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Fünf britische Soldaten wegen Mordes in Afghanistan angeklagt

Wegen mutmasslichen Mordes bei einem Einsatz in Afghanistan müssen sich fünf britische Elitesoldaten vor Gericht verantworten. Laut der Regierung ging es dabei um einen «Vorfall mit einem Aufständischen».

Von insgesamt neun festgenommenen Soldaten wurden vier wieder freigelassen: Ein britischer Soldat in Afghanistan im Einsatz.
Von insgesamt neun festgenommenen Soldaten wurden vier wieder freigelassen: Ein britischer Soldat in Afghanistan im Einsatz.
AFP

Erstmals seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan sind britische Elitesoldaten wegen eines mutmasslichen Mordes angeklagt worden. Gegen fünf Marineinfanteristen sei Anklage erhoben worden, teilte das Verteidigungsministerium in London heute mit. Im Süden Afghanistans wurden am Wochenende bei mehreren Anschlägen mindestens neun Menschen getötet.

Das britische Verteidigungsministerium erklärte, es gehe bei der Anklage um einen «Vorfall mit einem Aufständischen» 2011. Die Militärpolizei hatte in diesem Zusammenhang am Donnerstag sieben Marineinfanteristen festgenommen, am Freitag und Samstag folgten zwei weitere Festnahmen. Vier dieser insgesamt neun Soldaten wurden laut Ministerium inzwischen ohne Anklage wieder freigelassen.

Einsatzregeln befolgen

Es ist das erste Mal, dass derartige Ermittlungen gegen britische Soldaten wegen des Einsatzes in Afghanistan eingeleitet wurden. Die BBC berichtete, die Untersuchung gehe auf verdächtige Aufnahmen zurück, die auf dem Laptop eines Soldaten gefunden worden seien. Die Marineinfanteristen wurden 1755 als Eliteeinheit der britischen Marine gegründet und gelten als eine der härtesten Kampfeinheiten der Welt.

Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond sagte der BBC, die Soldaten müssten die Einsatzregeln befolgen: «Alle Soldaten an Konfliktschauplätzen kennen die Einsatzregeln. Sie tragen in ihren Uniformen Karten mit den Regeln darauf, falls sie sich dies in Erinnerung rufen müssen.» Die britische Regierung sei «entschlossen», diese Regeln durchzusetzen.

Anschlag von Taliban verübt

In der Provinz Helmand sprengte sich am Samstag ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollpunkt in die Luft. Er tötete dabei einen Soldaten und ein ziviles Mitglied der Nato-geführten ISAF-Truppe, wie ein ISAF-Sprecher sagte. Nach Angaben eines Sprechers der Provinz Kandahar starben bei dem Anschlag auch vier Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes NDS, drei weitere seien verletzt worden.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Nach Angaben eines Sprechers der Aufständischen starben dabei sechs Ausländer und mehrere Afghanen. Kandahar ist eine der unruhigsten Provinzen Afghanistans. Dort erfahren die radikalislamischen Aufständischen auch viel Unterstützung durch die Bevölkerung.

In der Provinz Kalat explodierte am Samstag zudem ein Sprengsatz, als ein Polizeifahrzeug vorbeifuhr. Dabei wurden zwei Polizisten getötet und drei Beamte verletzt, wie offizielle Stellen erklärten.

Abzug bis 2014

Die Nato ist in Afghanistan mit 130'000 Soldaten im Einsatz, bis 2014 sollen die Kampftruppen abgezogen werden. Die Bundesregierung will einem Bericht zufolge aber schon 2013 die Zahl ihrer Soldaten deutlich verringern. Die zuständigen Minister Thomas de Maizière (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) hätten sich darauf verständigt, im neuen Mandat für die Bundeswehr das deutsche Kontingent auf deutlich unter 4000 Mann absinken zu lassen, berichtete der «Spiegel» heute vorab aus seiner neuen Ausgabe.

Derzeit sieht das Mandat für die Bundeswehr in Afghanistan eine Obergrenze von 4900 Soldaten vor, bis Januar 2013 soll diese Zahl auf 4400 sinken. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht auf Anfrage nicht. Weder Zahlen noch zeitlicher Umfang des Mandats stünden derzeit fest, sagte ein Ministeriumssprecher.

AFP/wid

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