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Frauen als Störfaktoren

Die Politik in Österreich wird nach den Wahlen bedenklich männlich.

Wie sehr die Parlamentswahlen vom Sonntag Österreich nach rechts verschieben, bleibt vorerst offen. Sicher ist aber, dass sie Österreichs Politik wieder deutlich männlicher machen.

Beim vermutlich zukünftigen Juniorpartner in der Regierung, der FPÖ, hat keine einzige Frau eine Führungsposition. Die mittlere Funktionärsschicht besteht vorwiegend aus Mitgliedern schlagender Burschenschaften. Die Wähler dürfte das allerdings wenig stören, sie sind ebenfalls vorwiegend männlich.

Wahlsieger Sebastian Kurz hat versucht, die ÖVP weiblicher zu machen. Sprechen durften die Kandidatinnen im Wahlkampf aber nicht, das blieb dem Jungstar vorbehalten. Und nach den Wahlen sieht alles ganz anders aus: Etliche Kandidatinnen wurden von Männern verdrängt, die dank Vorzugsstimmen ins Parlament kommen.

Krass zeigt sich die Misogynie ausgerechnet bei jener Partei, die mehr Frauen in die Politik holen wollte: Die Grünen glaubten, sie könnten mit Ulrike Lunacek als einziger Spitzenkandidatin vor allem bei Wählerinnen punkten. Nun wird die weibliche Parteispitze für den Rauswurf der Partei aus dem Parlament verantwortlich gemacht. Hinter vorgehaltener Hand verlangen grüne Männer ein Ende der «Weiberwirtschaft». Besonders viel Hass zieht Wiens grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou auf sich.

Das Fernsehen trägt seinen Teil dazu bei, dass die Politik in Männerhand bleibt. In den politischen Talkshows des Privatsenders von Red Bull diskutieren praktisch nur Männer, im öffentlich-rechtlichen ORF sitzt meistens eine Frau vier oder fünf Männern gegenüber. Frauen in der Politik – das gilt in Österreich manchmal als interessant, manchmal als provokant. Aber nur für kurze Zeit, denn letztendlich sind Frauen doch nur Störfaktoren der männlichen Routine. Nun kehrt das Land zur Normalität zurück.

Als künftige Regierungspartei möchte die FPÖ Österreich an die Visegrad-Staaten im Osten Europas heranführen. Dort finden die Rechtspopulisten nicht nur politische Allianzen, auch bei den Geschlechterrollen scheinen diese Länder als Vorbild zu dienen: In Ungarn, Tschechien oder der Slowakei sind Politikerinnen eine verschwindende Minderheit. In Ungarn kommt die Regierung ganz ohne Frauen aus.

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