordeaux, die Äusserung Bayrous sei lediglich «die Meinung eines einzelnen Manns». Er rief dazu auf, noch einmal alle Kräfte bis zum Wahlsonntag zu mobilisieren.

(dapd)

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